Hingehört: Lambert – „Sweet Apocalypse“


Künstler Lambert

Sweet Apocalypse Lambert Kritik Rezension

„Sweet Apocalypse“ ist das dritte Album von Lambert.

Album Sweet Apocalypse
Label Deutsche Grammophon
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Sweet Apocalypse, Parasites To Ourselves, Aftermath: Bei solchen Songtiteln könnte man fast erwarten, Lambert sei ein Heavy-Metal-Act. Dazu passt auch die Aufmachung des Mannes, der aus Hamburg stammt, in Berlin lebt und gerade mit Sweet Apocalypse sein drittes Album vorgelegt hat: Sein Gesicht bleibt stets hinter einer sardischen Karnevals-Maske verborgen, die ihn reichlich martialisch wirken lässt.

Von brachialen Drums oder flitzeflinken Gitarrensoli kann bei Lambert allerdings keine Rede sein: Er ist ausgebildeter Jazzpianist, und die zwölf Lieder der neuen Platte sind von iTunes in der Kategorie „Classical“ keineswegs falsch eingeordnet. Ein Lied wie Sleeping Dogs zeigt das, ebenso wie das getragene Blik, das elegante Licking Dew oder der Schlusspunkt The End, der vor allem durch das Hin und Her zwischen seinen tiefen Klaviertönen und den Streichern zu einem reichlich theatralischen Finale wird.

Ab und zu gibt es besonders filigrane Momente wie Signals mit der schönsten Melodie des Albums oder Aftermath, in dem man mit etwas Fantasie den Kern eines Popsongs identifizieren kann. Der Titelsong Sweet Apocalypse wäre mit einem Housebeat darunter vielleicht von Robert Miles vorstellbar.

Alles bleibt instrumental und beschaulich; etwa in Waiting Room (grazil und schwermütig) oder in den Molltönen von In The Dust Of Our Days kann man etwas Dunkelheit heraushören, die nicht nur zur eingangs erwähnten Metal-Assoziation passt, sondern auch zum zentralen Thema, dem Lambert auf Sweet Apocalypse nachspürt: Angst. Das kann den im Albumtitel enthaltenen Weltuntergang meinen, aber auch ganz persönliche Dämonen, wie das nervöse A Thousand Cracks andeutet. Das mit Bläsern angereicherte Parasites To Ourselves oder die stimmungsvolle Reise von Descending A Staircase weisen ebenfalls in diese Richtung.

Zum Bedrohlichen passt das Artwork, für das die Berliner Künstlerin Moki zuständig war. Sie lässt im Booklet gehörnte Wesen durch verstörende Bilder laufen, ist auch für die Optik der Videos und der anstehenden Konzerte zuständig und war schon während der Aufnahmen eng in das Werk eingebunden. Ihre Bilderwelt bereichert Sweet Apocalypse auf sehr stimmige Weise, denn eindeutig gehören diese zwölf Stücke in die Kategorie „Nachtmusik“. Selbst mit der visuellen Unterstützung bleibt aber kaum ein Lied im Gedächtnis: Anders als die Reworks der Songs von Künstlern von Oasis bis Wu-Tang Clan, mit denen Lambert bei YouTube bekannt geworden ist, kann hier fast nichts einen wirklich unverwechselbaren Charakter oder gar Spannung entwickeln.

Ausnahmsweise spielt Lambert im Video zu Sweet Apocalypse tatsächlich auf schwarzen und weißen Tasten.

Im Frühjahr und Herbst ist Lambert auf Konzertreise.

18.05.2017 Hamburg, Resonanzraum (Hochbunker)

20.05.2017 Berlin, Silent Green Kulturquartier

25.05.2017 Wien, Porgy & Bess  (Stay In The Dark)

27.05.2017 Innsbruck, Treibhaus (Theatersaal)

22.09.2017 Jena – Trafo

23.09.2017 Dresden – Tonne

24.09.2017 Leipzig – Neues Schauspiel

25.09.2017 Nürnberg – Neues Museum

26.09.2017 Zürich (CH) – Exil

27.09.2017 Ludwigsburg – Scala

28.09.2017 Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum

27.10.2017 München – Manic Street Parade

22.11.2017 Berlin – Funkhaus

23.11.2017 Yverdon (CH) – Theatre Benno Besson

23.12.2017 Hamburg, Elbphilharmonie (Großer Saal)

Website von Lambert.

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