Xenia Beliayeva – „Riss“


Künstler Xenia Beliayeva

Xenia Beliayeva  Riss Kritik Rezension

Auch Jahre nach dem Debüt ist „Riss“ das zweite Album von Xenia Beliayeva.

Album Riss
Label Manual Music
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Man könnte Xenia Beliayeva für langsam halten. Schon in den 1990er Jahren hatte sie ihre ersten Auftritte als DJ, doch erst 2006 erschien ihre erste Single. Dann dauerte es noch einmal vier Jahre bis zum Debütalbum Ever Since, danach ließ sich die 1980 in Moskau geborene Künstlerin noch einmal acht Jahre Zeit bis zum gestern erschienenen Nachfolger Riss.

Natürlich kann von Bequemlichkeit trotz dieser großen Abstände keine Rede sein. Schließlich ist Xenia Beliayeva nicht nur permanent und international als DJ unterwegs. Sie produziert auch eine eigene Radioshow namens „Radio Xenbel“. Nicht zuletzt ist die Wahl-Hamburgerin im Musikgeschäft nicht nur als Künstlerin aktiv, sondern beispielsweise auch als Promoterin oder schon vor fast 20 Jahren als A&R-Frau beim legendären Hamburger Indie-Label Ladomat.

Die Single High Expectations eröffnet das Album mit der Zeile „I am a mess / I must confess“ und einem sehr dominanten Bass, trotzdem bewahrt der Track seine Leichtigkeit. Der psychische Ausnahmezustand ist ein Leitmotiv in den Texten: In BPD klingt Borderline wie ein Geisteszustand, der beinahe erstrebenswert klingt. Reihe 5 handelt von der Wucht, mit der man von einer Begegnung und einer Person getroffen werden kann, die sich tagelang erschütternd anfühlt, egal wie kurz die Situation war, die sie ausgelöst hat. Ein rollender Bass und ein stoischer Beat prägen die Single Because, in Kombination klingt das wirklich so unheilvoll wie die zentrale Zeile „I build a fire for you.“

Der Titelsong Riss ist sehr typisch für das Album und verortet Xenia Beliayeva sehr gekonnt in der Bettina-Köster-Schule der intelligenten (und herausfordernden) Tanzmusik. Für die Melodie in Leise Schritte scheinen verfremdete Steel Drums zu sorgen, neben englischen und deutschen Texten gibt es in Televisor auch den Hinweis: „It’s Russian time and Russian disco“, verkündet von einer Männerstimme zu einem ansonsten russischen Text und sehr kühlen Sound. Auch in Razor sind es wieder nur ein paar Worte im Text, mit denen aber eine sehr ausdrucksstarke Situation entworfen wird. Die Musik dazu, wie alle Tracks gemeinsam mit Xenia Beliayevas langjährigem Mitstreiter André Winter komponiert, könnte man sich auch von Kraftwerk vorstellen – mit denen stand die Künstlerin übrigens schon 1997 gemeinsam auf der Bühne, als sie bei der Eröffnung des Zentrums für Kunst und Medien in Karlsruhe ein DJ-Set spielte.

In Noir gibt es nicht nur einen Hinweis auf Enjoy The Silence im Text, auch sonst könnte man sich das vor allem im Refrain von Depeche Mode vorstellen, dazu kommen auch ein paar Elemente von Visages Fade To Grey. Dazu gibt es mit Mins ein Instrumental, das innerhalb seiner 7 Minuten Spielzeit zuerst immer aggressiver, entschlossener und mitreißender, dann immer geheimnisvoller und verlockender wird, und mit Cross The Line auch einen Schwachpunkt auf Riss, dem als einziger Track der nötige Fokus fehlt. Ganz am Ende singt Xenia Beliayeva in So True „Dearest, please don’t leave me“, es ist der Moment der Platte, in dem sie am deutlichsten ihre Menschlichkeit offenbart. Nicht zuletzt zeigt sie damit, wie mit dem gesamten Album, auch, warum es bei ihr eben einmal etwas länger dauern kann: Alles auf Riss ist bis ins letzte Detail ausgefeilt.

Konzentriert und kühl ist auch das Video zu Because.

Demnächst gibt es Xenia Beliayeva live zu erleben:

31.03. Leipzig, Elipamanoke
07.04. Hamburg, Moiré
14.04. Frankfurt, Karlson Club

Website von Xenia Beliayeva.

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