JFR Moon – „Moony“


Künstler JFR Moon

JFR Moon Moony Kritik Rezension

Synthies statt Gitarren bietet das neue Album von JFR Moon.

Album Moony
Label Treibender Teppich Records
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Man kann sich wundern über das Coverfoto von Moony, das JFR Moon im Badezimmer zeigt. Hat man einmal die dazugehörige Musik auf seinem am Freitag erscheinenden Album Moony gehört, passt das Motiv allerdings perfekt: Die Wanne steht für Entspannung, die Katze steht für Unberechenbarkeit, der Schaum steht für eine sehr brüchige Struktur. Dazu ist das ganze auch noch reichlich verwackelt. „Slackerpop vom Feinsten“, nennt ARTE diesen Sound, die Plattenfirma findet, das von Thomas Zehnle produzierte Album mit nur 25 Minuten Spielzeit klinge „wie betrunken im Strandbuggy zu cruisen“.

Den Auftakt macht Kenkeesy mit vielen verwaschenen Synthies, sodass man dem Stuttgarter, der auch als Bassist bei Human Abfall aktiv ist, den Hinweis „I’m on a trip“ sofort glaubt. Im Gegensatz zum Psychedelic-Folk des Vorgängers gibt es deutlich weniger Gitarre (und wenn, dann klingt sie sehr schlecht gestimmt wie in Canny) und viel mehr Tasteninstrumente. Mitstreiter auf Moony sind Kevin Kuhn (Die Nerven) am Schlagwerk, Dennis Melster (The Blue Angel Lounge, All diese Gewalt!) als Gitarrist und Martha Rose an Bass und Synthies, sie bekommt in Sugarpops so etwas wie ein Solo und darf auch im abschließenden Outro-Dub glänzen. Ansonsten gilt bei JFR Moon: Je derangierter, desto besser. SWIM ist ein Beispiel dafür, passend zum Albumcover scheint es die Trägheit eines Sonntagnachmittags heraufzubeschwören, allerdings allenfalls mit Rückenschwimmen, also der langsamsten und energiesparendsten Variante dieser Fortbewegungsart.

Das ist für den Künstler selbst vielleicht spannend, für den Hörer allerdings vollkommen überflüssig, weil beliebig. Die hier zur Schau gestellte Verweigerung kennt keinen Gegner, das macht Moony so reizlos. Auch die Idee, bekannte Pop-Parameter zu dekonstruieren, setzen andere Acts (etwa Mac DeMarco) viel spannender um. Solche Versuche gibt es einige bei JFR Moon: Bottomless ist vergleichsweise konventionell in Sound und Struktur, aber der scheinbar völlig desinteressierte Gesang sorgt dafür, dass es trotzdem schräg bleibt. Moon könnte hübsch sein, aber irgendetwas eiert und alles ist in Hall ertränkt. Does Me Harm wird Beinahe-Seventies-Rock im Stile etwa von CCR oder den Monkees, allerdings nachdem sie deutlich zu viel intergalaktische Strahlung abbekommen haben.

Sehr konsequent verweigert JFR Moon auf Moony konventionelle Song-Qualitäten wie Eingängigkeit, Virtuosität und Kraft. Er fügt seinen Liedern aber zu wenig Eigenes zu, womit er das damit entstehende Vakuum füllen könnte.

Das mit dem Sonntagnachmittag scheint auch im Video von SWIM zu stimmen.

JFR Moon bei Bandcamp.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.