Spank Rock – „YoYoYoYoYo“

ActSpank Rock
AlbumYoYoYoYoYo
LabelBig Dada
Erscheinungsjahr2006
Bewertung
Spank Rock – YoYoYoYoYo Albumcover

Man kann sich kaum etwas Langweiligeres vorstellen. Zwei Typen machen zusammen HipHop. Der eine ist weiß und produziert (Alex Epton alias XXXChange), der andere ist schwarz und rappt (Naeem Juwan). Beide tragen gerne Sneaker und Basecaps. Und ihre Tracks handeln schwerpunktmäßig davon, dass sie gerne (und nach ihrer bescheidenen Selbsteinschätzung auch sehr oft und sehr gut) ficken.
Gleich zum Auftakt wird in Backyard Betty mit Verweisen auf „pussy“, „ass“ und “boobs“ das wichtigste Thema für YoYoYoYoYo vorgegeben, unterlegt mit einer mächtigen Bass Drum und zwischendrin einer 8Bit-Melodie. „Backyard Betty blowin’ everybody’s mind / she can make you stop out of that behind”, wird das Hinterteil gepriesen. Am anderen Ende des Albums geht es nach Screwville (wenn man frei übersetzen möchte: Pimperstadt), zu Streichern und einer runtergepitchten Stimme.
So absolut erwartbare dieser Ansatz ist (gefühlt sind 80 Prozent aller Rap-Inhalte von Sex und Angeberei geprägt), so ungewöhnlich ist die Umsetzung, die das Duo aus Baltimore auf seinem Debütalbum dafür wählt. Was Spank Rock hier veranstalten, ist unverkennbar Avantgarde.

Sie nutzen gerne Old-School-Sounds wie den 808-Beat in Bump, das famos selbstsicher wird, aber nicht hohl prahlerisch – und zudem einen tollen Gastbeitrag von Amanda Blank enthält. Noch lieber bauen sie Computerspiel-Sounds ein wie in Far Left, das zudem verfremdete Stimmen und Breakbeats enthält. Im rhythmisch irre interessanten und kreativen Rick Rubin reicht das Klangspektrum von Kuhglocke bis E-Gitarre. Chilly Will beginnt reduziert und endet in etwas, das ein bisschen wie Spät-1980er-Rave klingt. Das verschleppte Coke & Wet lässt einen schweren Bass auf ein paar ziemlich schräge Soundeffekte treffen.

In zwei Tracks erhalten Spank Rock Unterstützung von Typical Girls: Sie steuern eine Strophe in Touch Me bei, das bereits mit Fanfaren beginnt und auch danach kein bisschen dezenter wird. In Sweet Talk sind sie als Background-Chor zu hören, begleitet von etwas Funk-Gitarre und einem Bass, der zu Hardcore passen würde.

Competition changiert zwischen extrem reduziert und vollkommen wahnsinnig, in IMC spielen Samples eine noch prominentere Rolle als auf dem Rest von YoYoYoYoYo. Der vielleicht beste Moment der Platte ist What It Look Like. Der Track erzeugt eine gespenstische Atmosphäre mit Tönen, die von einer Harfe kommen könnten, dann entfaltet sich ein unruhiger Beat, die Verse „Tell me what it look like / tell me what it is“ bekommen nach und nach einen hypnotischen Effekt. Hier treffen Flow, Musikalität und Abenteuerlust von Spank Rock ideal zusammen.

Spank Rock bei Bandcamp.

Michael Kraft

Michael Kraft ist Diplom-Journalist und berichtet auf shitesite.de seit 1999 bevorzugt über Popkultur: Musik, Literatur, Film und TV. Außerdem über alles, von dem er denkt, die Welt müsse davon wissen. Bevorzugt erfolgt das aus der schönsten Stadt der Welt: Leipzig.

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