| Film | Devil’s Knot |
| Produktionsland | USA |
| Erscheinungsjahr | 2013 |
| Spielzeit | 114 Minuten |
| Regie | Atom Egoyan |
| Hauptdarsteller*innen | Reese Witherspoon, Stephen Moyer, Colin Firth |
| Bewertung |
Worum geht’s?
Mai 1993: Drei achtjährige Jungs brechen mit ihren Fahrrädern zu einer kleinen Spritztour in den Wald auf. Eigentlich sollten sie alle am späten Nachmittag wieder zuhause sein. Doch keiner von ihnen kehrt zurück. Die Eltern sind alarmiert, die Polizei startet eine Suchaktion in der sumpfigen Landschaft, die ganze Nachbarschaft hilft mit. Einen Tag später herrscht traurige Gewissheit, als die nackten und malträtierten Leichen der drei Jungs gefunden werden. Der Verdacht von Behörden und Bevölkerung richtet sich schnell auf eine Teenager-Clique mit angeblich satanistischen Neigungen. Sie werden tatsächlich vor Gericht gestellt, ihnen droht die Todesstrafe. Ihr Pflichtanwalt ist überfordert, erhält aber freiwillige Unterstützung von Privatdetektiv Ron Lax. Dieser deckt schnell etliche Widersprüche in der Ermittlungsarbeit und Beweisführung auf. Bei den trauernden Eltern der Opfer und in der von der Tat geschockten Öffentlichkeit findet er damit aber kaum Gehör.
Das sagt Shitesite
Devil’s Knot basiert auf einer Romanvorlage, die wiederum auf realen Ereignissen rund um den Fall der „West Memphis Three“ beruht. Diese Ausgangssituation schafft das Dilemma, das Regisseur Atom Egoyan innerhalb von knapp zwei Stunden nie so ganz aufzulösen vermag: Er will mit seinem Film einerseits zeigen, wie schwierig es ist, die Wahrheit zu benennen, und vor allem, wie gefährlich es sein kann, sich auf eine absolute Wahrheit zu versteifen. Andererseits wählt er einen fast dokumentarischen Stil, und das erfordert nun einmal eine Orientierung an Fakten, deren Zusammenwirken zumindest in der Erwartungshaltung des Publikums dann doch so etwas wie „Wahrheit“ ergeben soll.
Während die sehr genau nachgezeichneten Bilder des Verbrechens, der Ermittlungen und der Gerichtsverhandlungen seinem Werk einen beinahe journalistischen Charakter verleihen, ist Devil’s Knot zugleich voller Andeutungen: diese oder jene Person kommt genauso gut als Täter infrage, hier wurde geschludert, dort vertuscht. Während sich der Film klassischen Thriller-Elementen entzieht (es gibt keinen Helden, auch keinen echten Bösewicht, eigentlich nicht einmal eine wirkliche Hauptfigur; das Geschehen wird erstaunlich ruhig erzählt, sodass trotz der Hexenjagd rund um die Tat kaum wirkliche Spannung aufkommt), bietet er letztlich wenig Neues in seiner Recherche und Bewertung.
Die Atmosphäre wird eher erschütternd als mitreißend – auch wenn es einige sehr dramatische Szenen gibt wie die Bilder der zusammenbrechenden Eltern, als sie vom Tod ihrer Kinder erfahren. Die größte Stärke des Films ist es dabei, dass er Zweifel statt Voreingenommenheit mit großer Konsequenz in den Mittelpunkt stellt, bis zum erstaunlichen Ende. Diese Perspektive lässt die Abläufe noch empörender erscheinen: Die Verdächtigen, selbst noch Teenager, werden auch deshalb angeklagt, weil sie harte Musik und dunkle Kleidung mögen. Die fromme Bevölkerung ist empört, die Polizei macht entsprechend Druck auf Zeugen, geht Spuren nicht nach, schlägt alternative Theorien für das Tatgeschehen in den Wind. So zeigt Devil’s Knot den Kardinalfehler dieses aufsehenerregenden Justizfalls: Niemand ist an der Wahrheit interessiert, alle bloß an Vergeltung und Strafe.
Bestes Zitat
„Ich interessiere mich einfach nur für Hexerei. Als ein Weg zur Macht. Zur Kontrolle.“

