| Film | Licorice Pizza | |
| Produktionsland | USA | |
| Jahr | 2021 | |
| Spielzeit | 133 Minuten | |
| Regie | Paul Thomas Anderson | |
| Hauptdarsteller*innen | Alana Haim, Cooper Hoffman, Sean Penn, Tom Waits, Bradley Cooper | |
| Bewertung | ![]() |
Worum geht’s?
Ein Altersunterschied von zehn Jahren ist bei einem Paar vielleicht keine große Sache mehr. Hier ist das anders. Denn erstens spielt Licorize Pizza in den 1970er Jahren. Zweitens ist Gary, der männliche Part dieser Liebesgeschichte, erst 15. Als er der 25-jährigen Alana begegnet, ist er dennoch überzeugt: „Ich habe heute die Frau getroffen, die ich heiraten will.“ Er baggert sie hartnäckig an und ergattert tatsächlich eine Verabredung mit ihr, aus der zuerst ein loses Miteinander wird, dann so etwas wie eine platonische Liebe und eine über viele Jahre währende On-Off-Beziehung. Beide erkennen, dass sie als Duo stärker sind und Gary wird zur treibenden Kraft bei immer neuen Geschäftsideen, die sie gemeinsam umsetzen. Als er Alana trifft, ist er bereits ein halbwegs erfolgreicher Sitcom-Schauspieler, später versucht er sich als Wasserbettenverkäufer, betreibt eine Flipperautomatenhalle und gründet eine Umzugsfirma. Alana ist stets an seiner Seite, und schon bald steht damit die Frage steht im Raum: Wer braucht wen mehr in dieser seltsamen Beziehung?
Das sagt shitesite:
Man könnte Licorice Pizza recht schnell betrachten als die Geschichte eines ungleichen Paars. Er ist Schauspieler, hochgradig eitel und hält sich für einen „geborenen Entertainer“. Sie hat einen Aushilfsjob und begleitet ihn anfangs noch als Aufsichtsperson. Er ist gewitzter Opportunist, sie ist eine politisch engagierte Idealistin. Und dann ist da ja noch der Altersunterschied.
Doch Regisseur Paul Thomas Anderson stellt keineswegs diese Kontraste in den Mittelpunkt seines Films. Vielmehr wird es ein Werk, das die Ambivalenz zelebriert, das Hin und Her, das Schwebende. Das zeigt sich im entspannten Tempo und der lässigen Attitüde, es zeigt sich aber auch inhaltlich. Der Flirt zwischen Gary und Alana ist kein Flirt, das Date ist kein Date, das Paar ist kein Paar. Beide sind in einem Dazwischen: Er zwischen Kindheit und Jugend, sie zwischen Adoleszenz und Erwachsenenwelt – beide haben ihre Probleme, sich in diesem Dazwischen zu orientieren, und beide betrachten den anderen irgendwie als Anker in dieser Situation.
Gary bleibt für Alana immer irgendwie ein Unikum (vielleicht auch ein Vorwand, sich nicht für einen anderen Mann in ihrem Alter entscheiden zu müssen), sie bleibt für ihn immer irgendetwas, auf das er hinarbeitet (vielleicht auch als Alibi, dass er sich eigentlich in keiner Szene des Films altersgerecht benimmt). Sind ihre Gespräche am Anfang noch geprägt von charmanter Prahlerei (er) und mitleidiger Faszination (sie), treten an diese Stelle schon bald Momente von provokantem Schlagabtausch, auf intimer Kenntnis des Gegenübers basierenden Frotzeleien und ehrlichem Trost, wenn er nötig ist. All das kennt man sonst viel eher von einem alten Ehepaar.
Anderson zeichnet rund um diese Beziehung und Coming-of-Age-Geschichte ein sehr stimmungsvolles Bild von Kalifornien in den 1970er Jahren. Einige Male kann man schmunzeln über diese Zeit, als Boomer noch die Zukunft waren, über ihre Freiheit, Sorglosigkeit und auch etwas Draufgängertum. Nostalgie ist dabei eine wichtige Zutat – und zu dieser Sehnsucht nach einer anderen Zeit gehört natürlich auch die Sehnsucht nach einem anderen Hollywood, als Filme wie dieser noch häufiger waren: schön, romantisch, fantasievoll und skurril.
Bestes Zitat:
„Ich bin cooler als du, vergiss das nicht.“
Der Trailer zum Film.


