Durchgelesen: Hermann Hesse – „Klingsors letzter Sommer“


In „Klingsors letzter Sommer“ ist Hesses Sprache schillernd und prächtig wie selten.

Autor Hermann Hesse
Titel Klingsors letzter Sommer
Verlag Suhrkamp
Erscheinungsjahr 1920
Bewertung ****

Klingsor ist Maler. Man muss das nicht der Handlung entnehmen. Man kann es auch der Form anmerken. Hesses Sprache ist hier so schillernd und prächtig wie selten. Man kann beinahe die Farbkleckse zwischen den Zeilen ausmachen und die Palette des Künstlers inmitten satter Landschaften leuchten sehen.

Diese Buntheit fällt vor allem im Vergleich zu „Roßhalde“ auf, Hesses anderem Maler-Roman. Freilich gibt es auch Parallelen, vor allem das Scheitern, das auch Klingsor zur Verzweiflung und künstlerischen Höhenflügen treibt.

Sein Scheitern beruht nicht auf Unfähigkeit, sondern auf der Unmöglichkeit des Verzichts. Klingsor liebt das Leben, er erkennt, was für ein grandioses Versprechen es ist – und er sieht nicht ein, warum er dabei irgendwelche Abstriche machen sollte: „Warum gab es Zeit? Warum immer nur dieses idiotische Nacheinander, und kein brausendes, sättigendes Zugleich?“

Am Schluss weiß er, dass er der Welt nichts besseres geben kann als sich selbst (und ein Selbstporträt). Diese Erkenntnis ist fast schon eine Gnade.

Beste Stelle: „Freude durchzuckte ihn und tiefe Schöpfungswonne wie ein feuchtes frohlockendes Gewitter, bis Schmerz ihn wieder zu Boden warf und ihm die Scherben seines Lebens und seiner Kunst ins Gesicht schmiss. Er betete vor seinem Bild, und er spie es an. Er war irrsinnig, wie jeder Schöpfer irrsinnig ist.“

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