Hingehört: Mike And The Melvins – „Three Men And A Baby“


Künstler Mike And The Melvins

Mike And The Melvins Albumkritik Rezension

Fast 20 Jahre haben Mike And The Melvins für diese Platte gebraucht.

Album Three Men And A Baby
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Noch drei Tage dauert es, bis Three Men And A Baby am Freitag offiziell erscheinen wird. Im Fall dieser Platte ist das keineswegs eine lange Wartezeit. Denn Mike (das meint Mike Kunka, als Sänger unter anderem bei godheadSilo und Dead Low Tide im Einsatz) und die Melvins (das meint genau die Melvins, die schon Nirvana als ihre großen Helden genannt hatten) hatten sich schon 1998 zusammengetan, um eine Platte zu machen. Ein Jahr später begannen die Aufnahmen, und dann… kam irgendwas dazwischen.

Dieses „Irgendwas“ spezifiziert das Presse-Info von Three Men And A Baby unter anderem als „junior-high level bullshit“, dazu kamen medizinische Eingriffe, Vaterfreuden und geklautes Equipment. Angeblich. Im vergangenen Jahr haben sich Mike Kunka, King Buzzo, Dale Crover und Kevin Rutmanis (keine Ahnung, welcher von ihnen das Baby sein soll) dann wieder an ihr gemeinsames Projekt erinnert, und die einst begonnene Platte tatsächlich vollendet.

Das Werk klingt deutlich mehr nach 1998 als nach 2015, eigentlich klingt es sogar ziemlich sehr nach 1992. Für die Fans der Melvins sollte es, nicht nur wegen seiner turbulenten Entstehungsgeschichte, ein Pflichtkauf sein, ebenso für die Freunde von Mike Kunkas Projekten.

Chicken’N’Dump macht den Auftakt und geht sofort der Frage nach, wie laut ein Song sein darf, ohne in die Kategorie „Metal“ zu fallen. So geht es weiter: Limited Teeth verbreitet Chaos und hat Spaß dabei, Read The Label (It’s Chili) versteckt seine Komplexität in jeder Menge Krawall. Pound The Giants klingt, nicht nur wegen des Songtitels, als hätten sich alle Batman-Bösewichte zu einer Supergroup zusammengeschlossen. Und A Friend In Need Is A Friend You Don’t Need schafft es, einen Schlagzeug-Soundcheck zu einem ganzen Song auszudehnen, inklusive Pseudo-Live-Atmosphäre.

Natürlich achten Mike And The Melvins auch auf gewisses Maß an Abwechslung. Mit Annalisa gibt es eine Coverversion von PiL, die eine sofort einleuchtende Geistesverwandtschaft erkennen lässt. Lifestyle Hammer lässt ein bisschen Blues-DNA erkennen, Gravel persifliert Call-And-Response-Gesang, am Ende von Dead Canaries gibt es den unpassendsten Kicher-Anfall aller Zeiten zu hören. Wenn es in A Dead Pile Of Worthless Junk plötzlich keinen Lärm mehr gibt, wird das Lied gerade deshalb erst recht beunruhigend.

Der Schluss von Three Men And A Baby ist dann wieder so, wie es Mike And The Melvins am liebsten mögen: Gitarre, Bass, Gesang und Schlagzeug, alle im Inferno-Modus. Für so etwas kommt in etlichen Ländern sicher auf die Liste der Terrorverdächtigen. Schön, dass es da irgendwo in Seattle vier Durchgeknallte gibt, denen das egal ist.

Limited Teeth als Beinahe-Video.

Website der Melvins.

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