| Film | Alles Fifty Fifty |
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|---|---|---|
| Produktionsland | Deutschland | |
| Jahr | 2024 | |
| Spielzeit | 108 Minuten | |
| Regie | Alireza Golafshan | |
| Hauptdarsteller*innen | Moritz Bleibtreu, Laura Tonke, Valentin Thatenhorst, David Kross, Axel Stein | |
| Bewertung | ![]() |
Worum geht’s?
Andi und Marion sind Juristen, und als sie sich scheiden lassen, vereinbaren sie deshalb ein fein austariertes gemeinsames Sorgerecht, nach dem Prinzip: Alles in der Betreuung des Kindes soll 50:50 aufgeteilt sein. Das scheint auch gut zu funktionieren, sie betrachten ihren elfjährigen Sohn Milan als lieben, aufgeweckten Jungen und „glückliches Scheidungskind“. Dann wird Milan aber in der Schule immer wieder auffällig, mit Mobbing, auch mit Gewalt, sogar ein Schulverweis droht. Die Vermutung der Schulpsychologin lautet: Die Aufgabenteilung zwischen den beiden gutverdienenden Eltern scheint doch nicht so recht zu funktionieren, das Kind verliere die Orientierung zwischen der strengen, übervorsichtigen Mutter und dem laissez-faire-Vater, der im Zweifel lieber noch ein Spielzeug schenkt statt einen Konflikt zu klären. Die Eltern wollen davon nichts wissen, werden aber bald auf die Probe gestellt. Denn nach dem Fifty-Fifty-Prinzip machen sie normalerweise zwei Sommerurlaube mit dem Sohn, einmal fährt der Papa mit Milan in die Ferien, einmal die Mama. Weil Terminkonflikte das diesmal nicht zulassen, entschließen sie sich notgedrungen zu einer gemeinsamen Reise in ein Luxusressort nach Apulien. Auch Marions neuer Partner Robin kommt mit, der zugleich ihr Fitnesstrainer ist. Schnell merken Andi und Marion vor Ort, wie richtig die Schulpsychologin mit ihrer Diagnose lag. Sie beschließen, sich gemeinsam besser um ihren Sohn zu kümmern und wollen sich nicht mehr auseinanderdividieren lassen. Milan ist davon wenig begeistert, ebenso wie von der Aufgabe, im Sommerurlaub endlich schwimmen zu lernen. Als er ein Mädchen vom benachbarten Campingplatz kennenlernt, will er erst recht seine alte Unabhängigkeit zurück – während Andi und Marion ihre Rolle als Eltern und als Ex-Paar aufarbeiten.
Das sagt shitesite:
Es gibt etliche Klischees in Alles Fifty Fifty, von den Juristen-Yuppies bis zum zerzauselten Campingplatz-Vater. Man kann die Rahmenhandlung mit dem Schwimmlehrer Paris, der zum Komplizen für Milan wird und allerlei Weisheiten von sich gibt, für überflüssig und dessen griechisch-deutsches Radebrechen für daneben halten. Es wird auch Menschen geben, die von Ageism sprechen, wenn sich Andi den Rücken verknackst beim Versuch, mit Marions deutlich jüngerem und komplett austrainiertem neuen Freund mitzuhalten. Auch die vergleichsweise hohe Dosis an Slapstick und Screwball mag überraschen in einem Film, dessen Kern letztlich das ziemlich ernste Thema moderner Familienmodelle und Erziehungsmethoden ist.
Dass der Film dennoch so unterhaltsam und letztlich gelungen wird, hat drei Gründe. Erstens funktioniert die Chemie innerhalb des Ensembles, vor allem die subtilen Duelle zwischen Moritz Bleibtreu und David Kross stechen dabei heraus. Der Fitnesstrainer ist zu schlicht und zu naiv, um die verbalen Provokationen überhaupt zu verstehen, umgekehrt müht sich der Anwalt, körperlich mitzuhalten – und wird dabei vom jüngeren Konkurrenten keineswegs als Gegner betrachtet, sondern geradezu fürsorglich begleitet. Zweitens wimmelt Alles Fifty Fifty vor sehr guten Dialogen, die nicht nur durch eine Sitcom-mäßige Pointendichte glänzen, sondern auch durch einen sehr angenehmen Witz, der nicht auf Schenkelklopfer setzt, sondern auf Charme.
Letztlich erweist sich auch die Ausgangsidee als sehr lohnend, weil das Werk eben nicht bloß Klamauk oder eine recht früh vorhersehbare RomCom wird. Milan ist verwöhnt, vorlaut und clever genug, die Eltern gegeneinander auszuspielen, um für sich maximale Freiheiten herauszuholen und stets seinen Willen zu bekommen. Er führt damit seine Eltern vor, obwohl die völlig von sich und ihrem Betreuungsmodell überzeugt sind. Marion ist stolz darauf, alle relevanten Erziehungsratgeber gelesen zu haben, Andi ist genauso stolz darauf, dass seine Lektüre bei diesen Büchern stets bereits beim Klappentext endet – und welche Defizite das mit sich bringt, erkennen sie (zuerst in ihrer Er-, dann in ihrer Beziehung) erst im gemeinsamen Urlaub. Das zeigt einerseits, wie wenig Verhätschelung von Kindern zu deren Glück beiträgt. Es zeigt andererseits aber auch, wie leicht informierte, engagierte und privilegierte Eltern im Alltag scheitern können – und dabei zuzuschauen, ist durchaus spaßig.
Bestes Zitat:
„Man kann bei der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein.“
Der Trailer zum Film.

