Hingehört: MØ – „No Mythologies To Follow“


Experimente und Eingängiges verschmelzen bei MØ  mühelos.

Experimente und Eingängiges verschmelzen bei MØ mühelos.

Künstler
Album No Mythologies To Follow
Label Sony
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Die Geschichte könnte kaum gewöhnlicher sein. Eine junge Frau aus Skandinavien, (neuerdings) blond, mit einer Vorliebe für finstere Blicke und mit einem Hitlieferanten (Ronni Vindahl vom Produzententeam No Wav) im Schlepptau. Sie erobert das Netz (die Single Pilgrim stand im Februar 2013 an der Spitze der Hypemachine-Charts), sie wird auf diverse Listen gesetzt, die das nächste große Ding vorhersagen zu behaupten, und diverse Major-Labels reißen sich darum, ihr Debütalbum herauszubringen.

Das ist der bisherige Werdegang von Karen Marie Ørsted, genannt MØ. Die 24-Jährige aus Dänemark wandelt in den Fußstapfen, in denen uns schon diverse nordische Pop-Prinzessinnen erreicht haben. Die gute Nachricht lautet: No Mythologies To Follow, ihr Debütalbum, ist so gut, dass es gar keine originelle Geschichte braucht. “What she lacks in originality, she makes up for with warlike ardour”, hat der Guardian über MØ geschrieben und damit den Nagel auf den Kopf getroffen.

Etliche der Tracks, mit denen MØ ihre Karriere im Netz in Gang gesetzt hat, sind natürlich auch auf No Mythologies To Follow vertreten. Das sonnige Maiden, das auch gut zu Claire passen würde, gehört dazu. Die knackigen Bläser von Pilgrim haben nichts von ihrem Reiz verloren. Waste Of Time ist ein guter Beleg für das Zusammenspiel aus Eingängigem und Experimentellem, das dieses Album prägt.

Selbst dann, wenn MØ ihre Sound-Vorbilder ganz unverhohlen aufzeigt, ist das kein Problem, weil die Songs genug Qualität haben, um für sich selbst zu bestehen, und weil die Stimme derart viel Kraft hat, dass sie sich noch die offensichtlichste Vorlage mühelos einverleiben könnte. Das gilt für die OMD-Gedächtnismelodie in Red In The Grey, für die Goldfrapp-Klasse von Slow Love, das hübsche Asteroids-Galaxy-Tour-Siebziger-Feeling von Don’t Wanna Dance oder das geheimnisvoll-erotische Dust Is Gone, das man nicht einmal eine halbe Strophe lang hören kann, ohne „Lana Del Rey!“ zu denken.

MØ beherrscht Mädchenhaftes wie Walk This Way (kein Wunder: zu ihrem bisherigen Output gehört auch ein ziemlich außergewöhnliches Spice-Girls-Cover), sie kann Leidenschaft und Eleganz vereinen wie in Fire Rides, sie schafft es, Diplo auf einen ausgelassenen Trip Richtung Balkan mitzunehmen wie in Xxx 88 und zum Schluss in Glass klingt sie, als hätte sie sich als Kate Pierson verkleidet und würde eine Kompanie von nerdigen Cheerleadern in die Schlacht gegen alle führen, die Pop nicht verstanden haben. MØ-nu-mental.

Ein kurzes Porträt von MØ:

Homepage von MØ.

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