Draufgeschaut: Mademoiselle Chambon


Film Mademoiselle Chambon

Szene aus dem Film Mademoiselle Chambon mit Sandrine Kiberlain und Vincent Lindon

Jean (Vincent Lindon) lernt die Lehrerin seines Sohnes (Sandrine Kiberlain) kennen.

Produktionsland Frankreich
Jahr 2009
Spielzeit 116 Minuten
Regie Stéphane Brizé
Hauptdarsteller Vincent Lindon, Sandrine Kiberlain, Aure Atika
Bewertung

Worum geht’s?

Jean ist Maurer, seine Frau Anne-Marie arbeitet am Fließband in einer Fabrik und sie leben das Leben ganz normaler Leute. Als Jean einen Vortrag über seine Arbeit in der Schule seines kleinen Sohns halten soll, lernt er dessen neue Lehrerin kennen. Mademoiselle Chambon kommt aus Paris und ist vorübergehend als Vertretungslehrerin angestellt. Aus der unscheinbaren Begegnung wird für beide eine ernsthafte Erschütterung: Der Familienvater und die Lehrerin fühlen sich unwiderstehlich zueinander hingezogen und fragen sich plötzlich, ob sie das richtige Leben führen.

Das sagt shitesite:

In der ersten Szene von Mademoiselle Chambon ist das nervigste Werkzeug der Welt im Einsatz: der Presslufthammer. Wer das als Symbol dafür versteht, dass danach ein anstrengender Film folgen wird, liegt nicht falsch: Von Anfang an ist klar, worauf die Konstellation hinauslaufen wird, aber Regisseur und Drehbuchautor Stéphane Brizé hält den Zuschauer fast zwei Stunden lang hin, bis er ihm die Bestätigung dieser These erlaubt.

Er nimmt sich viel Zeit für Banalitäten, denen nur die Tragik dieser verhinderten Liebesbeziehung gegenüber steht. Es gibt viel Schweigen, Grübeln und ins-Leere-Starren, selbstverständlich meisterhaft gespielt. Die Befangenheit von Jean und Veronique ist das Einzige, was noch größer ist als die offensichtliche Anziehungskraft zwischen den beiden. Natürlich kann man in diesem Einvernehmen, das nicht artikuliert werden (und erst recht nicht körperlich ausgelebt werden) muss, eine große Romantik erkennen. Aber es ist eben auch langatmig und äußerst ereignisarm.

Die größte Stärke von Mademoiselle Chambon ist das Nachspüren der Motivation dieser beiden verhinderten Liebenden. Bei der durchs Land vagabundierenden Vertretungslehrerin ist es Einsamkeit. Sie hat bisher ein unabhängiges Leben nach ihren Vorstellungen gelebt, aber sich nicht eingestanden, welchen Preis sie dafür gezahlt hat. Beim bodenständigen Maurer ist es die Entdeckung, dass es da noch eine ganz andere Seite des Lebens gibt, die er bisher nie wahrgenommen hat. Da ist nichts, wovor er fliehen müsste, nur ein großer Berg von Verpflichtungen.

Beide sind füreinander wie ein Katalysator: Sie zeigt ihm, wie beengt sein Leben ist. Er zeigt ihr, wie sehr sie sich einen Halt wünscht. Er müsste, wenn er aus dieser Liebe eine Beziehung machen will, ein Leben zurücklassen, sie müsste ein Leben erschaffen. Diese Konstellation ist reizvoll konstruiert und sehr glaubwürdig inszeniert. Sie ist aber leider alles, was Mademoiselle Chambon zu bieten hat. Und für knapp zwei Stunden ist das ein bisschen zu wenig.

Bestes Zitat:

„Ich könnte mit Ihnen fortgehen. – Sagen Sie so etwas nicht, wenn Sie es doch nicht tun.“

Der Trailer zum Film.

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