Track der Woche: Pabst feat. Blush Always – „Twenty Three“
Ein Feature von Pabst (Berlin) und Blush Always (Leipzig) hatte man nicht unbedingt erwartet. Wie gut diese Konstellation passt, beweist jetzt aber die Single Twenty Three (****1/2). Das Trio sorgt dafür, dass alles rumpelnd und gefährlich klingt, die Musikerin bringt eine ordentliche Dosis an Schrammeligkeit und Wehmut hinein. Dieser Mix untermalt ein Lied, das der Unbeschwertheit der Jugend nachtrauert und zugleich anprangert, wie schwer man sich mit einem so unvermeidlichen Phänomen wie Älterwerden tun kann. Selten hat Quarter Life Crisis so viel Spaß gemacht wie hier in Twenty Three. „It feels like we die / once we turn 35“, heißt es, später gibt es immerhin die Quintessenz: „Maybe it’s time to let them go, these stupid kids we used to know.“ Das alles klingt so umwerfend, dass es (anders als die eigene Jugend) am liebsten nie zu Ende sein sollte. Am 28. November kommt das neue Pabst-Album This Is Normal Now heraus, am 30. Januar sind sie dann (vielleicht ja wieder mit Unterstützung von Blush Always) in Leipzig im UT Connewitz zu sehen.
Fünf Jahre Zeit haben sich The Cribs für ihr neues Album Zeit gelassen. Das von Patrick Wimberly (Solange, MGMT) produzierte Selling A Vibe wird nun am 9. Januar 2026 erscheinen. In der Zwischenzeit haben die drei Jarman-Brüder unter anderem einen Sommer ganz ohne Musik und Songwriting verbracht, um wieder ihre Verbindung jenseits der Rolle als Bandkollegen zu stärken, als Menschen und Familie. Wenn man will, kann man den sehr prominenten Harmoniegsang in der Single Summer Seizures (***1/2) vielleicht als Ausdruck dieses Teambuildings interpretieren, auch den vergleichsweise soften Sound insbesondere im Refrain, der an Gesinnungsgenossen wie Ash oder We Are Scientists erinnert. Insbesondere die Gitarre sorgt indes für den Dreck und die Unberechenbarkeit, die man von den Cribs kennt und schätzt. Dass Ryan, Gary und Ross Summer Seizures im Video auf der Bühne, aber in einem leeren Saal performen, passt auch zum Markenkern aus Live-Abenteuer und Ursprünglichkeit. „Es ist ein Lied über Liebe, Tragödien und über den Prozess, mit sich selbst klarzukommen – all das spielt sich in einem Sommer in New York City ab“, erklärt Gitarrist und Sänger Ryan Jarman.
Wovon die neue Single von Austra handelt, wird ebenfalls schnell klar. „You said I needed my own friends / so I found them / then you fucked them“, singt Katie Stelmanis an einer Stelle von Math Equation (***1/2), und solches Verhalten tut einer Beziehung natürlich nicht gut. In der Tat ist sie nach vielen Jahren von ihrer Partnerin verlassen worden, ziemlich plötzlich. Das anstehende Album Chin Up Buttercup (kommt am 14. November heraus) wird also eine klassische Trennungsplatte sein und höchstwahrscheinlich noch ein paar weitere Gemeinheiten und Erkenntnisse zu bieten haben, wie man sie eben erst erlangen kann, wenn die rosarote Brille fehlt oder gar durch reichlich Schmerz ersetzt wurde. Auch der Clip zu Math Equation scheint die Trennung in so etwas wie einem surrealen Traum zu verarbeiten, die Musik dazu weckt erst Erinnerungen an Kylies Can’t Get You Out Of My Head und erweist sich dann als sehr lebendig und selbstbewusst.
Auch Hannah Jadagu singt auf ihrem neuen Album Describe (erscheint am 24. Oktober) über Beziehungsprobleme. Bei ihr ist allerdings nicht Betrug der Auslöser, sondern eine eigentlich erfreuliche Entwicklung: Mit dem Debüt Aperture nahm ihre Musikkarriere 2023 richtig Fahrt auf, der zunehmende Erfolg machte es aber schwierig, zugleich ihre aufblühende Beziehung in New York zu pflegen. „Ich empfand Liebe und Dankbarkeit, aber auch Schuldgefühle, weil ich wegen meiner Arbeit weg war“, erinnert sie sich. „Als Musikerin muss man Zeit opfern – und eine Sache, die mich auszeichnet, ist, dass ich Wert auf gemeinsame Zeit lege.“ Die zwölf Songs der neuen Platte thematisieren diese Spannung zwischen dem Wunsch nach Verbindung und dem Verlangen nach Freiraum. Die neue Single Gimme Time (***1/2), gemeinsam mit Sora produziert, lässt das auch erkennen, wird dabei aber nicht dramatisch, sondern lebt von seiner souveränen Gelassenheit und einer Wärme, die aus großer Musikalität entsteht.
„Ich komme auf die Party und sag keinen Pieps / ich hör‘ nur auf die Musik und guck Introvert Memes“, gesteht Fritzi Ernst in ihrer neuen Single. Introvert Memes (***1/2) erzählt davon, wie es ist, wenn man viele Menschen einfach nicht mag, und man selbst dabei womöglich auch noch eingeschlossen ist. Die Musik dazu so spaßig, wie man das von ihr kennt, und natürlich ist es wieder der Gegensatz zwischen beidem, der unnachahmlich reizvoll ist, wie zuletzt auf dem Album Jo-Jo (2024). Gute Nachrichten: Derzeit ist Fritzi Ernst im Studio, um an neuen Songs zu arbeiten. Für 2026 ist eine Tour in Planung.

