Das Paradies – „Sammlung 1 / pause an der kurve in vektoria“


Künstler Das Paradies

Das Paradies Sammlung 1 / pause an der kurve in vektoria Review Kritik

Das Cover der EP zeigt ein Gemälde von Ellen Möckel.

EP Sammlung 1 / pause an der kurve in vektoria
Label Grönland
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Künstler nach einer Phase des ungeahnten Erfolgs zunächst innehalten. Erst recht gilt das, wenn man es mit offenkundig sensiblen, klugen Menschen zu tun hat wie Florian Sievers aus Leipzig. Als Das Paradies hat er für das Debütalbum Goldene Zukunft viel Lob erhalten. Seine Reaktion darauf war offensichtlich eine Reflexion darüber, wie er neue Ufer erreichen kann. Mehr noch: Die EP Sammlung 1 / pause an der kurve in vektoria geht der Frage nach, was sich mit (seiner) Musik insgesamt alles so anstellen lässt.

Dass man einen Ausflug in Klanggefilde jenseits des Hauptwerks ebenso vermuten darf wie ein Konzept, zeigt schon der Titel der EP. Auch die Zusammenarbeit mit Gästen und die Erwähnung von Musique concrète im Pressetext weisen in diese Richtung. In der Tat setzt Das Paradies hier das Studio als zentrales Instrument ein. Mehr noch: Die vier Stücke behandeln auch inhaltlich gelegentlich das Musikmachen selbst.

Sine Wave eröffnet die EP, den Gesang steuert Keshavara (Timid Tiger) bei. Die von ihr beschriebene Welle verändert ihre Form und beschreibt „a certain sound / with beats around“. Zum Abschluss erzählt Mira Mann (Candelilla) in Ich bewege mich einfach so wenig wie möglich von einem Urlaub in Italien zu einem ebenso nervösen wie geheimnisvollen Sound.

Gleich drei Gaststimmen gibt es in Ping Pong, dem besten Track der Sammlung 1: Albrecht Schrader ist ebenso dabei wie die Sängerin Pola X und Toulips, mit der Florian Sievers sonst gemeinsam bei Talking To Turtles musiziert. Ein paar Saxofontöne reichern die Flächen und Schwingungen, die diese EP prägen (und sich bei einem nochmaligen Hören in Spurenelementen durchaus auch auf Goldene Zukunft finden lassen). „Wir spielen Ping Pong / in einem Parallelogramm / die gleiche Melodie / mit einem anderen Klang“, heißt es dazu. Dass man das nicht nur auf eine Ballsportart oder Musik beziehen kann, sondern auch auf Beziehungen, steigert natürlich den Reiz, das folgende Schiefes Dings wiederholt diesen Trick. „Wir bilden ein schiefes Dings / Hauptsache Dreieck“, singt da der Berliner Singer-Songwriter Jakob Dobers, der auch den Text für dieses Lied geschrieben hat. Der Track ist am nächsten am üblichen Sound von Das Paradies, trotzdem noch bewusst verwirrend.

Vieles ist frickelig, manches esoterisch, der Gesang von Florian Sievers fehlt hier ebenso wie der Einsatz von Gitarren. Als Fingerzeig für das nächste Album sollte man Sammlung 1 / pause an der kurve in vektoria nicht unbedingt verstehen, lässt der Leipziger wissen. Als Indiz dafür, wie abenteuerlich die Zeit nach der Goldenen Zukunft werden könnte, ist es aber allemal spannend.

Das Video zu Sine Wave stammt von den Künstlern Christoph Kuckla und Robert Zirk.

Website von Das Paradies.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.