Zlatan Ibrahimovic – „Ich bin Zlatan“


Autor Zlatan Ibrahimovic mit David Lagercrantz

Zlatan Ibrahimovic Ich bin Zlatan Buchkritik Rezension

Die Autobiographie von Zlatan Ibrahimovic ist eines der erfolgreichsten Sportbücher der Welt.

Titel Ich bin Zlatan
Verlag Piper
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

Auch, wenn man ihn nur als Fußballer betrachtet, ist Zlatan Ibrahimovic eine Ausnahmeerscheinung. Selbstbewusst und unberechenbar, physisch stark und technisch versiert, ein eiskalter Vollstrecker ebenso wie einer, der Angriffe kreativ inszeniert. Er hat mit Ajax Amsterdam, Juventus Turin, Inter Mailand, dem FC Barcelona und Paris St. Germain die Meisterschaft in den jeweiligen Ländern gewonnen und mit seinem aktuellen Verein Manchester United auch die Europa League. In die Liste seiner Erfolge reiht sich nun auch seine Autobiographie ein: Ich bin Zlatan ist bereits eines der erfolgreichsten Sportbücher der Welt.

Für Fußballfans ist dieses Buch, geschrieben mit dem Schriftsteller David Lagercrantz (Jahrgang 1962), der zuletzt auch als Autor des vierten Teils von Stieg Larssons Millenium-Serie in Erscheinung getreten ist, ein Vergnügen. Der 1981 in Malmö geborene Stürmer gibt sehr freigiebige Einblicke in das Geschäft, in Trainingsmethoden, die Rolle der Spielerberater, Transferpoker und die Beziehung zu den Fans. Als „ein 400-Seiten-Parforceritt durch die durchgeknallte Komfortzone der aktuellen Weltfußballschickeria“, hat 11 Freunde dieses Buch deshalb nicht unzutreffend bezeichnet.

Die besondere Stärke von Ich bin Zlatan ist allerdings, dass es hier um weit mehr geht als um Fußball. Ibrahimovic, Sohn einer kroatischen Mutter und eines bosnischen Vaters, wuchs in schwierigsten Verhältnissen auf. Nie hatte die Familie genug Geld, etliche (Halb-)Geschwister brachen mit den Eltern, der Vater wurde zum Trinker. Der Stadtteil Rosengård, in dem er aufwuchs, ist mit dem Begriff „sozialer Brennpunkt“ noch höflich umschrieben. Man könnte auch sagen: Zlatan kommt aus einer Welt ohne Perspektive. „Krimineller“, lautet im Buch die Antwort auf die Frage, was er ohne den Fußball geworden wäre. Ich bin Zlatan wird damit manchem Leser auch die Augen öffnen über das vermeintliche Bilderbuch-Schweden mit vorbildlichem Sozialstaat und perfekter Integration.

David Lagercrantz findet nicht nur einen Stil, der wunderbar direkt und offen ist, wie es nun einmal am besten zu Zlatan Ibrahimovic passt. Er zeigt mit seinem ausführlichen Blick auf Themen wie Armut, Familie, Migration und Stolz auch, wie wichtig diese Herkunft als Antrieb für die Fußballkarriere seines Helden war: Mit seinem Können auf dem Platz suchte Zlatan zuerst Aufmerksamkeit, dann Anerkennung. Er hat sich stets als Krieger betrachtet und ein gehöriger Teil seiner Spielweise ist der Tatsache geschuldet, dass er Rache nehmen will, noch immer, an all jenen, die es ihm nie zugetraut hätten, aus dem Getto herauszukommen und der bestbezahlte Fußballer der Welt zu werden. „Mögen muss man ihn auch nach der Lektüre nicht. Aber man begreift, was es bedeutet, Zlatan Ibrahimovic zu sein“, hat die Südwest Presse diesen Effekt des Buches auf den Punkt gebracht.

Ich bin Zlatan macht nie den Fehler, diese Geschichte eines Siegeszugs zu überhöhen. So hart wie der 35-Jährige zu seinen Gegnern auf dem Platz ist und zu Weggefährten wie Trainer Pep Guardiola oder Manager Hasse Borg, mit denen er sich überworfen hat, so hart ist er in seiner Autobiographie auch gegen sich selbst. Was man angesichts seiner längst begonnenen Ikonisierung leicht übersieht, bringt das Buch in Erinnerung: Zu seiner Karriere gehörten auch Glück (etwa, als er als 18-Jähriger beim unerwartet abstiegsbedrohten Traditionsklub Malmö FF unverhofft in die erste Mannschaft berufen wird) und Tiefpunkte (etwa, als er in der ersten Saison bei Ajax Amsterdam fast schon als Fehleinkauf abgestempelt wird). Er berichtet freimütig von Fehltritten, von seiner Computerspielsucht, von Verkehrsdelikten und anderen Auseinandersetzungen mit der Polizei, die schon während seiner Zeit in Schweden für reichlich Schlagzeilen sorgten. Auch das zeigt Ich bin Zlatan: Fraglos ist Ibrahimovic ein Jahrhundert-Fußballer, zu seinem Ruhm trägt aber auch bei, dass sein Aufstieg in eine Zeit fällt, in der die Boulevardisierung des Fußballs ein neues Level erreichte, wodurch Hype und Vermarktung immer wichtiger wurden.

Natürlich tragen auch diese Eskapaden in beträchtlichem Maße zum Spaß bei, den dieses Buch bereitet. Es gibt eben nicht viele Fußballprofis, die in ihrer Freizeit Imbissbuden sprengen oder sich im Training mit Teamkollegen so heftig prügeln, dass danach Rippen gebrochen sind. Eine wunderbare Passage gibt es über den Moment, als Ibrahimovic wegen einer Lappalie (er ist eine Stunde zu spät zurück ins Hotel gekommen) aus der schwedischen Nationalmannschaft flog. „Ich hätte diesem Skandal mehr Klasse geben sollen, wo ich schon einmal hinausgeworfen wurde. (…) Ich hätte eine Bar zu Kleinholz machen und ein Auto im Springbrunnen am oberen Ende der Avenue zu Schrott fahren und in Unterhosen nach Hause torkeln sollen. Das wäre ein Skandal auf meinem Niveau gewesen. Dies hier war Pipifax“, lautet sein Kommentar dazu.

Man könnte das als Exzentrik missverstehen, dahinter steckt aber die schmerzhaft erlernte Erkenntnis, dass ihm keine andere Möglichkeit blieb, als er selbst zu sein, sich selbst anzuerkennen und das Beste daraus zu machen, um erfolgreich zu sein. So grotesk dieser Gedanke wirkt bei einem Mann, der 1,95 Meter groß und 90 Kilogramm schwer ist, und dessen Name ein Verb mit der Bedeutung „stark dominieren“ geprägt hat: Eigentlich ist Zlatan Ibrahimovic ein Underdog, und daraus erwächst seine Stärke.

Das beste Zitat gibt es über Zlatans erste Ehrung als Sportler des Jahres in Schweden: „Ich hatte alle möglichen Auszeichnungen bekommen, war aber noch nie in dieser Weise berührt worden, und vielleicht, ich weiß nicht, vielleicht erkannte ich, dass es eine Bestätigung sein könnte, ein Zeichen, dass ich richtig akzeptiert war, nicht nur als Fußballspieler, sondern auch als Person, trotz aller meiner Ausbrüche und meines Hintergrunds.“

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