Hingehört: William Fitzsimmons – „Charleroi“


Künstler William Fitzsimmons

Charleroi William Fitzsimmons Pittsburgh Volume 2 Albumkritik

„Charleroi“ hat William Fitzsimmons seiner Großmutter gewidmet.

Album Charleroi. Pittsburgh Volume 2
Label Grönland
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Zu Krankenhäusern scheint William Fitzsimmons eine ganz besondere Beziehung zu haben. Einst hat er selbst als Psychologe in einer Klinik gearbeitet und dabei allerlei dramatische Patienten erlebt, hat er mir mal im Interview verraten. Passion Play und Please Don’t Go sind seine vielleicht bekanntesten Songs, und zwar weil sie in der Krankenhausserie Grey’s Anatomy eingesetzt wurden. Und in einem Krankenhaus spielte sich auch eine wichtige Episode seiner Familiengeschichte ab: Sein Vater wurde in den 1950er Jahren kurz nach seiner Geburt mit Keuchhusten ins Hospital eingeliefert und mehrere Monate lang behandelt. Irrtümlicherweise teilte man der Mutter des Babys irgendwann mit, der Junge sei gestorben. Sie, William Fitzsimmons‘ Großmutter, hat das Kind, das dann von einem der Ärzte im Krankenhaus adoptiert und großgezogen wurde, nie wieder gesehen.

Ihr hat der Singer-Songwriter dieses am Freitag erscheinende Minialbum gewidmet. „Charleroi is the second half of the Pittsburgh story. The Pittsburgh album was about the grandmother I knew. Charleroi is about the one I never did“, erklärt er. Erst 2015 klärte sich die Geschichte auf, und mit diesen sechs Liedern spürt William Fitzsimmons nun diesem Teil seines Familienstammbaums nach: „Her name was Thelma and she was my grandmother. She was from Charleroi, Pennsylvania. These songs are about her.“

Die Texte sind einfühlsam, die Atmosphäre ist so ernst, wie das beim Grübeln über die eigenen Wurzeln sein sollte, der Sound ist, wie schon auf Pittsburgh (die beiden kombinierten Minialben werden am Freitag als The Pittsburgh Collection auch auf Vinyl erscheinen) noch ein bisschen reduzierter als man das ohnehin von ihm kennt. Geschickt setzt William Fitzsimmons auf Charleroi allerdings auch klangliche Farbtupfer, etwa durch die Streicher in People Change Their Minds, das Banjo in Fare Thee Well oder Schlagzeug (!) und Glockenspiel in Nothing Can Be Changed.

Wunderhübsch ist Charleroi natürlich auch wieder geworden. Hört man diese sechs Lieder, meint man sogar noch einen weiteren Anknüpfungspunkt zum Gesundheitssystem zu entdecken: Diese Musik ist so wohltuend, dass man ihr zutraut, sie könne Krankheiten heilen.

William Fitzsimmons spielt People Change Their Minds live.

Website von William Fitzsimmons.

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