Hingehört: Departures – „Death Touches Us, From The Moment We Begin To Love“


Künstler Departures

Death Touches Us, From The Moment We Begin To Love Departures Kritik Rezension

Die Musik ist manchmal beschaulich, der Gesang ist immer brutal: So klingt das dritte Departures-Album.

Album Death Touches Us, From The Moment We Begin To Love
Label Holy Roar Records
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Man mag kaum glauben, dass Departures aus Glasgow schon zwei Alben und obendrein eine EP, eine 7“-Single und eine Split-Single mit Moose Blood vorzuweisen haben. Hört man Death Touches Us, From The Moment We Begin To Love, den dritten Longplayer des Hardcore-Quintetts, das beispielsweise schon mit Your Demise, More Than Life und Funeral For A Friend auf der Bühne stand, möchte man nämlich wetten: Sänger James McKean hat entweder einen sehr, sehr guten Laryngologen oder eine sehr kurze Karriere vor sich. Er stürzt sich (und vor allem seine Stimmbänder) mit derart viel Eifer in diese zehn Songs, dass man um seine körperliche und geistige Gesundheit bangen muss.

Sleepless steht am Beginn des Albums, mit sanftem Picking und getragenem Tempo könnte man dieses Lied zunächst fast für angenehm halten – bis die Stimme einsetzt: McKean klingt wie ein störrisches Kind, wütend, kaputt, völlig außer sich. So geht es weiter: Die Musik im folgenden The Last Dance könnte U2 sein, aber der Gesang ist so brachial, dass man McKean fast in den Arm nehmen will, um ihn zu besänftigen, würde er einem mit seinem Gesang nicht so viel Angst einjagen, dass man sich kaum an ihn heranzutrauen wagt. Was immer ihm zugestoßen ist, das ihn in diese Gemütslage gebracht hat: Es muss sehr schlimm und schmerzhaft gewesen sein.

Waiting bietet ebenfalls diese Stimme wie aus Dantes Inferno, die Musik scheint regelmäßig neue Qualen nachzuschieben und zwischendurch sogar ein paar Pausen zu erlauben, damit Blut, Schweiß und Tränen abfließen können. In 1994 kann man erkennen, dass sein Gesang für Wörter wie „fire“ und „fighting“ wie gemacht ist, auch für „blood“, „pain“ und „suffer“. Lost wirft die Frage auf, was dieser Mann bloß machen würde, wenn es nicht solch aggressive Musik und nicht die Berufsbezeichnung „Shouter“ gäbe? Beispielsweise bei In Colour hat man aber auch den Verdacht, dass er vielleicht gar nicht von Schmerz oder Folter oder Rache singt, sondern von ganz normalen Dingen (in der Tat scheint es sich um ein Liebeslied zu handeln), die eben mit so einer Stimme fast zwangsläufig nach Weltvernichtungsplänen klingen müssen.

Das ist für Leute wie ich, die keine ausgewiesenen Fans des Genres sind, auf Dauer etwas eindimensional. Allerdings schaffen es Departures auch, ihrem Sound erstaunliche Konturen zu verleihen, nicht zuletzt im instrumentalen Set Adrift, in dem McKean einmal eine Erholungspause bekommt. Death Touches Us, From The Moment We Begin To Love bietet kein stumpfes Riff-O-Rama mit Powerchords und Soli in Höchstgeschwindigkeit, sondern ist oft filigran, mit erstaunlich viel Jangle und Picking. Broken zeigt, dass die Musik unter dem Geschrei durchaus vielschichtig und feingliedrig ist. Auch in Death Of Youth schaffen es Groove, Drive und Finesse der Musik beinahe, die Wirkung des Gesangs in den Schatten zu stellen. Ganz am Schluss verrät James McKean dann auch noch, was ihn so sauer macht: Er fühlt sich „Ilke the loneliest boy in the world“, singt er in Memorial.

Ziemlich düster und ein bisschen brutal geht es auch im Video zu 1994 zu.

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