Beforeigners, Staffel 1


Serie Beforeigners – Mörderische Zeiten, Staffel 1

Beforeigners Staffel 1 Kritik

Lars (Nicolai Cleve Broch) und Alfhildr (Krista Kosonen) ermitteln gemeinsam.

Produktionsland Norwegen
Jahr 2019
Spielzeit 6 Folgen à 45 Minuten
Regie Jens Lien
Hauptdarsteller Nicolai Cleve Broch, Krista Kosonen, Ágústa Eva Erlendsdóttir, Eili Harboe, Oddgeir Thune, Stig Henrik Hoff
Bewertung

Worum geht’s?

Lars Haaland arbeitet als Kommissar in Oslo und hat gemeinsam mit seiner Ehefrau gerade den Vertrag zum Kauf einer Eigentumswohnung unterschrieben, als er zu einem Einsatz gerufen wird. Am Hafen wurden mehrere Menschen aus dem Wasser gefischt. Sie sind verstört, altertümlich gekleidet und sprechen eine seltsame Sprache. Der Polizist kann sie einigermaßen beruhigen und lässt sie dann medizinisch versorgen. Was ihm noch nicht klar ist: Er hatte es gerade mit den ersten norwegischen Zeitmigranten zu tun. Wenig später tauchen immer mehr Menschen aus vergangenen Zeitaltern auf, und zwar weltweit. Die Ursache kann sich niemand erklären. Eine eigens gebildete Forschungskommission gibt nach mehreren Jahren ergebnislos auf und kann sich bloß auf eine Beschreibung des Phänomens beschränken: Es gibt einen Lichtblitz im Wasser, und dann sind die nächsten Einwanderer aus vergangenen Epochen da. In Oslo stellt das nicht nur die Stromversorgung vor Herausforderungen. Die Migranten kommen aus der Steinzeit, der Wikinger-Zeit und dem 19. Jahrhundert, und nach einigen Jahren sind es Zehntausende.

Nach einem beträchtlichen Zeitsprung um mehrere Jahre gleich zu Beginn der ersten Folge ist Lars in dieser neuen Normalität angekommen, in der mitten in der Stadt mit Speeren auf Fischfang gegangen wird, züchtig gekleidete Bürgerstöchter den Passanten Blumensträuße anbieten und es Imbissläden gibt, die auf Wikinger-Essen spezialisiert sind. Seine Frau hat ihn mittlerweile verlassen, die einst schicke Wohngegend verkommt mehr und mehr. Wieder bekommt es Lars in dieser Situation mit einer Premiere zu tun: Am Hafen wird eine ermordete Zeitmigrantin aus der Steinzeit gefunden. Es ist der erste Mord an einem Menschen mit Zeitmigrationshintergrund. Der Fall wird bald politisch brisant und erstreckt sich auch ins Privatleben von Lars. Er soll den Todesfall gemeinsam mit seiner Kollegin Alfhildr Enginsdottir aufklären. Sie stammt selbst aus der Wikinger-Zeit, ist vorbildlich integriert und nun die erste „multitemporale“ Kommissarin im norwegischen Polizeidienst. Das Ermittlerduo hat es dabei nicht nur mit einem komplexen Mordfall zu tun, sondern auch mit den eigenen Problemen: Lars hat Vorurteile gegenüber der neuen Kollegin und verheimlicht seine Schmerzmittel-Abhängigkeit, Alfhildr schlägt beim Kampf um Akzeptanz in der modernen Welt manchmal über die Stränge und wird bald von ihrer tausend Jahre zurückliegenden Vergangenheit eingeholt.

Das sagt shitesite:

Beforeigners vereint sehr geschickt einen Krimi mit Elementen aus Fantasy und Science Fiction, funktioniert als Buddy-Geschichte ebenso wie als Serie für Fans historischer Stoffe. Die größte Stärke ist aber die Ausgangsidee des Autorenteams Anne Bjørnstad und Eilif Skodvin, die gemeinsam schon Lilyhammer erdacht hatten: Die Serie funktioniert als eine sehr kluge Parabel und findet einen unterhaltsamen und humorvollen Zugang zu den Themen Migration und Integration, ohne die damit verbundenen Herausforderungen zu leugnen. Die weltweit diskutierte Frage, ob Zugewanderte als belebendes Element oder Belastung betrachtet werden sollten, steht hier im Zentrum, manchmal mit schmerzlichen Referenzen auf aktuelle Bilder (die Zeitflüchtlinge kommen übers Wasser, drohen zu ertrinken, landen meist traumatisiert zunächst in anonymen Lagern und dann in Parallelgesellschaften), genauso oft mit einer erstaunlichen Leichtigkeit (es entstehen sehr süffisante Szene wie die mit dem einstigen Wikinger-Warlord Tore Hund, der nun Pizzabote ist, oder dem Steinzeitmensch Navn Ukjent, der als so etwas wie ein muskulöser „Trophy Husband“ einer erfolgreichen Bloggerin stets nackt durch deren luxuriöses Haus stolziert und dort roh selbstgefangene Kaninchen verspeist).

Wirkungsvoll ist das gerade, weil der Culture Crash nicht nur die Perspektive derer einnimmt, die durch die Neuankömmlinge in ihrer vermeintlichen Normalität gestört werden. Unverkennbar bringen die Zeitmigranten auch Fertigkeiten mit, über die Menschen des 21. Jahrhunderts nicht mehr verfügen, etwa das Leben im Einklang mit der Natur, wie es die Steinzeit-Menschen beherrschen, eine sehr pragmatische Freizügigkeit, wie sie in der Wikinger-Epoche üblich war, oder eine wohltuend zurückhaltende Kultiviertheit, wie sie Gregers an den Tag legt, der Lars damit die Frau ausgespannt hat. Beforeigners gönnt sich auch reichlich Seitenhiebe auf die Hypersensibilität der modernen westlichen Gesellschaft, in der Menschen „Nordic Walking“ betreiben müssen, damit ihr Körper nicht völlig verfällt, ihre Ernährung so seltsam ist, dass sie kein Gluten mehr vertragen, oder das Wort „Wikinger“ zu vermeiden ist, weil es diskriminierend sein könnte. Besonders clever ist dabei natürlich der Kniff, dass die Neuankömmlinge keine Fremden sind und sich weder ethnisch noch geografisch im „anderswo“ verorten lassen. Vielmehr sind es die eigenen Vorfahren, also genau die Menschen, die die norwegische Kultur mit erschaffen haben, die sie nun vermeintlich bedrohen. Sie bringen ihre Kleidung und ihre Küche mit und machen so das Stadtbild und das Leben in Oslo deutlich bunter, aber auch ihre Krankheiten und Konflikte – auch dieser Parallele zu realen Migrationsphänomenen wird hier sehr feinsinnig nachgespürt. Ein großer Pluspunkt ist die ausgeprägte Liebe zum Detail, etwa im jeweils leicht variierten Vorspann jeder Folge oder in der eigens für die Serie gemeinsam mit Linguisten entwickelten, altnordischen Kunstsprache.

Das funktioniert als Krimi gut und als intelligenter Beitrag zur Migrationsdebatte noch besser. Auch wenn der Mordfall am Ende aufgeklärt ist, bleiben einige Fragen und Konflikte offen. Die Macher haben bereits bestätigt, dass eine zweite Staffel von Beforeigners folgen soll.

Bestes Zitat:

„Ein richtiger Anführer ist der, der immer eine Wahl hat.“

Der Trailer zur Serie.

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