Suki Waterhouse My Fun

Futter für die Ohren mit Suki Waterhouse, Iron & Wine, Beatsteaks, Porches und Joe Goddard

Zu den vielen, vielen kreativen Aktivitäten von Suki Waterhouse seit dem Erscheinen ihres Debütalbums I Can’t Let Go (2022) gehört ihre Rolle in der Emmy-nominierten Serie Daisy Jones & The Six. Sie spielt darin Karen Sirko, die Keyboarderin der titelgebenden Band. Es ist eine Figur, die bewundert und begehrt wird, die auch um die Reize einer heißen Nacht und um die Spielregeln der romantischen Liebe weiß, der aber trotzdem nichts so wichtig ist wie die eigene Unabhängigkeit und die Möglichkeit, das eigene Talent zu entfalten. Wenn die Engländerin nun mit My Fun (****) eine neue Single veröffentlicht, kann man nicht anders als vermuten, Karen Sirko hätte da ein paar Spuren hinterlassen. Denn der Song, komponiert mit Natalie Findlay und Jules Apollinaire, kreist genau um dieses Selbstbild und feiert die Balance aus Hingabe und Autonomie. Der Sound verströmt eine träge Coolness wie Courtney Barnett oder Karen O und ist dabei sehr lebendig und organisch. My Fun klingt beinahe zeitlos in dem Sinne, dass es schwer in einer Ära zu verorten ist. Dazu passt auch das Animationsvideo von Callum Scott-Dyson. Er sagt über das Werk: „Wir haben uns für einen lebendigen, lustigen und abgehackten Stop-Motion-Animationsstil entschieden, inspiriert von Monty Python und anderen großen Cut-Out-Animatoren.“ Parallel veröffentlicht die Musikerin und Schauspielerin, die zuletzt beispielsweise mit Belle And Sebastian sowie Local Natives zusammengearbeitet hat, mit Faded noch eine weitere Single. Noch in diesem Jahr soll es ein neues Album von Suki Waterhouse geben.

Auch Sam Beam alias Iron & Wine setzt für seine neue Single Anyone’s Game (****) auf einen Clip aus der Hand von Callum Scott-Dyson. In diesem Fall sagt der Videokünstler dazu: „Ich habe Kartenausschnitte im Stop-Motion-Stil verwendet, indem ich die Elemente von Hand gezeichnet habe, bevor ich sie ausgeschnitten und animiert habe. Ich wollte, dass das Video Themen erforscht wie Evolution, die zyklische Natur des Lebens, Verliebtsein und Trennungen sowie das Gefühl, dass sich das Leben manchmal wie ein Glücksspiel anfühlt.“ Das passt wunderbar zum Sound des Tracks, der Wärme, Musikalität und Komplexität à la Animal Collective beweist. Der Rhythmus ist wichtig, auch wenn seine Bestandteile dezent bleiben, dazu gibt es viele hübsche Details. Anyone’s Game ist ein weiterer Vorbote für das neue Album Light Verse, das zehn Songs umfassen wird. Der Nachfolger des Grammy-nominierten Beast Epic (2017) erscheint am 26. April.

Mit echten Bildern arbeitet der Clip zu Rag (****), der neuen Single von Aaron Maine alias Porches. Dass das Setting (Regie hat wieder einmal Nick Harwood geführt) zumindest ein kleines bisschen an das legendäre Smells Like Teen Spirit erinnert, passt perfekt zum Song des Mannes aus New York. Denn Rag ist ein weiteres und umwerfendes Beispiel dafür, wie gut es klingen kann, wenn Außenseiter sich an der Entdeckung der puren Freude an Laut-Leise-Dynamik mit einer Gitarre in der Hand ergötzen. In der Tat kann man da an dynamischen Slacker-Rock von Nirvana bis Weezer denken, in diesem Fall noch angereichert um ein paar Twists im Beat. Famos.

Bleiben wir beim Bezug des Visuellen zur Musik und schauen wir auf Moments Die (****), den ersten Track des dritten Soloalbums von Joe Goddard. Der Hot-Chip-Mann setzt hier auf die Stimme von Barrie aus Brooklyn. Er hat sie entdeckt, als er an einem Remix eines Songs arbeitete, in dem sie mitwirkte. Den Gesangs-Part bezeichnet Goddard als „ein Highlight meines kommenden Albums“, der Text ist von John Bergers Buch And Our Faces, My Heart, Brief As Photos inspiriert. Passend dazu setzt Regisseur Nathan Castiel im Clip unter anderem auf Polaroids als Wegweiser wie die Brotkrumen bei Hänsel & Gretel. Der Song dazu klingt in jedem Moment nach der dummen Idee, eine Nacht auf dem Dancefloor als Eskapismus zu betrachten, und zugleich hoch intelligent. Goddard hat nach eigenen Angaben zuletzt versucht, intuitiver zu arbeiten. „Diese Idee, den bewussten Verstand aus dem Prozess des Musikmachens herauszulösen – nicht zu versuchen, der Musik oder den Mitwirkenden eine Bedeutung aufzuzwingen, sondern diesen Prozess sehr einfühlsam zu gestalten“ stand demnach im Zentrum des am 12. Juli erscheinenden Albums Harmonics. Weitere Gast-Stimmen auf seinem dritten Solowerk kommen von Eno Williams (Ibibio Sound Machine), Hayden Thorpe (ehemals Wild Beasts), Alexis Taylor und Al Doyle (seinen Bandkollegen bei Hot Chip) und Tom McFarland (Jungle). „Mit all den verschiedenen Leuten auf dieser Platte habe ich daran gearbeitet, den Beitrag, den sie leisten, zu respektieren und nicht zu versuchen, derjenige zu sein, der alles anführen muss“, betont Goddard. „Das setzt sich in den Songs fort, in denen ich singe. Ich habe versucht, Texte zu schreiben, ohne eine allzu genaue Vorstellung davon zu haben, was ich ausdrücken will, einfach dem Strom des Bewusstseins folgend.“

Das, was die Kamera bei den Beatsteaks in Detractors (****) einfängt, könnte man gewöhnlich finden, sogar langweilig: Die Band steht in einem Raum und spielt gemeinsam den Song, der zugleich die erste Single vom neuen Album Please (kommt am 28. Juni) ist. Die kleinen Gesten darin sind aber bezeichnend: Es gibt Umarmungen und gemeinsames Lachen, man begleitet die Beatsteaks offensichtlich dabei, wie sie sich als Band wiederentdecken und selbst noch einmal ganz genau dem Klang lauschen, der da aus dem Verstärker kommt, wenn sie zusammen spielen. In der Tat haben die Berliner während der Aufnahmen für ihr erstes Album seit sieben Jahren viel über ihre Band geredet. „Im Laufe dieses Dialogs ist uns klar geworden, wie groß der Kosmos ist, den wir uns mit der Band selbst geschenkt haben … Und wie klein die Luxusprobleme sind, die uns hin und wieder darin beschäftigen“, sagt Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß. Beim Überwinden der internen Querelen hat das Quintett auch erkannt: „Unsere Aufgabe ist es, den Leuten etwas Schönes zu bringen, sie mit unserer Existenz, unserer Musik glücklich zu machen … Die Welt ist schließlich beschissen genug.“ Das hört man Detractors an, mit erstaunlich viel Jangle, Luft und Melodie. Statt Druck und Wumms gibt es diesmal sogar Harmoniegesang. Aufgenommen wurden die elf neuen Songs mit Produzent Olaf Opal im Publikumsbereich des Berliner Columbia Theaters. Im Sommer und Herbst gibt es eine große Tour, beginnend mit zwei großen Konzerten in der Berliner Wuhlheide vor über 30.000 Menschen. Am 1. Oktober werden die Beatsteaks auch in Leipzig im Haus Auensee gastieren, die Show ist allerdings bereits ausverkauft.

Michael Kraft

Michael Kraft ist Diplom-Journalist und lebt in Leipzig. Auf shitesite.de schreibt er seit 1999 als Hobby über Musik, Filme, Bücher und ein paar andere Dinge, die ihn (und vielleicht auch den Rest der Welt) interessieren.

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