Wooden Peak – „Electric Versions“


Künstler*in Wooden Peak

Wooden Peak Electric Versions Review Kritik

Wooden Peak haben neun eigene Songs neu interpretiert.

Album Electric Versions
Label Teleskop
Erscheinungsjahr 2021
Bewertung

Ein bisschen blasiert wirkt die Idee ja schon. Wooden Peak aus Leipzig, die schon vorher in ihren vier Alben manchmal den nötigen Sicherheitsabstand zu Konservatorium-Schwurbel oder Jazz-Elitismus unterschritten haben, nehmen einige ihre eigenen Songs als elektrifizierte Versionen neu auf, zusätzlich angereichert durch Posaune und Bassklarinette, die Wencke Wollny und Antonia Hausmann von Karl die Große beisteuern.

Die Sorge, diese Electric Versions könnten zu selbstverliebt oder bloß Selbstreferenz werden, können Sebastian Bode und Jonas Wolter, die seit 2008 als Wooden Peak gemeinsam musizieren, aber schnell zerstreuen. Stücke wie Swarm überzeugen mit einer tollen Atmosphäre, Wednesday zeigt, wie sehr dieser Sound auch in der neuen Besetzung in sich selbst ruht, Cows Collide verdeutlicht eine Sensibilität, die stets viel zu viel Intelligenz hat, um von „Gefühligkeit“ sprechen zu müssen.

Manchmal gehen über das Anders-sein-Wollen von Wooden Peak auch hier der Fokus und Appeal verloren, meist liegt er aber genau in diesem Anders-Sein. In Lumen werden die Bläser clever als Kontrapunkte eingesetzt, aber natürlich nicht auf plakative Weise. Point zeigt, dass der Gesang von Jonas Wolters einen großen Impact haben kann, gerade in diesem so beschaulichen Umfeld. Who Blinks First wirkt wie Musik aus einer völlig in sich geschlossenen Kapsel, die fast gar kein Interesse daran hat, nach außen zu dringen.

Lamp eröffnet die Platte mit einer einsamen Gitarren und einem trocken-dezenten Beat, die Bläser klingen hier noch, als würden sie erst um Erlaubnis fragen, ob sie wirklich mitmachen dürfen. Schon hier wirft Electric Versions einige Fragen nach der pasenden Einordnung auf, die letztlich den Reiz des Albums ausmachen: Ist das Pop? Dafür ist es zu ungewöhnlich. Experimentell? Dafür klingt es zu angenehm. Prog? Dafür ist es zu einnehmend. Ambient? Dafür wirkt es zu lebendig.

Das setzt sich auch in Great Farm fort, wo der Bass etwas dominanter wird, auch wenn die Grundstimmung sanft bleibt. Das Ergebnis wirkt, als hätte jemand die Musik von Badly Drawn Boy zerschnipselt und wieder neu zusammengesetzt. Miss Goodman deutet ganz am Ende der Platte sogar Tanzbarkeit an. Wann immer man denkt, das Stück würde jetzt wirklich auf diesen Kurs einschwenken, hält es sich dann aber doch stets zurück. Dezent bleibt King bei Wooden Peak – und ihre Electric Versions wirken letztlich nicht wie ein Experiment oder eine Zweitverwertung, sondern tatsächlich zwingend.

Wooden Peak spielen Great Farm live in der Nato.

Website von Wooden Peak.

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