Draufgeschaut: Scoop

Januar 31, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Die Studentin Sondra (Scarlett Johansson) und der Zauberer Splendini (Woody Allen) sind einem Mörder auf der Spur.

Die Studentin Sondra (Scarlett Johansson) und der Zauberer Splendini (Woody Allen) sind einem Mörder auf der Spur.

Film Scoop
Produktionsland Großbritannien/USA
Jahr 2006
Spielzeit 96 Minuten
Regie Woody Allen
Hauptdarsteller Woody Allen, Hugh Jackman, Scarlett Johansson, Ian McShane
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Joe Strombel ist einer der berühmtesten Journalisten in England. Immer auf der Suche nach einer spannenden Enthüllungs-Story, unerbittlich und mit besten Beziehungen. Nun bekommt er einen sehr brisanten Tipp: Ein angesehener Adeliger soll hinter einer geheimnisvollen Mordserie stecken. Joe will dem Hinweis gerne nachgehen, doch er hat ein klitzekleines Problem: Er ist gerade gestorben. So erscheint er als Geist der Studentin Sondra, die von einer großen Karriere im Journalismus träumt. Sie soll sich für ihn auf die Spur des verdächtigen Peter Lyman machen. Doch Sondra verliebt sich prompt in das Ziel ihrer Recherche. Und der Zauberer Splendini, der ihr zur Seite steht, ist auch keine große Hilfe.

Das sagt shitesite:

Trotz sehr spitzfindiger Dialoge und einiger Seitenhiebe auf das englische Klassensystem, die auch schon dem Vorgänger Match Point eigen waren, ist Scoop ein vergleichsweise harmloses Werk von Woody Allen. Doch das gleicht der Film locker aus mit einer gesunden Dosis Spannung in durchaus klassischer Whodunnit-Manier. Und vor allem mit seinen Hauptdarstellern. Scarlett Johansson ist natürlich bezaubernd als naiver Grünschnabel mit Zahnspange und Kassenbrille. Woody Allen inszeniert sich selbst in all seiner sympathischen Eitelkeit (“Ich wurde geboren im hebräischen Glauben. Aber als ich älter wurde, bin ich konvertiert zum Narzissmus”, sagt er tatsächlich an einer Stelle). Und Hugh Jackman ist perfekt als aalglatter Gentleman und geübter Verführer.

Das Beste an diesem Ensemble: Keiner der Figuren nimmt man ihre Rolle ab. Splendini ist ein mehr als amateurhafter Magier, Sondra weit entfernt von einer knallharten Reporterin und Peter würde kein Mensch zutrauen, ein Serienkiller zu sein. Gerade daraus bezieht Scoop seine Faszination.

Bestes Zitat:

“Ich nehme kein Gramm zu. Meine Angstneurose wirkt wie Aerobic. Das ist wie ein Fitnesstraining.”

Der Trailer zum Film:

Hingehört: Heidi Spencer & The Rare Birds – “Under Streetlight Glow”

Januar 31, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
"Under Streetlight Glow" klingt wie ein romantischer, trauriger Film.

"Under Streetlight Glow" klingt wie ein romantischer, trauriger Film.

Künstler Heidi Spencer & The Rare Birds
Album Under Streetlight Glow
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung **1/2

Heidi Spencer schreibt Songs, seit sie ein Teenager ist. Und schon wenig später hatte sie einen Traum: Sie wollte, dass ihre Lieder in einem Film zu hören sind. Als niemand ihre Songs für einen Soundtrack wollte, besuchte Heidi Spencer schließlich selbst eine Filmakademie, um ihren Wunsch zur Wahrheit werden zu lassen. Dann zog sie quer durch die USA, träumte weiter, spielte und schrieb.

Hört man Under Streetlight Glow, bekommt man einen ziemlich guten Eindruck davon, wie der Film in ihrem Kopf wohl aussieht: sehr klassisch, authentisch, romantisch, traurig. Aki Kauriskmäki wäre sicher ein geeigneter Regisseur für diese Streifen.

Heidi Spencers Stimme ist eher rau als klassisch schön (irgendwo zwischen Edie Brickell, Cerys Matthews und Joana Newsom), und ihre Lieder erzählen streng akustisch vom Leben als moderner Troubadour.

Alibi ist ein höchst interessanter Auftakt, nimmt ganz oft Anlauf, stirbt dann aber immer wieder ab, bevor der stets angedeutete Schwung Realität wird. Auch der Titelsong spielt mit dieser Start-Stop-Dynamik und einem versonnenen Pfeifen – trotzdem kommt hier nirgends Leichtigkeit auf. Das kann schwelgerisch werden wie im Beinahe-Country von Hibernation, untröstlich wie beim Rausschmeißer Whiskey oder manchmal auch wie der letzte Tanz des Abends (Go to France). Heiter wird es nie.

Über den Liedern der Singer-Songwriterin liegt, ähnlich wie bei den ebenfalls geistesverwandten Sophie Zelmani oder Eleni Mandell, stets so etwas wie ein Schleier von Bedrücktheit. “It’s totally not a sad record”, behauptet Heidi Spencer trotzdem im Interview mit AV Club. Immerhin gesteht sie aber auch: “I won’t say it’s happy. Like, the first one’s devastating, the second one’s pretty sad — this one’s a step up, you know?

Under Streetlight Glow ist nämlich schon das dritte Album von Heidi Spencer, aber das erste, das auch international vertrieben wird. Warum die netten Damen und Herren von Bella Union die Notwendigkeit verspürt haben, Heidi Spencer ein größeres Forum zu verschaffen, erschließt sich freilich nicht. Das ist sehr feine Musik, aber mit nicht einmal einem Quantum Unbedingtheit oder gar Unverwechselbarkeit.

Die Chance, damit einen Überraschungserfolg oder gar eine Weltkarriere hinzulegen, ist wohl denkbar gering. Andererseits: Sowas soll ja immer wieder mal passieren. Zumindest in Filmen…

Endlich, ein Film! Das Video zu Alibi ist sehr putzig und bietet passend zum Albumtitel sogar eine Straßenlaterne:

Heidi Spencer & The Rare Birds bei MySpace.