| Film | Hustlers |
| Produktionsland | USA |
| Erscheinungsjahr | 2019 |
| Spielzeit | 111 Minuten |
| Regie | Lorene Scafaria |
| Hauptdarsteller*innen | Constance Wu, Jennifer Lopez, Julia Stiles, Keke Palmer, Lili Reinhart, Lizzo, Cardi B |
| Bewertung |
Worum geht’s?
Dorothy kommt aus schwierigen Verhältnissen in New York und will Geld für ihre kranke Großmutter verdienen, bei der sie aufgewachsen ist. Unter dem Künstlernamen Destiny heuert sie im Stripclub „Moves“ an. Der Verdienst dort reicht aber kaum, um über die Runden zu kommen. Deshalb wendet sie sich an Ramona Vega, die als Star des Clubs deutlich erfolgreicher in diesem Metier ist. Sie wird zur Beraterin und Freundin. Als Duo sind sie sehr erfolgreich und haben bald mehr Geld, als Destiny sich je erträumt hätte. Doch sie verlieren sich aus den Augen, und als mit der Finanzkrise die reichen Banker von der Wall Street als Kunden ausfallen, steht Destiny ohne Job, ohne Einkommen und mit einer kleinen Tochter da. Als sie wieder im „Moves“ anheuert, muss sie feststellen, wie sehr sich das Geschäft verändert hat: Die meisten der neuen Tänzerinnen prostituieren sich auch. Destiny sucht wieder den Kontakt zu Ramona und steigt gemeinsam mit ihr und zwei weiteren Kolleginnen auf ein neues Geschäftsmodell um: Sie flirten mit Männern in Bars, setzen sie unter Drogen, nehmen sie mit ins „Moves“ und bereichern sich an ihren Kreditkarten. Wenn die Männer nach einer durchzechten Nacht im Stripclub wieder zu sich kommen, können sie sich an nichts erinnern, und sind auch nicht gerade heiß darauf, die Polizei zu informieren. Das ist äußerst einträglich. Doch auch diesmal scheint die Glückssträhne nicht lange zu währen. Denn andere Stripperinnen aus dem „Moves“ ahmen ihre Masche nach, und nicht nur durch diese Konkurrenz wird es zunehmend brenzlich.
Das sagt Shitesite
Wenn Jennifer Lopez als Ramona hier ihren ersten Auftritt hat, dann ist das annähernd so spektakulär wie die Szene, mit der Salma Hayek in From Dusk Till Dawn berühmt geworden ist. Auch hier geht es um einen freizügigen Tanz in einem Stripclub, auch hier um eine Frau, die all die Männer im Club in die Tasche stecken könnte, obwohl es letztlich darum geht, dass diese Männer ihr Geld in die Tasche (beziehungsweise in die Unterwäsche) stecken. Dabei erstaunt zum einen die Tatsache, dass J-Lo, deren Kinokarriere zuletzt nicht gerade in ihrer Blüte stand, hier so stark agiert, dass sie Hustlers fast allein trägt. Zum anderen fällt schnell auf, wie anders hier der Blick der Kamera ist. Es geht nicht um die Perspektive der geifernden, johlenden, übergriffigen Kunden. Sondern um die Perspektive der Tänzerinnen, um ihr Spiel mit Aufmerksamkeit, Begehren und dem Vortäuschen von Verfügbarkeit.
Das ist sehr typisch für den Film, der auf wahren Begebenheiten und der Recherche einer Journalistin für das Magazin New York basiert. Lorene Scafaria hat Regie geführt und das Drehbuch geschrieben, und sie zeigt viele starke Frauen in ihrem Film. Männer sind hier durchweg Jammerlappen, Arschlöcher, Trottel, Betrüger oder Narzissten. Oder sie sind gleich ganz abwesend – es gibt keine Väter und auch keine Ehemänner in diesen Biographien.
Stattdessen werden die Stripperinnen als Ersatzfamilie vorgestellt, als eine Community, in der es zwar scharfe Konkurrenz gibt, man sich aber auch gegenseitig unterstützt. So wird Ramona zur Mentorin für Destiny, bleibt dabei aber auch Rivalin. Hustlers erzählt von Solidarität, die aber niemals bis zur wirklichen Selbstlosigkeit geht: Wenn es hart auf hart kommt, muss jede für sich selbst einstehen – das gilt in jedem Moment, und das ist allen Beteiligten klar. Passend dazu wird hier auch kein Feminismus mit Tiefe oder gar Systemkritik artikuliert. Es geht eher um Rache, und diese wird bevorzugt mit unhinterfragtem Materialismus ausgelebt. Destiny, Ramona und ihre Kolleginnen protzen, wenn das Geld da ist, und Hustlers bringt diese Momente, die Freiheit und Sorglosigkeit suggerieren sollen, in schick fotografierten Hochglanz-Bildern auf die Leinwand, begleitet von knalligen Pop- und RnB-Hits (Lizzo und Cardi B sind sogar als Schauspielerinnen zu erleben), die den gelegentlichen Glamour-Faktor im Leben dieser Frauen verstärken.
Destiny, Ramona und ihre Kolleginnen werden zwar sozusagen aus Notwehr kriminell. Es wird allerdings in keinem Moment reflektiert, dass sie auf ihrem Weg zum Glück auch davon gebremst werden, dass sie selbst genauso gierig werden, wie es die Spekulanten waren, die die Bankenkrise ausgelöst haben, die hier als Hintergrundfolie dient. Dazu verhaspelt sich Hustlers etwas in den Zeitebenen (erzählt wird im Rückblick anhand eines Interviews von Destiny mit der Journalistin). Immerhin hält der Film so aber auch die Spannung hoch, nicht nur in der Frage, wie die Geschichte ausgeht, sondern auch dahingehend, wann und warum sich Destiny und Ramona verkracht haben. Ein bisschen Küchenpsychologie gibt es auch noch: Die Sehnsucht nach Reichtum steht bei diesen Frauen natürlich auch für die Sehnsucht nach Sicherheit, nach Anerkennung, nach einem intakten sozialen Umfeld und nach einem besseren Leben für die eigenen Kinder – all das, was die Stripperinnen selbst nicht hatten.
Bestes Zitat
„Diese Stadt, fuck, das ganze Land ist ein Stripclub.“

