Interview mit AB Syndrom


Bennet Seuss Interview Leipzig

Nachhaltiges Wachstum ist das Rezept von AB Syndrom und Sänger Bennet (vorne). Foto: Check Your Head/Anne Ludwig

Zum ersten Mal sind AB Syndrom live in Leipzig zu sehen, im Horns Erben spielt die 2012 gegründete Band aus Berlin ein wunderbares kleines Konzert als Auftakt zur aktuellen Tour. Nach der Show treffe ich Sänger Bennet Seuss zum Gespräch, in dem er sich als genauso gewitzt und unprätentiös erweist wie zuvor auf der Bühne und in den Songs des formidablen aktuellen Albums Hey Herz. Wir reden über Karrierepläne, David Bowie und die Freuden des Remix. Und weil er seine Band AB Syndrom genannt hat, darf Bennet dabei (fast) immer nur A oder B sagen.

Hey Bennet! Ich habe mir für das Interview neun Fragen überlegt, bei denen es immer Antwort A und B gibt. Bist du bereit?

Bennet: Oh, das ist saugut. Kann losgehen.

Frage 1: Beim Konzert eben war der Saal bestuhlt, ein paar Leute haben trotzdem am Rand fleißig getanzt. Ich denke, dass zu eurer Musik beides gut funktioniert: wildes Zappeln oder andächtiges Zuhören. Wenn es für alle künftigen Auftritte von AB Syndrom nur noch eine Variante geben dürfte, sollte euer Publikum dann A) immer sitzen oder B) immer tanzen?

Bennet: Dann sage ich B. Bei unseren bisherigen Konzerten war es immer unterschiedlich. Ich finde beides schön: Wenn man sich konzentrieren kann auf die Musik, oder wenn man sich bewegen kann. Vielleicht passt irgendwann, wenn die Leute unsere Musik noch besser kennen, dann mal Variante A besser zu uns.

Frage 2: Heute ist euer Tourauftakt, bis Mitte Februar stehen noch sieben weitere Konzerte an. Für die weitere Planung des Jahres: Würdest du A) lieber den ganzen Sommer auf Festivals verbringen oder B) im Herbst als Vorband mit einem anderen Act auf Europatour gehen?

Bennet: Ich glaube, B wäre schöner. Ich finde, der Herbst passt gut zu uns.

Sind AB Syndrom auch geeignet für den Festival-Kontext?

Bennet: Festivals sind auf jeden Fall ein guter Weg, um Leute kennen zu lernen. Da sind so viele Menschen, die gut drauf sind – natürlich kann man da gut seine Musik präsentieren. Wir haben bisher für den Sommer noch keine Festivalauftritte geplant, aber wir arbeiten gerade daran.

Zu den Mühen des Bekanntwerdens passt Frage 3: In Leipzig ist heute Der große Preis, ein bekannter Nachwuchswettbewerb für lokale Bands. Man könnte so ein Format ja für anachronistisch halten, deshalb die Frage nach dem richtigen Weg zum großen Durchbruch: A) Bandcontest oder B) Spotify?

Bennet: Da nehme ich „oder“ (lacht). Wir probieren es ja zum Beispiel mit Musikvideos und versuchen, sehr viele Aktivitäten um die Musik drumherum zu machen. Wir haben mit Brothorst, unserer alten Band, mal beim Emergenza-Wettbewerb mitgemacht und damals sogar das Deutschland-Finale in Berlin gewonnen. Da durften wir dann beim Taubertal-Festival auftreten. Das war schon ziemlich cool, denn da waren auch die anderen Gewinner-Bands aus der ganzen Welt. Im Welt-Finale sind wir aber leider Letzter geworden. Deshalb bin ich skeptisch, was Wettbewerbe angeht. (lacht)

Die vierte Frage dreht sich um David Bowie. Quasi jeder Künstler, der gerade auf Tour ist, äußert sich irgendwie zu seinem Tod. In diesen Tagen einen Song von David Bowie zu covern, ist  A) schmierig und anbiedernd oder B) eine angemessene Huldigung?

Bennet: Das ist schwer. Als wir gehört haben, dass er tot ist, haben wir festgestellt, dass wir eigentlich nur zwei Songs von ihm kennen. Das ist wirklich peinlich, denn natürlich war er eine sehr prägende Figur und ein sehr inspirierender Typ. Ich hatte am Freitag noch das Video zu Lazarus gesehen, zwei Tage später kam dann die Nachricht, dass er tot ist. Das ist wirklich krass. Mein Bruder Aljoscha [der bei AB Syndrom für die Electronics zuständig ist] holt das gerade alles nach, besorgt sich alle möglichen Platten und hört jetzt ganz viel David Bowie. Aber wir haben nicht wirklich überlegt, ob wir einen Song von ihm spielen.

Frage 5 hat auch mit einer Legende zu tun. Ich habe gerade das Tribute-Album für Hildegard Knef gehört, auf der etliche deutsche Künstler ihre Songs neu interpretieren. Hätte man AB Syndrom gefragt, ob ihr auch etwas beisteuern wollt, hättet ihr A) gerne zugesagt oder B) nur für sehr viel Geld mitgemacht?

Bennet: Wahrscheinlich B. Denn zu ihrer Musik und zu der ganzen schlagerigen Ecke haben wir kaum einen Bezug. Ich habe dieses Album auch im Laden gesehen und die ganzen Namen gesehen, die da mitgemacht haben. Aber ich habe es mir nicht angehört. Das sagt ja vielleicht auch schon etwas aus. Aber bei jedem James-Blake-Album wären wir natürlich sofort dabei!

Damit hast du schon meine nächste Frage beantwortet: Ihr dürft euch einen Remixer wünschen für die nächste Single. Nehmt ihr A) James Blake oder B) Käptn Peng?

Bennet: James Blake gewinnt da natürlich, er ist Number One! Allerdings steht er Remixen ja ziemlich kritisch gegenüber und meint, damit würde man seinen Sound auf den Strich schicken. Trotzdem macht er es. Käptn Peng würde ich vielleicht als guten Feature einschätzen, das wäre sicher auch spannend.

Ihr habt auch selbst schon Remixes für andere gemacht, oder?

Bennet: Ja. Zuletzt haben wir einen Remix für Novaa gemacht, eine Sängerin, die früher La Petite Rouge hieß und die wir im Bandpool kennen gelernt haben. Auch für andere befreundete Künstler haben wir das schon gemacht, zum Beispiel für Mine.

Was reizt dich daran?

Bennet: Spannend am Remix ist für mich die Frage: Wie hätte ich diesen Song gemacht? Es geht mir nicht darum, irgendetwas Dancefloor-tauglich zu machen oder so, sondern ich will meinen eigenen Zugang finden zu einem Song, den ich mag. Das hilft auch für die Arbeit an eigenen Songs: Manchmal ist man ja betriebsblind, wenn man einen Song selbst geschrieben hat und ihn sich dann gar nicht mehr anders vorstellen kann. Man erkennt beim Remix, wie andere Leute Musik machen, man kann Klänge als Material betrachten und andere Zugänge finden, und das ergibt überraschende Einblicke. Das habe ich schon gemerkt, als ich mal bei einem Remix-Contest für Kimbra mitgemacht habe, die man aus Somebody That I Used To Know mit Gotye kennt. Ich habe zwar nur Platz 100 oder so belegt, aber das war trotzdem sehr spannend. Man bekommt da einzelne Soundfiles geschickt und kann so genau erkennen, wie die Songs gestrickt sind. Manchmal erkennt man dann auch, wie simpel eine Lösung sein kann. Demnächst werden übrigens auch ein paar Remixes unserer eigenen Songs erscheinen – aber leider ohne Beteiligung von James Blake. (lacht)

Wir sind bei Frage 7: AB Syndrom sollen A) nur noch ein Album machen, das 100.000 Exemplare verkauft oder B) noch zehn Alben machen, die insgesamt 100.000 Exemplare verkaufen – was wäre dir lieber?

Bennet: Ich glaube, Variante B ist mir lieber. Die Idee, dass die Leute nach und nach einen Zugang zu uns finden, uns treu bleiben und sich dann ein nachhaltiger Erfolg einstellt. Wir können das ja ohnehin nicht selbst steuern. Wir sagen zwar im Scherz immer, wir sollten jetzt mal die Hits aus dem Album raushauen. Aber ich denke nicht, dass es irgendwann den einen Song geben wird, der als Knalleffekt für uns funktioniert.

Demnächst knackt eure Facebook-Seite die Marke von 1000 Likes. Der Fan Nummer 1000 bekommt A) gar nichts oder B) ein T-Shirt?

Bennet: Ich befürchte, es wird Antwort A, wir haben nämlich noch gar keine T-Shirts (lacht). Offen gesagt haben wir aber schon ein Dankeschön-Foto für die 1000 Likes gemacht. Ich hoffe, es dauert nicht mehr allzu lange, bis wir das posten können. Sonst wird das ein bisschen peinlich, wenn man merkt, dass das schon ein total altes Foto ist. Aber wir sind auf jeden Fall gut vorbereitet! (lacht)

Damit sind wir bei der letzten Frage, du darfst dafür in die Rolle eines Diktators schlüpfen, der eins von beiden Gesetzen erlassen muss: A) AB Syndrom dürfen niemals wieder Musik mit Computern machen oder B) AB Syndrom dürfen niemals wieder Musik mit Texten machen. Welches Gesetz würdest du in Kraft treten lassen?

Bennet: Hmm, das ist echt hart. Ich glaube, ich würde mich für B entscheiden. Denn mit dem Computer fängt es bei mir eigentlich immer an: Ich mache erst die Musik, der Text sammelt sich dann irgendwie an. Oft bestehen die Texte aus Notizen, die ich im Handy gemacht habe, und ich glaube, so werden sie auch besser als wenn ich mich hinsetzen und auf Krampf versuchen würde, etwas zu texten. Ich muss dann zwar lange probieren, was zusammenpasst, oder ich ärgere mich, wenn ich ein paar Ideen nicht unterbringen kann, die mir zugeflogen sind. Aber im besten Fall entsteht trotzdem ein Text, der ein stimmiges Bild ergibt und den ich sehr gerne singe. Aber auf den Computer könnte ich, jedenfalls momentan, aber noch viel weniger verzichten. Er ist für mich einfach zu meinem ganz intuitiven Instrument geworden.

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