| Herausgeberin | Susan Black |
| Titel | You Bitch! You Bastard! Die größten Rock- und Popstars aller Zeiten ziehen übereinander her |
| Verlag | Schwarzkopf & Schwarzkopf |
| Erscheinungsjahr | 2007 |
| Bewertung |

Das Urban Dictionary ist so etwas wie das passende Kompendium für alle, die Rap-Begriffe, Jugendsprache oder Straßenslang noch einmal semantisch (manchmal auch etymologisch) erklärt haben wollen. Das Verb „dissing“ wird darin beispielsweise erläutert als „talking mean bout someone to the face or behind their back“. Dass dieses Phänomen längst nicht erst mit der HipHop-Kultur entstand, beweist You Bitch! You Bastard! Herausgeberin Susan Black versammelt darin in Zitatform allerlei Gemeinheiten, Seitenhiebe, Unterstellungen und Gehässigkeiten aus dem Musikgeschäft, von den 1960ern bis in die Nullerjahre.
Die „Sammlung von Gezicke, Gejammer und verbalen Geschossen“, wie sie das Werk im Vorwort nennt, ist manchmal nach Zitatgebern geordnet (wenn sich jemand im Laufe der Jahre als besonders ergiebiges Lästermaul erwiesen hat), manchmal auch thematisch (wo es dann etwa um Sex, das Verhältnis zur Presse oder Reunions und Comebacks geht). Zu Wort kommen in den 35 Kapiteln solch illustre Musikgrößen wie Johnny Rotten, Oasis, Pete Doherty von der einen, Courtney Love, Eminem und Marilyn Manson von der anderen Seite des Atlantiks.
Zur Herausgeberin finden sich in der deutschen Ausgabe leider keinerlei Angaben, im englischen Original war das Werk schon 2006 als Hardcover mit dem Titel Bitch! Bitch! Bitch! und auch als Taschenbuch namens Rock Venom Insults, Abuse and Outrage All in the Name of Fame! erschienen. Susan Black hat zuvor offensichtlich vorrangig Werke über Pop-Leichtgewichte wie Jason Donovan und Peter André verfasst, auch immer wieder Werke à la „in his own words“, in denen sie also auch Zitate aus anderen Quellen kompiliert hatte.
Auch in You Bitch! You Bastard! findet man solche Zweitverwertung, umso ärgerlicher ist es, dass für die einzelnen Zitate keine Quellenangaben genannt werden und auch keine Datierung erfolgt. Aufgewogen wird das durch die sehr schicken Illustrationen von Jana Komarkova, auch die Übersetzung von Thorsten Wortmann ist gelungen, was nicht selbstverständlich ist, wenn es gilt, genau die richtige Granularität von Bosheit oder Süffisanz mitzutransportieren.
Auch wenn die Eigenleistung für dieses Buch somit überschaubar bleibt, ist die Lektüre ein Vergnügen. Das liegt einerseits daran, dass die Popwelt natürlich oft genau den Typus hervorbringt, der sich gerne das Maul zerreißt. Es wimmelt in diesem Business, das unterstreicht diese Sammlung nachdrücklich, von Narzissten und Sensibelchen, natürlich ist es für die eine oder andere öffentliche Schlammschlacht auch hilfreich, dass fast immer ein Mikrofon in der Nähe ist, wenn Popstars einmal Tacheles reden – und dass etliche von ihnen wissen, wie hilfreich eine öffentlich ausgetragene Rivalität für die eigene Publicity, somit auch für Platten- und Ticketverkäufe sein kann.
Die (realen) Zitate in You Bitch! You Bastard! sind manchmal so fies, dass man an eine verbale Entsprechung des legendären (und wohlgemerkt fiktiven) MTV-Formats Celebrity Deathmatch denken kann. Außerdem zeigt die Zusammenstellung auch, wie rhetorisch geschickt (oder eben nicht) die einzelnen Musiker*innen sind: Manche krakelen plump, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, ihr Image oder ihr Ego zu schützen. Andere beleidigen, weil sie genau wissen, wie treffend sie mit ihrer spitzen Zunge und feinen Ironie verletzen können. Und nicht zuletzt lässt das Buch erkennen: So, wie im Büro über Kolleginnen und Kollegen getratscht, getuschelt und gelästert wird, so ist es eben auch in der Glitzerwelt.
Die zehn besten Zitate aus „You Bitch! You Bastard!“
Sting: „Ich habe Bob Geldof erzählt, dass ich acht Stunden lang Liebe machen könnte. Was ich ihm nicht gesagt habe, ist, dass diese acht Stunden mindestens vier Stunden Betteln, danach Abendessen und Kino beinhalten.“
Ozzy Osbourne: „Wenn Bill Clinton sich von seiner Sekretärin keinen blasen lassen kann, hat er definitiv den falschen Job.“
Shane McGowan (The Pogues): „Generell hasse ich Popstars. Außer wenn es sich um mich selbst oder persönliche Freunde von mir handelt.“
Morrissey: „Ich würde eher meine eigenen Hoden essen, als mich auf eine Reunion von The Smiths einzulassen. Und das heißt schon etwas für einen Vegetarier!“
Dave Mustaine (Megadeth): „Ich würde lieber Hanibal Lecter meine Eier fressen lassen, als jemals wieder mit Mötley Crüe auf Tour zu gehen.“
Elton John: „Ich wollte immer schon mal irgendwem eine Gitarre über die Rübe ziehen. Mit einem Klavier geht das nicht so gut.“
Trey Parker (Erfinder von South Park): „Mein perfekter Tag? Ich würde zu Phil Collins gehen und ihm den ganzen Tag in die Eier treten.“
Muddy Waters über Mick Jagger: „Er hat mir meine Musik geklaut, aber er hat mir damit einen Namen gegeben.“
Lou Reed: „Mein Bullshit ist mehr wert als anderer Leute Diamanten.“
Rod Stewart: „Ich könnte die Beastie Boys jederzeit herausfordern, wenn es darum geht, Hotelzimmer zu verwüsten. Ich bin schon viel zu lange im Geschäft, und sie sind bloß Anfänger.“

