Hingehört: Lana Del Rey – “Born To Die”
| Künstler | Lana Del Rey |
| Album | Born To Die |
| Label | Universal |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | ***1/2 |
Schweigen. Das war die Reaktion, die Lana Del Ray mit ihrem ersten Auftritt auslöste. Niemand klatschte, als sie als 19-Jährige auf der Bühne der “Lilo Lounge” stand. Niemand buhte sie aus.
Das war ein durchaus bezeichnender Karrierestart. Im New Yorker Stadtteil Williamsburg ist man normalerweise viel zu cool, um sich von einem dahergelaufenen Mädchen mit Gitarre vom Trinken, Knutschen oder Plappern abhalten zu lassen. Aber Lana Del Rey hatte bei ihrem Bühnendebüt, auch wenn sie keine Begeisterungsstürme auslöste, sofort die ganze Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer. “Ich dachte: Wenn ich die Leute von etwas abhalten kann, dann könnte das reichen“, erinnert sich die mittlerweile 25-Jährige an jenen historischen Abend. Vielleicht ahnte sie: Ich habe diese Menschen erreicht. Und das Publikum spürte wohl damals schon: Diese Sängerin ist besonders.
Es ist dieses Anderssein, das Lana Del Rey seitdem einen unvorstellbaren Erfolg eingebracht hat. 120 Millionen Treffer spuckt Google bei einer Suche nach “Lana Del Rey” aus. Das ist doppelt so viel wie bei Kylie Minogue. Dabei ist die Australierin schon seit 25 Jahren im Geschäft – Lana Del Rey veröffentlicht heute gerade erst ihr Debütalbum Born To Die.
Bei YouTube muss man nur ein “L“ eintippen, und es wird bereits die Suche nach “Lana Del Rey Video Games” vorgeschlagen. Mehr als 22 Millionen Aufrufe hat dieses Lied mittlerweile, das die Initialzündung für den Siegeszug von Lana Del Rey wurde (reiht man alle Aufrufe aneinander, dann läuft Video Games ein bisschen länger als 200 Jahre). Anfang Dezember, als Video Games den Spitzenplatz der deutschen Charts erreichte, waren es noch nicht einmal 10 Millionen.
Der Aufstieg der Amerikanerin, die eigentlich Elizabeth Grant heißt, scheint sich immer mehr zu beschleunigen und nun im Erscheinen des Debütalbums zu kulminieren. Ein solch verdächtig großes Maß an Timing und Vorschusslorbeeren hat Lana Del Rey auch gleich ihre erste waschechte Kontroverse eingebracht. Ist sie nun das Mädchen aus dem Trailerpark, das es mit selbstgebastelten Videoclips und viel Talent zum Durchbruch geschafft hat? Oder ist sie die Tochter aus gutem Hause, die sich hat einspannen lassen in eine perfekte Marketing-Strategie?
Einiges weist auf Letzteres hin (mich hat beispielsweise ihre Plattenfirma schon im September zu einem Mini-Konzert eingeladen, mit dem Hinweis “Das wird nächstes Jahr das ganz große Ding”, dummerweise habe ich abgesagt). Aber in jedem Fall wirkt diese Echtheits-Debatte einigermaßen seltsam im Pop, wo Inszenierung doch stets Bestandteil der Kunst ist, und in einem Zeitalter, in dem Lady Gaga sogar die Existenz ihrer eigenen Vagina hinterfragen lassen muss. Lana Del Rey scheint kein besonders großes Interesse am Ausräumen der Zweifel zu haben. „Ich bin nicht in erster Linie ein Künstler. Zuerst bin ich ganz andere Dinge”, sagt sie mysteriös.
Und so wird im Netz seit Monaten hitzig diskutiert: Ist Lana Del Rey nun authentisch oder fake? Soul oder Hype? Genie oder Plastik? Wird sie das Album des Jahres vorlegen oder einen totalen Reinfall? Es wird derart erbittert gestritten, dass man sich nun, im Angesicht von Born To Die, fast gezwungen sieht, sich auf eine der beiden Seiten zu schlagen. Ein Sowohl-Als-Auch scheint kaum möglich – aber genau das ist das richtige Urteil für diese CD.
Es gibt eine Menge auf Born To Die, das als unwiderlegbarer Beweis für die Klasse von Lana Del Rey herhalten kann. Da ist, natürlich, Video Games. Noch immer ist dieses Lied unfassbar faszinierend, mit Harfe, Pauke, einem winzigen bisschen Klavier und dieser Stimme, die gar nichts mehr zu wollen scheint, aber alles zu wissen. Ohne einen Beat und ohne einen echten Refrain ist Video Games eigentlich eher ein Anti-Hit, und doch hat das Lied eine Strahlkraft, die unwiderstehlich ist.
Mehr noch als dieser Über-Song ist es aber das andere bereits seit Oktober bekannte Lied, das den Sound von Born To Die treffend zusammenfasst: Blue Jeans ist komplex, aber reduziert, anspruchsvoll und modern wie das gesamte Album. Immer wieder flirren kleine verstörende Sounds rund um das Grundgerüst aus Beats, Streichern und Lana Del Reys Stimme, irgendwo zwischen Nancy Sinatra und Belinda Carlisle. Vor allem aber nimmt sie in Blue Jeans eine Perspektive ein, die sich wie ein roter Faden durch dieses Debüt zieht: Da ist ein Mann, der attraktiv wirkt, bei dem man aber auch sicher sein kann, dass er am Ende nichts als Schmerz hinterlassen wird. Dieser Widerstreit wird auf Born To Die immer wieder ausgefochten.
„You’re not good for me / but baby I want you“, heißt es in Diet Montain View, zu einem Hip-Hop-Beat und einem Geplinker, das an den If I Ruled The World von Nas und Lauryn Hill erinnert. „My old man is a bad man / but I can’t deny the way he holds my hand“, singt Lana Del Rey im famosen Off To The Races. In der Strophe klingt sie wie ein verlebter Vamp, im Refrain schafft sie es dann plötzlich, sich in ein kokettes, quietschvergnügtes Mädchen zu verwandeln. Auch der Million Dollar Man, der in einem Klanggewand mit James-Bond-Soundtrack-Ausmaßen besungen wird, ist so einer, von dem Lana Del Rey genau weiß, dass er sie nicht glücklich machen wird, dem sie aber doch nicht widerstehen kann.
Man muss aus diesem Konflikt kein altmodisches Frauenbild herauslesen. Diese Zeilen zeigen vielmehr: Die Gefühle sind hier immer stärker, größer und schneller als der Verstand – und das macht einen beträchtlichen Teil des Reizes von Lana Del Rey aus. Diese Musik ist niemals kalkuliert. Keines dieser Lieder schreit „Ich will dir gefallen, ich will dich überrumpeln, kauf mich!“ Genau das ist es, was Lana Del Rey so wohltuend von vielen anderen Chart-Künstlern abhebt. Und das ist es auch, was sich in ihrer Ästhetik widerspiegelt, in der Frisur, in den Videos, im altmodischen Plattencover von Born To Die: Hier wird die Nostalgie gefeiert, die Sehnsucht nach einer Ära, in der noch Zeit für Gefühle war, ohne Ratingagenturen, Globalisierung, Terrorangst – und perfiderweise auch ohne die Möglichkeiten virtueller Selbstinszenierung.
Glamour, Spektakel und Individualität, die liegen hier nicht in der Show wie bei Kylie oder im Outfit wie bei Lady Gaga, sondern in der Stimme. Der Gesang bleibt meist ganz gefangen in seiner Melancholie, abgeklärt, souverän und selbstsicher, so dass die gelegentlichen Ausbrüche von Leidenschaft umso beeindruckender und bewegender wirken. Zu Tode betrübt – das ist bei ihr die Grundstimmung, und wenn sie die Stimme hebt oder das Tempo leicht anzieht wie in Summertime Sadness, dann wird dieser Schmerz noch greifbarer, intensiver, schöner. „Hauptsache nicht so singen zu müssen, wie es so viele andere tun“, hat sich Lana Del Rey ganz am Beginn ihrer Karriere gewünscht. Dieses Ziel hat sie längst erreicht.
Die größte Stärke ihres Sounds: Er ist kein bisschen ehrgeizig. Es gibt auf Born To Die keine Euphorie, bloß Hoffnung, Trost, Sehnsucht. Lana Del Rey klingt, als wäre es ihr völlig egal, wenn sie ab morgen kein Popstar mehr wäre – und dennoch ist Lana Del Rey eine Figur, für die man sich keinen anderen Beruf vorstellen kann. Sie ist “das Gesamtkunstwerk eines All American Popstars, die Stilisierung eines Lebens zwischen Hollywood und Trailerpark”, wie die FAZ geschrieben hat.
Allerdings ist nicht alles auf Born To Die außergewöhnlich oder gar meisterhaft. Das Album (übrigens eigentlich schon das zweite von Lana Del Rey, ihre erste Platte unter dem Namen Lizzy Grant ist inzwischen aus dem Verkehr gezogen) wurde unter andere von Eg White (Adele, Duffy) und Guy Chambers (Robbie Williams) produziert, und so gibt es auf Born To Die gelegentlich auch Durchschnittspop. National Anthem hat wenig Charakter, auch Dark Paradise ist bloß aufgeblasene Fließbandware.
Trotzdem hat Born To Die genug zu bieten, um den Hype am Leben zu erhalten, und auch Einiges, was ihn überdauern könnte. Das wunderhübsche Radio könnte eine Single werden. Das meisterhafte This Is What Make Us Girls beweist, dass viel mehr in dieser Künstlerin steckt als die neue Amy Winehouse.
Born To Die lässt kaum eine Richtung offen, in die sich Lana Del Rey auf ihrer nächsten Platte entwickeln könnte. Aber vorerst wird das Album sie noch ein bisschen berühmter machen, und sie wird es genießen. Denn sie gibt ganz offen zu, dass sie den Trost, den sie ihren Hörern spendet, selbst aus ihrem Status als Popstar zieht: „Ich kenne eine Menge unterschiedlicher Leute. Im Dunkeln der Nacht, wenn sie betrunken sind, wollen sie doch alle das Gleiche. Alle wollen sie berühmt sein. Das Bedürfnis, dass andere Leute von deinem Leben Notiz nehmen, ist nur natürlich und menschlich. Es ist für Menschen wichtig, beobachtet zu werden. Sie wollen nicht allein sein. Ich will nicht allein sein.“
Lana Del Rey spielt Video Games live bei Inas Nacht:
Draufgeschaut: Sleepy Hollow
| Film | Sleepy Hollow |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1999 |
| Spielzeit | 101 Minuten |
| Regie | Tim Burton |
| Hauptdarsteller | Johnny Depp, Christina Ricci |
| Bewertung | *** |
Worum geht’s?
Schon drei mysteriöse Todefälle haben sich im kleinen Dorf Sleepy Hollow ereignet. Constable Crane reist extra aus New York an, um den Fall zu lösen. Die Einheimischen glauben, dass ein Untoter Reiter der Täter ist. Crane hingegen setzt auf Wissenschaft und seinen Verstand. Doch der wird schon bald auf eine harte Probe gestellt.
Das sagt shitesite:
Vor allem der scheinbare Widerspruch zwischen Rationalität und Aberglaube macht Sleepy Hollow ein wenig wirr. Ansonsten gibt es aber viel Fantasie, Spannung und – wie immer bei Tim Burton – Bilder, die ein düsterer Augenschmaus sind.
Der Trailer zum Film:
Futter für die Ohren mit The BossHoss, Asteroids Galaxy Tour, Republic Of Loose und School Of Seven Bells
Wer es noch immer nicht gemerkt hat, sein noch einmal belehrt: Futter für die Ohren – das bedeutet neue Musik aus dem Netz, kostenlos und legal. Heute gleich in fünffacher Ausfertigung. Mit dabei: Berlin, die sich nach Nashville träumen. Und Skandinavier, deren Erfolg erst südlich der deutschen Grenze anfängt.
Irving Welsh ist ein Fan (er nannte ihr Lied Comeback Girl einmal “den besten Song, den ich je gehört habe”), U2 sind Fans, Snow Patrol sind Fans. Republic Of Loose haben also Einiges vorzuweisen, unter anderem auch drei Alben, die in ihrer irischen Heimat allesamt Platin bekommen haben. Gesammelt sind die drei CDs gerade unter dem Titel Mutant Soul neu erschienen. Bei Vibedeck kann man das Lied I Like Music kostenlos herunterladen. Das klingt funky, halbwegs irre und ein bisschen, als hätten sich Outkast mit Toploader gepaart. **
Sobald sie den stressigen Job als Juroren bei The Voice Of Germany hinter sich haben, werden The BossHoss ihr neues Album Liberty Of Action ins Land tragen. Mit insgesamt zehn Konzerten stimmen sie sich wohl auch auf große Festival-Shows im Sommer ein (Auftritte bei Rock am Ring und Rock im Park sind bereits bestätigt). Wer sich auf der Homepage von BossHoss für den Newsletter registriert, erhält den Gratis-Song My Way als Dankeschön. Leider lassen sie damit ihrer Version von L.O.V.E. nicht noch ein grandioses Cover folgen (BossHoss auf den Spuren von Sinatra, das wäre sicher ein Spaß geworden). Stattdessen ist My Way ein bisschen Rockabilly, ein bisschen Sisters Of Mercy und ganz viel Selbstbewusstsein, und damit durchaus typisch für das aktuelle Album. ***
Man muss sich nur ein kleines Stück südlich von Deutschland bewegen, und schon sind The Asteroids Galaxy Tour eine Riesennummer. Ihr Debütalbum wurde gefeiert, für die Single The Golden Age bekamen sie Gold in Italien und der Schweiz, in Österreich war der Song Platz 1 der Airplay-Charts. Jetzt steht das zweite Album Out Of Frequency in den Startlöchern (erscheint am 24. Februar), und mit dem CSS-Remix von Heart Attack will die Band aus Kopenhagen schon einmal Lust darauf machen. Die Hyperaktivität von CSS hört man dem Remix deutlich an, auch M.I.A. hätte an dieser Heart Attack sicher ihren Spaß. Das ist noch nicht unbedingt verheißungsvoll, aber in jedem Fall schon einmal spannend. Verfügbar ist der kostenlose Song auf der Homepage von The Asteroids Galaxy Tour. ***
Schon bei Album Nummer drei sind School Of Seven Bells aus New York angekommen. Ghostory (erhältlich ab 24. Februar) heißt das neue Werk von Gitarist & Produzenten Benjamin Curtis und Sängerin Alejandra Deheza (ihre Schwester Claudia gehört mittlerweile nicht mehr zur Band). Nach allem, was man hört, soll Ghostory ein Konzeptalbum werden. The Night, den ersten von neun Tracks, gibt es bei Pitchfork derzeit als kostenlosen Download. Das Lied klingt ein ganzes Stück zugänglicher als die früheren Werke, verführerisch und kompakt. ****
Wer ein „Gefällt mir“ auf der Facebook-Seite von The Good Natured hinterlässt und sich dann auch noch für ihren Newsletter anmeldet, wird mit einem Download von Video Voyeur beschenkt. Der Track ist die Mühe durchaus wert: Wer The Sounds mag, kann bei diesem Powerpop mit einer guten Dosis Glamour und wenig Angst vor dem Plakativen nichts falsch machen. ***1/2
Draufgeschaut: Beste Zeit
| Film | Beste Zeit |
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 2007 |
| Spielzeit | 95 Minuten |
| Regie | Marcus H. Rosenmüller |
| Hauptdarsteller | Anna Maria Sturm, Rosalie Thomass |
| Bewertung | **1/2 |
Worum geht’s?
Kati und Jo sind beste Freundinnen und genießen die Ferien in ihrer bayerischen Heimat – am liebsten gemeisam. Doch als 17-Jährige ahnen sie, dass dieses Idyll nicht auf ewig bestehen wird. Vielleicht steht eine große Veränderung schon eher ins Haus, als sie denken: Kati hat sich für ein Austauschprogramm in New York beworben. Und auch ihre Schwärmerei für Mike könnte die Vertrautheit mit Jo trüben.
Das sagt shitesite:
Ein wenig wirkt das Konzept von Beste Zeit (das den ersten Teil einer noch nicht vollendeten Trilogie darstellt) wie American Graffiti in Oberbayern: ein drohender Abschied, die Gewissheit vom Ende der Jugend und die Clique als einziger echter Rückhalt.
Freilich wird daraus im Fall von Beste Zeit eher ein Film über die Provinz als einer über die Pubertät. Zwar ist es beeindruckend und erschütternd, wenn Kati ob all des Ärgers mit ihren Eltern und vor lauter Weltschmerz am Ende zur Furie wird. Davor gibt es aber viele pathetische Dialoge (auf Bayerisch, was man wahlweise authentisch oder arrogant finden darf), harmlose Spritztouren in die Morgendämmerung, Dorffeste und Nachbarschaftshilfe.
Dass sich die beiden Teenager-Mädchen inmitten all dieser Mia-san-Mia-Mentalität nicht ausgelastet, aber dennoch wohl fühlen, ist eine irritierend konservative Botschaft. Es fehlt hier an etwas mehr Witz, Spannung oder ästhetischer Konsequenz, um dieser Heimatfilm-Moral etwas Aktuelles, Relevantes entgegen zu stellen. So bleibt letztlich vor allem beeindruckend, wie uneitel die Darsteller hier agieren, denn auch das gehört zur Hemdsärmeligkeit von Beste Zeit: sie pinkeln, kotzen und schnarchen.
Bestes Zitat:
“Liebe ist, wenn’s größer ist als Freiheit.”
Der Trailer zum Film:
Bobbycar statt Aufklärung
Vielleicht ist Christian Wulff bloß deshalb noch nicht zurückgetreten, weil sie alle keine Zeit haben. Schauspielerin Nina Hoss muss sicher schon überlegen, welches Kleid sie zur Berlinale in drei Wochen tragen wird, sollte es einen Bären für ihre Rolle in Barbara geben. Ihre Kollegin Martina Gedeck ist gerade mit Dreharbeiten zu einer Neuauflage von Die Nonneeingespannt. Für Sänger Sebastian Krumbiegel steht bald eine Solo-Tournee ins Haus. Und Thomas Bach hat als Vizepräsident des IOC sicher jede Menge mit den Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele in London zu tun.
Was das alles mit dem Bundespräsidenten zu tun hat? All die Genannten saßen vor rund 17 Monaten in der Bundesversammlung und mussten sich im dritten Wahlgang zwischen Christian Wulff und Joachim Gauck entscheiden. Wir wissen nicht, wer wie abgestimmt hat. Aber man darf recht sicher sein: Insgeheim dürften sich mittlerweile fast alle von ihnen wünschen, Gauck hätte damals das Rennen gemacht.
Denn seit der Affäre, in der es erst um einen Kredit, dann um einen Anrufbeantworter und neuerdings um Kochbücher geht, kommt das Staatsoberhaupt nicht mehr aus den Negativschlagzeilen. Das nervt, stellt Günther Jauch sehr richtig fest. Und er will in seiner dritten Sendung zum Thema Wulff wissen: Ist der Bundespräsident mittlerweile Opfer einer Medienhatz?
Es mangelt nicht an kräftigem Vokabular. Von Denunzianten und Voyeuren ist die Rede, von Verfolgungswahn und Amtsanmaßung, von Politik als Selbstbedienungsladen. Eine Antwort findet die Talkrunde erwartungsgemäß trotzdem nicht. Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo werden zunächst prophetische Gaben unterstellt (sein erster Text über Christian Wulff trug bereits vor 20 Jahren die Überschrift «Stehvermögen auf scheinbar verlorenem Posten»). Dann fordert der Journalist, sehr souverän und mit guten Argumenten, vernünftige Maßstäbe und einen korrekten Umgang miteinander ein. Und sorgt für die größte Überraschung, als er seine Co-Autorschaft von Karl-Theodor zu Guttenbergs Vorerst gescheitert als Fehler einräumt.
Moritz Hunzinger, ehemaliger PR-Berater, plädiert derweil für «mediterrane Contenance», praktiziert selbst aber von der ersten Minute an die maximale Empörung. Ansonsten empfiehlt er sich als Aushilfe, falls die Jauch-Redaktion mal wieder einen unbelehrbaren, arroganten Schlauberger braucht und FDP-Unsympath Martin Lindner gerade nicht verfügbar ist. Der Bundespräsident sei tapfer, jung und gut aussehend – das scheint für Hunzinger auszureichen, um in der Causa Wulff für die Methode «Schwamm drüber» zu plädieren.
FDP-Mann Wolfgang Kubicki (auch er war im Mai 2010 übrigens Mitglied der Bundesversammlung) wundert sich nicht, wenn Politiker offen für Annehmlichkeiten sind, schließlich seien sie schlecht bezahlt. Anke Domscheit-Berg, die passend zu ihrer Rolle als Internet-Aktivistin ein twitterndes Häkelschwein dabei hat, sieht das anders: Während sich jeder Hartz-IV-Empfänger vor dem Amt finanziell nackig machen müsse, um Stütze zu beziehen, pfeife unser Staatsoberhaupt auf Transparenz – und darf sich trotzdem seines Ehrensolds bis ans Lebensende sicher sein, klagt sie an.
«Wir wollen einen ethisch integren Bundespräsidenten in einer weitgehend unethischen Gesellschaft», lautet indes der schlauste Satz von Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth. Ansonsten sind ihre Beiträge so wenig nennenswert, dass man froh ist, als sie am Ende der Sendung klarstellt, nicht als potenzielle Wulff-Nachfolgerin zur Verfügung zu stehen.
Und wer ist nun schuld, sollte Wulff wirklich abtreten? Fakt ist: Fast alle Vorwürfe, die im Raum stehen, sind momentan nicht erwiesen. Gegen Wulff spricht, dass er bisher so gut wie nichts beiträgt, um sie zu entkräften. «Der Bundespräsident schafft es nicht, etwas so zu erklären, dass es nicht einen Rattenschwanz an Nachfragen und Ungereimtheiten gibt», stellt Domscheit-Berg sehr richtig fest. Für Wulff spricht, dass die Medien sich lächerlich machen, wenn sie selbst ein Bobbycar, das eines von Wulffs Kindern als Geschenk bekommen hat, als Skandal verkaufen wollen.
«Wer ist des Amtes noch würdig?», will Jauch schließlich wissen. Verlangen wir zu viel von unseren Politikern? Dürfen sie nicht auch menschlich sein? An diesem Punkt der Diskussion haben leider alle Teilnehmer schon den Überblick verloren – vielleicht ist ihnen schwindlig geworden, nachdem sie sich so lange im Kreis gedreht haben. Denn die Antwort lautet natürlich: Ja, das dürfen sie. Aber sie sollten danach dazu stehen – und nicht lügen, rumdrucksen und verschleiern.
Bestes Zitat: «Es kann nicht sein, dass wir eine Demokratie und Politik haben, die nur dann überlebensfähig ist, wenn sie Zuwendungen aus der privaten Wirtschaft erhält.» (Internet-Aktivistin Anke Domscheit-Berg über die Verflechtung von Politik und Wirtschaft)
Diesen Artikel gibt es mit einer Fotostrecke zu Günther Jauch auch bei news.de.
Draufgeschaut: Was Frauen wollen
| Film | Was Frauen wollen |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2000 |
| Spielzeit | 121 Minuten |
| Regie | Nancy Meyers |
| Hauptdarsteller | Mel Gibson, Helen Hunt |
| Bewertung | **1/2 |
Worum geht’s?
Nick Marshall ist Werbemanager – und bekennender Chauvinist. Als er zu seiner Bestürzung eine Frau als neuen Chef bekommt, die auch noch stärker als bisher auf weibliche Kunden setzen will, steckt er in der Klemme. Doch dann führt ein Stromschlag dazu, dass Nick plötzlich hören kann, was Frauen denken. Zuerst ist das ein Schock für ihn. Dann hilft es ihm bei seiner Chefin enorm – nicht nur in beruflicher Hinsicht.
Das sagt shitesite:
Die Handlung ist vorhersehbar und die Gags in Was Frauen wollen sind aus Klischees gebacken. Trotzdem gelingt ein charmant-harmloser Film. Auch dank Mel Gibson, der in Was Frauen wollen näher an der Selbst-Persiflage wandelt, als man es ihm jemals zugetraut hätte (oder als ihm selbst bewusst ist).
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Professor Green – “At Your Inconvenience”
| Künstler | Professor Green |
| Album | At Your Inconvenience |
| Label | Virgin |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | **** |
Sparsamkeit ist nicht gerade ein Begriff, den man mit HipHop verbindet. Schließlich ist HipHop das Genre, das den Pimp zum Übervater und das Protzen zum Prinzip gemacht hat. Sparsamkeit kann trotzdem eine sehr lohnende Methode sein – und kaum jemand hat das so gut verstanden wie Professor Green. Der Mann, der schon sein Debütalbum Alive ’Til I’m Dead auf Platz 2 in England gebracht hat, weiß genau: Im HipHop kann schon eine gute Idee pro Track ausreichen. Ein toller Beat, ein großer Refrain oder ein cleveres Sample – mehr braucht es manchmal nicht.
Diese Einsicht, womöglich seinem akademischen Titel zu verdanken (schließlich haben zuvor auch Dr. Dre und, ähm, Dr. Alban Großes für das Genre geleistet), führt dazu, dass At Your Inconvenience, das zweite Album von Professor Green, ein ganz erstaunliches Werk geworden ist: ein Hip-Hop-Longplayer ohne Ausfälle, mit einem echten Spannungsbogen, humorvoll, schlau, abwechslungsreich und voll und ganz zeitgemäß. “An album should be some sort of journey, peaks and troughs. It shouldn’t be flat. Cause even if everything’s up, it’s still flat. You need to have a mixture of stuff – good times, bad times, cheeky shit, serious shit”, doziert Professor Green ganz richtig.
Diesem Anspruch wird der Londoner mit At Your Inconvenience tatsächlich gerecht, weil er sich auf seine in vielen Battles geschulten Raps verlassen kann, und weil er gute Ideen hat, die über das HipHop-Standardprogramm hinaus weisen, und die er sehr dosiert einsetzt.
Trouble bekommt ein Breakbeat-Gewand, Remedy und How Many Moons spielen mit irren Electro-Elementen à la Dizzee Rascal. Spinning Out hat schon dank seines Monster-Samples gewonnen: Der Track zitiert den Pixies-Klassiker Where Is My Mind? Das hübsche Never Be A Right Time profitiert von seinem klasse Refrain und ist nicht der einzige Track, bei dem sich Professor Green sogar an echten Gesang heranwagt. Ein effektvolles Klavier sorgt in Doll (in dem Professor Green ebenso wie in Today I Cried seinen Erfolg thematisiert und die Tatsache, dass er ihn nicht glücklich macht) für eine gespenstische Atmosphäre. In Nightmares (mit Khalil aus dem Stall von Dr. Dre und dem Eminem-Mitstreiter Royce Da 5’9) lebt Professor Green seinen inneren Psychopathen aus.
Diese Beispiele zeigen: Zum Abwechslungsreichtum des Albums, das schon seit Oktober in England auf dem Markt ist und am Freitag auch in Deutschland erscheint, gehört auch, dass Professor Green immer wieder andere Perspektiven einnimmt. Natürlich macht er gelegentlich (und gerne) auf dicke Hose, aber er macht sich auch immer wieder über sich selbst lustig und kann bereitwillig Schwäche zeigen. Dazu gibt er gelegentlich den unbeteiligten Erzähler oder analysiert als solcher den Stand der Dinge. Das ist nicht nur ungemein wohltuend – alles andere wäre auch unpassend im Post-Riot-Britain.
Ausschlaggebend für so viel Gelassenheit und Einsicht war womöglich das Pech, das der 28-Jährige lange Zeit in seiner Karriere hatte. Nachdem er sich, in bester Straßenmanier, bei Rap-Battles einen Namen gemacht hatte, nahm Mike Skinner ihn für seine Plattenfirma The Beats unter Vertrag. Doch dann ging das Label pleite, und Professor Green musste eine ganze Weile darum kämpfen, wieder an seine eigenen Tracks zu kommen. Als er das gerade geschafft hatte, geriet er in eine Messerstecherei und wurde lebensgefährlich am Hals verletzt – genau an der Stelle, an der er sich gerade das Wort “Lucky” hatte tätowieren lassen. “Wenn man in eine schlimme Situation gerät, bleibt einem nur, sich auf das Positive oder das Negative zu konzentrieren. Es kann einen entweder fertig oder zu einer stärkeren Persönlichkeit machen“, sagt er heute rückblickend.
Spätestens mit At Your Inconvenience dürfte einer strahlenden Zukunft nichts mehr im Wege stehen. Nicht alles gelingt restlos (Avalon ist etwas arg theatralisch, auch das dezent angerockte Haydon könnte nicht plakativer, plumper und hollywoodiger sein, wenn es einen Gastauftritt der Black Eyed Peas oder von Maroon 5 gäbe). Aber in seinen besten Momenten erreicht Professor Green die oberste Rap-Liga und kommt dahin, wo die Leute regieren, die weit mehr als eine gute Idee pro Track verarbeiten, wie die Beastie Boys, Outkast oder der Wu-Tang Clan.
Der Titeltrack ganz am Anfang mischt den Chaos-Sound der späten Alben von The Streets mit einem Rap, der all die Schärfe und Verspieltheit von Eminem hat, und der unvermeidlichen Ankündigung: „I’m back / like I never left.“ D.P.M.O. (die ab sofort offizielle Abkürzung für „Don’t Piss Me Off“) baut sich um ein Gitarrenriff auf, das einem Kinderlied entstammen könnte, und schwingt sich mit dem Chor-Gesang im Refrain in exstatische Party-Höhen auf. Das ist die Sorte Song, die in Hollywoodfilmen gespielt wird, wenn es bei College-Saufgelagen richtig ausgelassen wird und alle ihre mit Tequila gefüllten Pappbecher in die Höhe recken.
Die Single Read All About It beginnt gleich mit dem von Emeli Sandé gesungenen Killer-Refrain, dazu gibt es einen Riesenbeat, Streicher und unfassbar viel trotzigen Optimismus. Professor Green, der von seiner Großmutter großgezogen wurde (die ihn womöglich nach wie vor lieber Stephen Paul Manderson nennt), richtet den Track an den Vater, den er niemals hatte, und den er auch jetzt nicht vermissen möchte.
Emeli Sandé, die auch schon auf Alive ’Til I’m Dead mitwirkte, hat in Astronaut einen weiteren Gastauftritt. Sie singt hier ein zauberhaftes, schwingendes Duett mit Professor Green (und klingt dabei enorm nach Mariah Carey) und hat als Co-Autorin des Songs wohl auch entscheidenden Anteil an dessen Pop-Sensibilität. Professor Green behandelt darin den Tod einer Freundin, die heroinsüchtig war. “I enjoyed being able to write a story, which is something I don’t get to do much – by choice. I prefer to write things I know from first hand. The only way you can really have a voice of authority is if you’re honest. And fortunately – or unfortunately – I had influence for that song”, erklärt er die Entstehungsgeschichte.
Ganz am Ende schafft es Into The Ground, ganz viel Witz mit Balkan-Bläsern und einem Gitarren-Break in bester Red-Hot-Chili-Peppers-Manier zu vereinen. “Hip hop comes from a mesh of different music, and sampling’s always been a massive part of the rap scene. And Into The Ground was also me going back to my rap roots, and battling roots. A lot of it, the words are… well, not for the sake of it, but it’s about the wordplay, it’s about the sport. A lot of people who start crossing over forget that there is a sport to this, and it’s a sport that I care a helluvva lot about, ’cause it’s how I came up. So wordplay, punchlines, flow, all that stuff are really important to me – as well as having a dig back at certain people who said certain things about me”, sagt Professor Green und liefert so immerhin noch ein Schlusswort, dass dann doch ganz und gar typisch HipHop ist. Wäre ja auch schlimm, wenn er an Glaubwürdigkeit, Ehrgeiz, Aggressivität oder Klasse gespart hätte.
Professor Greens At Your Inconvenience ist so vielseitig, dass es schon einmal einen viertelstündigen Albumtrailer vertragen kann:
Draufgeschaut: Werner – Das muss kesseln
| Film | Werner – Das muss kesseln |
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 1996 |
| Spielzeit | 90 Minuten |
| Regie | Udo Beissel, Gerhard Hahn |
| Sprecher | Klaus Büchner, Andi Feldmann, Martin Semmelrogge |
| Bewertung | ** |
Worum geht’s?
Im zweiten Teil der Werner-Reihe lassen sich Werner und Andi auf eine Wette mit Nobel-Schröder ein: Wer hat das schnellere Fahrzeug? Wenn Schröder mit seinem flotten Bentley gewinnt, bekommt er das Schwein Borsti, das er gern grillen möchte. Werner und Andi setzen auf Eigenbau und ihren neu entdeckten Supersprit. Dazwischen fließt reichlich Bölkstoff, und es gibt natürlich Ärger mit Meister Röhrich und der Polizei.
Das sagt shitesite:
Werner – Das muss kesseln hat einige gute Gags, aber auch viele Längen und Kalauer, die wohl nur durch den Genuss von Bölkstoff amüsanter werden.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Puder – “Puder”
| Künstler | Puder |
| Album | Puder |
| Label | Pussy Empire |
| Erscheinungsjahr | 2012 |
| Bewertung | *** |
„Das ist es einfach“, stellte Catharina Boutari fest, als sie als Teenager in Gummersbach erstmals in einer Band spielte. Seitdem ist sie Musikerin durch und durch, sie lebt zusammen mit einem Musiker (Jan Rubach, ehemals bei Gamma Ray), sie ist eine Institution in der Musikszene ihrer Wahlheimat Hamburg und sie hat mit Pussy Empire ihre eigene Plattenfirma.
Umso erstaunlicher, dass die in Österreich geborene Halbägypterin so lange nichts mehr veröffentlicht hat. Aber es gibt gute Gründe für die Pause seit dem Erscheinen von Tanzschule Boutari (2008). Erstens hat Catharina Boutari ein Kind bekommen. Zweitens musste eine neue musikalische Gestalt her, die sie nun mit Puder gefunden hat. Drittens sind die Lieder auf dem gestern erschienenen Puder (dem, je nach Zählung, vierten Album von Catharina Boutari oder eben dem Debüt von Puder) nicht mehr taufrisch, sondern sie haben einen langwierigen Reifeprozess durchlaufen. Die ersten Stücke entstanden schon 2009, im folgenden Frühjahr fing die Hamburgerin an, die Songs auf der Bühne auszutesten. Als es dann im Juni 2011 mit Produzent Florian Sommer ins Hamburger Rekorder-Studio ging, lief alles wie am Schnürchen: Innerhalb von drei Wochen war Puder im Kasten.
Das Timing könnte kaum besser sein: Ina Müller hat nordischen Charme und schnoddrige Bodenständigkeit längst salonfähig gemacht. Boy (die ja immerhin zur Hälfte aus Hamburg kommen) heimsen für ihren meisterhaften Pop noch immer reichlich Lob und Preise ein. Und Frida Gold haben es sogar geschafft, hoch aktuellen Sound mit etwas Glamour und deutschen Texten weit nach oben in die Charts zu bringen.
Puder hat ein bisschen von alldem. Ein wenig gewagt ist es also schon, wenn Catharina Boutari im Titelsong singt „Ich gehe vor und ihr kommt nach.“ Von Trittbrettfahren kann bei Puder trotzdem keine Rede sein. Dafür ist das Album viel zu eigenständig, vielseitig und ausgereift. Statt „Popmusik mit lauten Gitarren“, wie Catharina Boutari ihren Sound einmal beschrieben hatte, gibt es deutlich mehr Hammondorgel und eine sehr konzentrierte, oft reduzierte Instrumentierung, die viel Raum lässt für die unfassbar zahlreichen Facetten der Stimme von Catharina Boutari.
Vieles ist tanzbar wie Click Clack, das auch gut zu Mia passen würde, und in dem der Hörer mit leichtem Fischkopp-Dialekt aufgefordert wird: „Schüddel deinen Kopf!“ Bis auf drei Ausnahmen gibt es bei allen Liedern feinen Chorgesang im Refrain. Vor allem aber ist Puder nicht bloß selbstbewusst, sondern forsch, manchmal sogar fordernd. Puder ist eine Platte, die Haare auf den Zähnen hat, im positiven Sinne.
Bessere Töchter beispielsweise ist eine Abrechnung mit sämtlichen Schubladen, die es so für das weibliche Geschlecht gibt. Dazu gibt es etwas, das man fast „Sprechgesang“ nennen kann, und Drums, die so komplex sind, als wollten sie die Unterforderung aus Click Clack mit seinem stoischen Trio-Beat kompensieren. Das energische Parolen zieht dann kurz vor Schluss auch dem Machismo den Zahn. Die Single Großstadtkonkubinen bleibt ganz beschaulich mit Akustikgitarre, hat aber auch gar kein Schaumschlagen nötig.
Meinen Kindern die Welt schafft es tatsächlich, funky zu klingen und auch noch Peter Fox’ Haus am See zu zitieren, obwohl es in dem Lied um Völkermord geht. Liebeslied ohne Namen ist beinahe acappella, das schmissige Straßenrand dürfte auch den Fans von Wir sind Helden gefallen.
Es gibt wenige Schwachpunkte. Das etwas beliebige Post vom Meer gehört dazu. Heyoh! vergisst leider, eine passende Form zu finden für all seinen Willen zur Agitation und all die angeordnete Ausgelassenheit. Doch selbst dann hat Puder immer noch viel zu viel Stilsicherheit und gelegentlich viel zu gewagte Passagen, um Schlagerverdacht aufkommen zu lassen. Fein.
Man darf sicher sein: Catharina Boutari mag das Leben in der Stadt. Auch wenn das Video zu Puders Großstadtkonkubinen anderes vermuten lässt.
Draufgeschaut: Das Wunder von Berlin
| Film | Das Wunder von Berlin |
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 2008 |
| Spielzeit | 105 Minuten |
| Regie | Roland Suso Richter |
| Hauptdarsteller | Kostja Ullmann, Karoline Herfurth, Heino Ferch, Veronica Ferres, Michael Gwisdek, André Hennicke |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Sein Opa ist ein Stalingrad-Veteran, seine Mutter ist Buchhändlerin, sein Vater ist ein Stasi-Offizier – und er ist Punk. Trotzdem entscheidet sich Marco, drei Jahre Wehrdienst in der NVA zu absolvieren. Während er die Werte der Kameradschaft für sich entdeckt, bricht ringsherum die DDR zusammen.
Das sagt shitesite:
Erfreulich vielschichtig wird in Das Wunder von Berlin der Weg zum Mauerfall anhand eines spannenden Familiendramas gezeigt. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte – vielleicht auch deshalb tappt er nicht in die Ostalgie-, Klamauk- oder Nationalismusfalle.
Es gibt leider keinen Trailer zum Film:









