We Are Scientists – „Megaplex“


Künstler We Are Scientists

Megaplex We Are Scientists Kritik Rezension

Im Studio von Tim Wheeler (Ash) ist „Megaplex“ entstanden.

Album Megaplex
Label Grönland
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

„Es braucht eine Menge harte Arbeit und ständiges Perfektionieren des eigenen Handwerks, um es bis zum sechsten Album zu schaffen“, sagt Keith Murray, Frontmann von We Are Scientists angesichts der Veröffentlichung von Megaplex. „Ich meine, The Velvet Underground haben keine sechs Alben geschafft. The Smiths auch nicht. Pavement, Guns N’ Roses, The Stooges – keiner von ihnen. Also schätze ich mal, wir sind jetzt objektiv besser als all diese Bands. Das ist eine mathematische Tatsache, oder?“

Natürlich steckt da ein Scherz drin, ebenso wie in der Aussage: „Unsere brillanten Leistungen im Schreiben von Popsongs sind unerreicht und werden den Namen von We Are Scientists wahrscheinlich noch strahlen lassen, wenn die Ewigkeit vergangen ist.“ Das Zitat führt aber zu zwei wichtigen Aspekten beim Blick auf diese Platte. Erstens ist es tatsächlich erstaunlich, dass die beiden New Yorker, die immer ein wenig als Trittbrettfahrer, Zweite Liga und Mittelmaß galten, sich so lange gehalten haben. We Are Scientists sind die Sorte von Band, die man sich bei einem Festival am Nachmittag vielleicht gerne anschaut. Aber nicht die Sorte von Band, die man bei einem Festival unbedingt sehen will. Man bekommt von ihnen okaye Indierockunterhaltung. Aber die Frage, wie man ein glühender Fan dieses Duos werden sollte, konnten sie (zumindest für mich) bisher nie beantworten.

Auch das hängt mit dem eingangs erwähnten Witz zusammen. Denn es ist nun einmal schwer, eine Band, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt, mit aller Leidenschaft und Hingabe zu verehren. Sollte man sich ein „We Are Scientists“-Tattoo stechen lassen, wenn man stets befürchten muss, selbst die Bandmitglieder hielten ihre Musik eher für albern? Auch das zeigt sich auf Megaplex: Das einzige Alleinstellungsmerkmal von Keith Murray und Chris Cain ist, dass sie ihre eigene Durchschnittlichkeit ironisch untergraben. Das reicht vielleicht für einen netten Nachmittag beim Festival oder, wie im Falle dieses Albums, für eine nicht allzu schlimme halbe Stunde Plattenunterhaltung. Aber nicht für mehr.

Es gibt auf dem von Max Hart produzierten und in den Atomic Heart Studios von Ash-Frontmann Tim Wheeler in New York aufgenommenen Megaplex durchaus gelungene Momente wie den Auftakt One In, One Out. ”I fall in love at least once every night“, singt Keith Murray darin und die Musik kommt zumindest nahe heran an eine Entsprechung dieser betörenden Erfahrung von Taumel und Wehrlosigkeit. Heart Is A Weapon hat einen guten Refrain, die Funkyness von Not Another Word erweist sich als belebendes Element für das Album, mit dem Schlusspunkt Properties Of Perception zeigen We Are Scientists, dass sie auch klassisches Songwriting mit Sixties-Touch drauf haben. Your Light Has Changed ist vergleichsweise heavy und lässt an die Kaiser Chiefs denken, auch No Wait At Five Leaves hat, zumindest in der Strophe, sehr viel Drive, zugleich ist es im Refrain ein typisches Beispiel für den mitunter angestrengt wirkenden Gesang von Keith Murray.

„Wir haben in unserer Karriere mittlerweile unfassbar viele Lieder geschrieben. Allein für diese Platte standen etwa 90 zur Auswahl“, sagt Bassist Chris Cain. „Und mittlerweile wissen wir genau, was wir für ein We Are Scientists-Album haben wollen. Es soll straff sein, reinhauen und alle vier Sekunden mit einem tollen Hook aufwarten. Wir müssen uns keinen Kopf machen wegen der Lieder, die es nicht aufs Album geschafft haben. Die können wir uns zu Hause anhören, wenn wir wollen. Megaplex sollte einfach die zehn feinsten Lieder beinhalten, die wir haben – ein vollgestopftes Paket voller Unterhaltung“, umschreibt er die Zielsetzung. Als sei es je anders gewesen, fügt er noch hinzu: „Wir wollten eine echte Spaß-Bombe abwerfen. Etwas, wozu man tanzen und ficken kann.“

Diesem Anspruch werden viel zu viele Lieder auf der Platte nicht gerecht. Notes In A Bottle ist sehr gewöhnlicher Standard-Rock, KIT setzt auf einen viel zu gemütlichen Schunkelrhythmus, Now Or Never ist allenfalls solide, You Failed sogar vollkommen blutleer. Wegen solcher Ausfälle ist auch diese Platte keine Antwort auf die Frage nach dem Appeal von We Are Scientists. Vielleicht liegt er einfach darin, dass Menschen gerne blödeln. Und das Beste an Megaplex ist tatsächlich ein Gag, nämlich der Urheberhinweise im Booklet: „All Songs written by We Are Scientists. Not ‚all songs ever, in human history’ – but many of them. And every song on this album.“

Im Video zur Heart Is A Weapon versucht sich Keith Murray als Stripper.

Im Mai sind die Jungs aus Brooklyn auf Tour in Deutschland:

18.5. Hamburg, Knust
19.5. Berlin, Lido
20.5. München, Strom
29.5. Wiesbaden, Kesselhaus
30.5. Köln, Gebäude 9

Website von We Are Scientists.

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