Hingehört: Sarah Brightman – „Symphony“


Wer dieses Cover schon für übertrieben bombastisch hält, der sollte erst einmal die Musik hören.

Wer dieses Cover schon für übertrieben bombastisch hält, der sollte erst einmal die Musik hören.

Künstler Sarah Brightman
Album Symphony
Label Emi
Erscheinungsjahr 2008
Bewertung *

„Mach dich von den Vorurteilen los, und du bist gerettet“, hat Marc Aurel in seinen Selbstbetrachtungen prophezeit. Auch weil ich ein großer Freund der Antike bin (und mich ungern mit Leuten anlege, die eigenhändig die Parther, Markomannen und Sarmaten in die Flucht geschlagen haben), will ich dieser Aufforderung, diesem Versprechen gerne folgen.

Sehen wir Sarah Brightman also mal nicht als den Teufel an, als Personifizierung des durchaus beträchtlichen Unterschieds zwischen Musikfans und Musical-Fans, zwischen Kunst und Können. Auch wenn es schwer fällt: Das Presse-Info preist die Engländerin als die „ultimative Crossover-Sängerin (…) mit einer Stimme von kristalliner Klarheit und schier atemberaubender Schönheit“. Es nennt als Referenzen Andrea Bocelli (mit dem es hier auch ein Dueet geben soll) und Il Divo. Es ruft die schmerzhafte Erinnerungen an den „Smash-Hit Time To Say Goodbye“ wach und kündigt ein Duett mit dem „Rocklegionär Paul Stanley (Kiss)“ an. Es wirbt ernsthaft damit, dass die „Diva voller Leidenschaft und Inspiration“ demnächst in einem Kinofilm mit Paris Hilton zu sehen sein wird und einer der Songs auf dieser Platte in Japan „bereits einen populären Pokemon-Werbespot“ untermalte.

All dies ignorieren wir. Wir wollen auf Marc Aurel hören, tolerant sein und uns ganz unvoreingenommen dem Werk nähern, dessen Títelsong Symphony tatsächlich auch noch eine englische Version des Silbermond-Hits, ähm, Symphonie ist.

Es fängt an. Gothica heißt das erste Stück. Keyboards, künstlicher Donner, dann ein Computerbeat, eine Piano-Melodie. All das geht flüssig in das nächste Stück über, Fleur Du Mal mit wuchtigen Drums, Streichern und Powerchords. Es klingt so bombastisch, dass sich die gesamte Besetzung von Jesus Christ, Superstar dagegen ausnimmt wie eine Garagenrock-Band. Das erste, was man von Sarah Brightman hört, ist ein langgezogenes „uuh“. Es ist 7,8 Sekunden lang. Es ist 7,8 Sekunden zu lang. Meine Toleranz ist am Ende. Soll Marc Aurel doch kommen.

Eine recht amüsante Falsch-Übersetzung des Smash-Hits Time To Say Goodbye:

Sarah Brightman bei MySpace.

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