Durchgelesen: Michael Krugmann – “Oasis. Supersonic Supernova”
| Autor | Michael Krugman |
| Titel | Oasis. Supersonic Supernova |
| Verlag | St. Martin’s Griffin |
| Erscheinungsjahr | 1997 |
| Bewertung | **** |
Dieses Buch kommt mitten aus dem Moment und doch ist es vielleicht der beste Überblick, wenn man späteren Generationen einst das Phänomen Oasis erklären will (falls spätere Generationen keine Ohren mehr haben werden und so schlicht über die Musik der Gallaghers erleuchtet werden).
Aus zwei Gründen: Zum einen ist der Autor Amerikaner, der für eine US-Leserschaft schreibt. Deshalb wird hier nichts vorausgesetzt, sondern der politische, historische und pokulturelle Zusammenhang und Hintergrund stets mit erklärt. Der Autor erklärt die Band nicht für Hardcore-Fans, sondern scheint für Leute zu schreiben, die noch nie von Oasis gehört haben.
Zum anderen ist “Supersonic Supernova” 1997 erschienen, kurz vor der Veröffentlichung von “Be Here Now”. Also zu einem Zeitpunkt, als Oasis noch perfekt waren, die beste Band der Welt, ohne einen Fleck auf der weißen Weste ihrer Welt-Eroberung. Damals schien die Warnung von Courtney Love noch angebracht: “Oasis must die. Do not buy Oasis records. They will come to rape and pillage our women and invade America.”
Deshalb ist das Buch (in erster basierend auf einer Collage bereits erschienener Interview-Fragmente) auch ein echtes Lese-Vergnügen. “Supersonic Supernova” liest sich schlicht wie ein Märchen. Es ist spannend, aufregend, witzig, kaum zu glauben. Und es weckt den Wunsch, ins Geschehen einzutauchen, dabei zu sein. Mitten im Moment.
Beste Stelle: “The five Manchester lads burst upon the scene in 1994 looking and acting like the Last Gang in Town, the rock’n'roll band the world had been waiting for. From the start, it was as if Oasis had absorbed all the classic archetypes – the melodic songcraft of the Beatles, the devil-may-care attitude of the Stones, and the guttersnipe aggression of the Sex Pistols – then spat it back out, remande and remodeled for the Nineties. What more could anyone want?”
Jedes Maß verloren
Die Parallelen sind unverkennbar: Eine kleine Berufsgruppe probt den Aufstand. Die Forderungen scheinen für Außenstehende anmaßend. Und die Leidtragenden der Auseinandersetzung sind in erster Linie die Kunden, deren Mobilität eingeschränkt wird. Was die Lokführergewerkschaft GDL derzeit durchzieht, erinnert stark an das Gebaren der Lufthansa-Piloten vor sechseinhalb Jahren. Auch die fühlten ihre Interessen damals von der großen Gewerkschaft nicht vertreten, auch sie forderten 30 Prozent mehr Geld und streikten lange dafür. Am Ende setzten sie sich durch.
Ob die Tarif-Auseinandersetzung bei der Bahn ähnlich ausgehen wird, steht in den Sternen. In jedem Fall macht das Gerangel zwischen Gewerkschaftsboss Manfred Schell und Bahnchef Hartmut Mehdorn deutlich, dass es schon längst nicht mehr nur um Gehaltserhöhungen geht.
In dem scheinbar winzigen Unterschied zwischen dem “eigenständigen” Tarifvertrag, den die Lokführer fordern, und dem “eigenen” Tarifvertrag, den das Unternehmen nun angeboten hat, steckt ein Konflikt von riesiger Dimension: Die GDL kämpft nicht nur gegen den Bahn-Vorstand, sondern auch gegen die konkurrierenden Gewerkschaften Transnet und GDBA. Es geht um Macht, letztlich um die Existenz der GDL. Und die Bahn stemmt sich verzweifelt gegen einen Trend, der schon lange nicht mehr zu leugnen ist: Spezialisten scheren immer öfter aus dem Tarifgefüge aus und nutzen ihre Stellung an den Schaltstellen der Betriebsabläufe, um für sich besondere Vergünstigungen zu erstreiten. Das war bei den Piloten so, bei den Fluglotsen und bei den Klinikärzten. Sie alle setzten ihre Forderungen letztlich durch – und dürften für die GDL als leuchtende Vorbilder gelten.
Mit seinen Forderungen hat Schell – jenseits persönlicher Ränkespiele und des existenziellen Machtkampfes – dennoch jedes Maß verloren. Ein Gehaltsaufschlag von 31 Prozent ist ein Vielfaches von dem, was selbst die großzügigsten Tarifabschlüsse in diesem Jahr gebracht haben. Die GDL scheint dabei zu vergessen, dass es in Deutschland längst Branchen gibt, in denen es seit Jahren keine Einkommenserhöhungen und zum Teil auch keine Tarifverträge mehr gibt.
Auch das geforderte Einstiegsgehalt von 2500 Euro ist völlig überzogen. So viel verdienen Bauingenieure oder Architekten im ersten Berufsjahr – und die haben dafür jahrelang ihr Fach studiert. Sicherlich haben Lokführer eine große Verantwortung. Aber die haben Berufskraftfahrer auch. Und die verdienen als Einsteiger 1500 Euro.
Vor allem aber ist die Abkehr der Lokführer von der Tarifeinheit ein höchst zweifelhaftes Vorgehen. Natürlich sollte eine Gewerkschaft die Interessen ihrer Mitglieder vertreten. Doch sie sollte auch den Betriebsfrieden im Auge haben. Ohne Lokführer fährt kein Zug, das stimmt wohl. Aber ohne Schaffner, Stellwerker oder Wartungspersonal auch nicht. Diese Berufsgruppen will die GDL links liegen lassen, sie stößt sie mit ihren Forderungen sogar vor den Kopf. “Jeder muss sehen, wo er bleibt”, scheint Schells Devise zu sein. Wenn ausgerechnet eine Gewerkschaft derart unsolidarisch agiert, ist das erschreckend.
Durchgelesen: Gabriel García Márquez – “Dieselbe Geschichte, nur anders”
| Autor | Gabriel García Márquez |
| Titel | Dieselbe Geschichte, nur anders |
| Verlag | Kiwi |
| Erscheinungsjahr | 1995 |
| Bewertung | *** |
Dass sich in Bibliotheken, Verlagen und auf Buchmesse ein paar irre Gestalten tummeln, ist sicher keine Neuigkeit. Aber wie besonders der sogenannte Literaturbetrieb wirklich ist, macht dieses kleine Büchlein wunderbar deutlich. Denn dies ist ein Buch über Bücher. Mehr noch: Ein Buch über ein Buch, das verschwunden schien.
Es geht um folgendes: Als er noch kein Nobelpreisträger war, sondern nur ein kleiner Vertreter, kam dem Fließbandleser Gabriel García Márquez eine Kriminalgeschichte in die Finger, in der ein Mann fünf Tage lang durch Paris gejagt wird. Erst später merkte er, wie sehr sie ihn beeindruckt hatte. Doch da wusste er schon nicht mehr, wie sie hieß und wie der Autor war.
Erst 44 Jahre später fand er sie wieder. Als er sie endlich in den Händen hatte und, wie er selbst sagt, noch im Stehen las, merkte er allerdings, dass sie ganz anders war als er sie im Gedächtnis hatte. Sein “Dieselbe Geschichte nur anders” erzählt von der Suche nach dem verloren Buch.
Es ist eine nette Anekdote zu verpassten Chancen und den Streichen, die das Unterbewusstsein und unser eigener Wille zur Wahrnehmung der Realität spielen. Und damit der Leser auch wirklich bescheid weiß, gibt es die Geschichte danach auch noch. “Der Mann auf der Straße” von Georges Simenon ist ein wunderbares Beispiel für dessen knappen, konzisen, ultrakompakten Stil.
An eine Geschichte von Apollinaire, die im selben Sammelband war wie die von ihm jahrelang gesuchte Erzählung, konnte sich García Márquez auch noch erinnern. “Der Matrose von Amsterdam” ist deshalb auch dabei. Und durchaus geistesverwandt mit Simenons Streich.
Beste Stelle: “Ein Beweis mehr, wie das Leben den Kern einer Geschichte und unsere Art zu lieben verändern kann, nur um die mitfühlende Leichtigkeit des Gedächtnisses Lügen zu strafen und zu korrigieren.”
Durchgelesen: Richard Ford – “Die Lage des Landes”
| Autor | Richard Ford |
| Titel | Die Lage des Landes |
| Verlag | Berlin Verlag |
| Erscheinungsjahr | 2006 |
| Bewertung | **** |
Ausgerechnet als Immobilienmakler arbeitet Frank Bascombe. Richard Ford deshalb seherische Fähigkeiten zu unterstellen, führte sicherlich zu weit. Aber dass seine bekannteste, erfolgreichste und bedeutendste Figur nach Tätigkeiten als Schriftsteller, Lehrer und Journalist seine berufliches Zuhause just in jenem Geschäft gefunden hat, dessen Krise noch immer die gesamte US-Konjunktur und Weltwirtschaft gefährdet, spricht durchaus für die Feinfühligkeit des Autors. Zum Abschluss seiner Bascombe-Trilogie gelingt es dem Pulitzer-Preisträger wieder, den Finger in die Wunde der Zeit zu legen.
Man muss die anderen beiden Teile nicht kennen, um in diesem Buch einen großen Roman zu erkennen. Für Insider streut Ford zwar ein paar Zuckerl, die aufregende Krankenschwester Vicky aus dem “Sportreporter” und der Baseballunfall aus “Unabhängigkeitstag” spielen eine kleine Rolle, und wie in diesen beiden Werken steht auch hier wieder ein Feiertag bevor. Nach Ostern und dem 4. Juli ist es diesmal Thanksgiving.
Doch “Die Lage des Landes” funktioniert auch ohne dieses Vorwissen, und das ist vor allem Frank Bascombe zu verdanken. Mit diesem Protagonisten hat Ford eine grandiose Projektionsfläche für die Wirren der Postmoderne geschaffen. Dennoch ist Bascombe bei weitem nicht nur ein Spiegel für uns alle, sondern ein eigenständiger, unverwechselbarer Charakter. Er ist zugleich leidenschaftlicher Pragmatiker und ein getriebener Moralist, ein Doppelagent im Krieg zwischen Empirie und Philosophie.
Bei dem Mann, der eigentlich in den sprichwörtlichen besten Jahren stecken sollte, hat man gerade Prostata-Krebs diagnostiziert, fast zeitgleich hat ihn seine zweite Ehefrau verlassen, dessen für tot geglaubter Ex-Mann wieder aufgetaucht ist. Beinahe noch beunruhigender als diese privaten Tragödien ist das große Ganze, die “Lage des Landes” eben.
Der Roman, dessen erzählte Zeit erneut so kurz ist, dass man sich am Ende darüber wundert, spielt im Herbst 2000. Nicht nur das ominöse Millennium drückt der Szenerie ihren Stempel auf, sondern vor allem die damals auf Messers Schneide stehende US-Präsidentenwahl.
Die Frage, was man selbst leisten und entscheiden kann und welche Folgen das haben wird, treibt auch den 55-Jährigen noch um – privat wie politisch. Auf beiden Ebenen geht es um den Konflikt zwischen Wachstum und Konsolidierung, zwischen Gier und Bescheidenheit, zwischen Egoismus und dem Drang, sich aufzuopfern. Wie Ford dabei mit ganz viel Mitgefühl für seine Protagonisten und scharfem Humor die persönliche mit der globalen Ebene verknüpft, ist meisterlich.
Beste Stelle: “Meine letzte Träne, nach so vielen und bei noch viel mehr unvergossenen, ist eine der Erleichterung. Das Leben annehmen zu können macht einen frei für das Nächste, was ansteht. Aber wer weiß schon, ob es nicht auch so prima funktioniert hätte – mit den vertrauten alten Ablehnungen und Verleugnungen, die ihre ehrenwerten Aufgaben erfüllen. Vor Jahren wusste ich schon, dass Trauer lange währt. Aber so lange? Leicht zu argumentieren, dass man manche Dinge lieber ruhen lässt, weil die Permanenz, die echte Permanenz, nicht die weichen Schmeicheleien der Phase, die ich erfunden habe, einem eine Scheißangst einjagen kann, denn sie reißt einen aus dem alten, sicheren Zusammenhang heraus.”
Durchgelesen: William S. Burroughs – “Junkie”
| Autor | William S. Burroughs |
| Titel | Junkie |
| Verlag | Zweitausendeins |
| Erscheinungsjahr | 1953 |
| Bewertung | ***1/2 |
Dieser Erfahrungsbericht eines Drogenabhängigen ist eigentlich kein Roman, sondern ein Sachbuch. Oder aber: ein “Höllenbuch”, wie es “Der Spiegel” genannt hat. Manchmal auch: eine Gebrauchsanweisung für alle, die nach Stoff suchen, die von ihrer Sucht wegkommen wollen, die Drogen brauchen, aber kein Geld dafür haben.
Es gibt hier reichlich Tipps für den richtigen Gebrauch, für die besten Verstecke, die wirkungsvollsten Rezepturen und den effektivsten Entzug; und es ist die unzweifelhafte Authentizität, mit der Burroughs (zunächst unter dem Synonym Wiliam Lee) von all diesen Ungeheuerlichkeiten berichtet, die “Junkie” so eindringlich macht und das Buch – gemeinsam mit dem hier durchaus vorhandenen Humor und Sarkasmus – davor bewahrt, die Szene, die Drogen oder den Rausch zu mystifizieren.
Die Abwesenheit eines Plots und die prinzipielle Gesichtslosigkeit der Charaktere (selbst die Frau des Erzählers bleibt eigentlich bloß ein Werkzeug, so weit entfernt, dass man bei der Lektüre mitunter sogar vergessen kann, dass es sie überhaupt gibt, und dann überrascht ist, wenn sie wieder auftaucht – oder vielmehr: noch da ist) ist die zwangsläufige Form dafür, denn dieses Buch kennt nur eine Hauptfigur: die Droge. “Junk nimmt einem alles und gibt einem dafür nichts weiter als die vorläufige Garantie, dass man von den Qualen des Entzugs verschont bleibt”, erkennt der Erzähler gegen Ende, in einem Moment seltener Klarheit.
Es ist neben dem Faktenreichtum aus erster Hand, dem nichts beschönigenden Einblick in die Subkultur der Süchtigen, diese Selbstreflexion, dieses Erklären, das “Junkie” wirklich wertvoll macht. Wenn Burroughs versucht, die Motivation für den Fix zu erklären, das Irrationale, dessen Destruktivität ihm völlig bewusst ist, ergeht er sich zwar gelegentlich in pseudo-wissenschaftlichen Gedankenspielen voller kruder Biologie (im Vorwort ist die Sucht für ihn ein “Leiden des Nervensystems, des Fleisches, der Eingeweide und der Zellen”).
Dafür erklärt er die Psychologie der Sucht umso klarer, ihre Motivation, oder vielmehr: das Gegenteil davon: “Man greift zur Droge und wird süchtig, weil man nichts hat, was einen motiviert, etwas anderes zu tun.”
Beste Stelle: “Es kann sein, dass regelmäßiger Genuss von Gras den Geist angreift; es kann aber auch sein, dass Kiffer von Natur aus blöde sind.”
Der Hugh Grant unter den Stadtflitzern
Fast könnte man es für einen Druckfehler halten. Denn Trevis, der Kleinwagen von Daihatsu, hat mit Travis, der Band aus Schottland, so viel gemeinsam, dass die kleine orthographische Abweichung wie ein Versehen erscheinen muss. Beide orientieren sich ganz klar an Vorbildern aus den Sixties, beide sind auf Anhieb extrem sympathisch, beide suchen nicht den ganz großen Auftritt. Und beide sind, wie man hört, bei Mädchen sehr beliebt.
Daihatsu trifft mit dem Trevis voll ins Schwarze: Die Hauptmärkte Europas im Kleinwagensegment sind zwischen 2005 und Anfang 2007 um 35 Prozent gewachsen – in Zeiten von stagnierenden oder gar schrumpfenden Absatzzahlen ist das Balsam für die Seele der Hersteller. Den nach wie vor aktuellen Retro-Trend hat die Toyota-Tochter optimal umgesetzt: Der Trevis ist knuffig und sportlich, aber auch edel und klassisch genug, um etwa bei den Schwiegereltern in spe vorfahren zu können. Der halbrunde Kühlergrill und die Kulleraugen-Scheinwerfer geben ihm einen enorm freundlichen Charakter.
Doch der Trevis ist kein debiler Grinse-Peter: Viel Chrom und eine elegante Linienführung verleihen ihm auch eine beeindruckende Klasse, die an britische Vorbilder denken lässt. Stets lächend, aber mit Stil: Der Trevis ist der Hugh Grant unter den Kleinwagen.
Somit dürfte ihm auch die Klimadebatte kaum graue Haare oder gar Sorgenfalten machen. Daihatsus Kleinster darf sich mit einem CO2-Ausstoß von 114 Gramm pro Kilometer hier als Musterknabe fühlen. Bei bedächtigem Gasfuß knackt er noch nicht einmal die 5-Liter-Marke, insgesamt kann sich im Test ein Verbrauch von 5,6 Litern sehr gut sehen lassen.
Dazu trägt auch eine Motorentechnik bei, die nach wie vor etwas exotisch anmutet, auch wenn Daihatsu schon in den 1970er Jahren mit dem Charade damit Erfolge feiern (und einige Nachahmer finden) konnte: Im Trevis arbeitet ein Dreizylindermotor als Viertakter. Der ist naturgemäß nicht nur kleiner und leichter als ein Vierzylinder-Aggregat, sondern zeigt auch bei Leistungsausbeute und Verbrauch seine Stärken.
Dazu hat der Motor eine knackige Charakteristik: Schon bei Standgas bringt er den Wagen leicht zum Wackeln. Und einmal in Bewegung gebracht, fühlen sich die 58 PS aus einem Liter Hubraum erstaunlich kraftvoll an. Spätestens auf der Autobahn merkt man allerdings, dass man damit auch keine Bäume ausreißen kann. Bei 160 Stundenkilometern ist Schluss, und wenn es länger bergauf geht, ist der Wagen selbst mit wiederholtem Herunterschalten nicht im dreistelligen Tempobereich zu halten.
Wenn es mitunter ein bisschen länger dauert, hat Daihatsu zumindest dafür gesorgt, dass man sich dabei wohlfühlt. Der Innenraum ist bequem und praktisch, Klimaanlage und CD-Player sind im Preis von 11.290 Euro bereits enthalten. Funktionalität und Gestaltung der Instrumente sind vorbildlich, das Dreispeichenlenkrad ist ein echter Hingucker.
Vor allem aber überrascht der Trevis mit einem angesichts der überschaubaren Außenmaße (der Wagen ist nur 3,40 Meter lang und 1,50 Meter hoch) erstaunlichen Platzangebot. Das gilt selbst noch im Fond und für den Kofferraum, der immerhin 167 Liter, bei umgeklappten Rücksitzlehnen sogar 420 Liter fasst.
Allerdings gibt es hier auch ein paar Kritikpunkte. Wer lieber CDs als Radio hört, muss ziemlich lange auf das Abspielen warten. Die Schaltung agiert gelegentlich, vor allem in Kurven, etwas ungenau. Und die Plastikarmaturen vor dem Beifahrersitz wirken weder besonders geschmackvoll noch allzu stabil. Allerdings sind sie praktisch: Dahinter verbergen sich nützliche Fächer. Dort kann man etwa seine Travis-CDs deponieren. Oder die Schmink-Utensilien. Falls man plötzlich den echten Hugh Grant trifft.
Hingehört: Sugababes – “Change”
| Künstler | Sugababes |
| Album | Change |
| Label | Universal |
| Erscheinungsjahr | 2007 |
| Bewertung | ***1/2 |
Oops, sie tun es schon wieder. Schon als die bezaubernde Heidi vor fünf Jahren bei Angels With Dirty Faces die bezaubernde Siobhán ersetzte, hatte man befürchtet, dass dieser Wechsel die Magie der Sugababes zerstören würde. Schließlich war das nicht irgendeine Girlgroup, sondern etwas ganz Besonderes: keine allzu knappen Röckchen, kein Gezappel auf der Bühne, kein Grinsen für die Teenie-Presse. Doch die Umbesetzung hinterließ damals kaum Spuren.
Auf dem fünften Album Change ist nun erstmals Amelle an die Stelle von Mutya getreten. Und auch diesmal hat das dem Sugababes-Zauber nicht den geringsten Kratzer verpasst.
Das liegt natürlich auch daran, dass das Trio längst kein Gesamtkunstwerk mehr ist und auch keine Gang mit dem Anspruch, die Welt des Girlpop auf den Kopf zu stellen. Die Sugababes sind zu einem Warenzeichen geworden, zu einem bloßen Vehikel für Songs. Aber was für Songs das sind!
Schon der grandiose Auftakt About You Now kann sich mit allem messen, was jemals in diesem Genre geschaffen wurde. Der Beat von Outkasts Hey Ya! wird hier grell geschminkt und mit ein paar geschmackvollen Accessoires ausgestattet, der Text könnte aus irgendeinem Ronettes-Klassiker stammen.
Die Strophe von Denial ist so kraftstrotzend und funky, dass man die Arctic Monkeys am Werke glaubt, der Refrain ist dafür zumindest ein paar Semester an die Abba-Uni gegangen. Der Disco-Feger My Love Is Pink besticht durch seine ungemeine Ungeduld. Open The Door geht auf höchst elegante Weise in die Beine. Das von Dr. Luke (Kelis, Pink) produzierte Undignified ist so heiter, dass es Leben retten (oder zumindest Wunden heilen) kann. Back When ist etwas seicht, aber wunderhübsch. Und der Titelsong schafft es beinahe, dass Genre der Power-Ballade wiederzubeleben.
Mit Change zeigen die Sugababes nicht nur, dass man sich weiter auf sie verlassen kann, wenn es um zeitgemäßen, aktuellen Pop geht. Obwohl sie längst mehr Hits haben als beispielsweise Bananarama oder die Spice Girls, obwohl sie mehr gute Alben vorgelegt haben als etwa Destiny’s Child oder die Bangles, sind sie auch immer noch voller Ehrgeiz.
Womöglich liegt das sogar an den Umbesetzungen: Schon Heidi wollte zeigen, dass sie nicht der Sargnagel für die Band ist, sondern ihr zu einem neuen Höhenflug verhelfen kann. Es wäre Amelle zu wünschen, dass sie das ebenfalls schaffen kann. Und allen Freunden feinster Popmusik sowieso.
Ich habe es doch geahnt: Die Wucht der Arctic Monkeys zeigen die Sugababes auch bei den NME-Awards mit I Bet You Look Good On The Dancefloor:
Von Griechenland bis Grevenbroich
Als der Schweizer Schiedsrichter Carlo Bertolini vor fast genau fünf Jahren das Spiel gegen Israel abpfiff, war es geschafft: Die deutsche U-19-Nationalmannschaft hatte die nächste Runde der EM-Qualifikation erreicht. Mit drei Siegen aus drei Spielen und nur einem Gegentor. Auf den Fußballplätzen in Fulda, Hünfeld und Bad Hersfeld tummelten sich in der Elf von Horst Hrubesch Anfang Oktober 2002 Milchgesichter und Riesentalente. Fünf Jahre danach wollte ich wissen, was aus ihnen geworden ist.
So viel vorab: Die meisten sind heute Fußballprofis, einige sind ganz groß rausgekommen – aber der eine oder andere ist auch in der Versenkung verschwunden.
Die prominentesten Namen bedürfen keiner besonderen Erklärung. Bastian Schweinsteiger (schon damals bei Bayern München) und David Odonkor (schon damals mit atemberaubenden Sprints auf dem rechten Flügel) avancierten zu zwei der Helden des WM-Sommermärchens im vergangenen Jahr. Auch Christian Lell, Michael Rensing oder Piotr Trochowski haben sich mittlerweile in der Bundesliga etabliert.
Eine Klasse tiefer trifft das auf Patrick Milchraum zu, der für Alemannia Aachen kickt und auf bisher 72 Einsätze in der Zweiten Liga kommt. Auch der Mainzer Christian Demirtas ist längst eine feste Größe im deutschen Profigeschäft.
Doch es gibt auch Namen, die längst nicht jedem Fußballfan etwas sagen. Erdal Kilicaslan zum Beispiel. Der Stürmer wurde vor fünf Jahren Torschützenkönig des Mini-Turniers und war Kapitän der deutschen Mannschaft. Acht Treffer gelangen dem gebürtigen Münchner, der damals in der Jugend des FC Bayern spielte, in den Partien gegen San Marino, Aserbaidschan und Israel. Inzwischen ist er bei Gaziantepspor in der türkischen Süperlig aktiv. “Ich hatte bei Bayern den Eindruck, dass Trainer Hermann Gerland nicht mehr auf mich gebaut hat. Und dann wollte ich gerne die Chance nutzen, in der ersten Liga zu spielen”, erklärt er die Gründe für seinen Wechsel vor drei Jahren.
In der ersten Saison bei Gaziantespor wurde er noch zu einem Zweitligisten ausgeliehen, wo er in 17 Spielen neun Tore machte. In der vergangenen Spielzeit kam er auf zwei Treffer in 18 Erstliga-Einsätzen. In der laufenden Runde hat er bisher zwar alle Spiele bestritten, ein Treffer ist ihm allerdings noch nicht gelungen. “Aber die Tore kommen schon noch”, verspricht er. Die nächsten Karriere-Schritte hat Kilicaslan schon fest geplant: “Ich möchte irgendwann zu einem der großen Clubs in Istanbul wechseln. Von dort kann ich dann auch in die Bundesliga”, erklärt er. Dort könnte es dann ein Wiedersehen mit den alten Kameraden geben: “Lahm, Lell, Ottl und Rensing zählen zu meinen engsten Freunden. Wir telefonieren oft und sehen uns auch, wenn ich in München bin”, erzählt der 23-Jährige.
Neben dem Kapitän der damaligen Elf hat es noch andere ins Ausland gezogen: Stefan Hoffmann wechselte von der mittlerweile nur noch viertklassigen Reserve von Borussia Mönchengladbach nach Griechenland. Dort ist der Erstliga-Absteiger Aigaleo Athen sein neuer Verein. Eren Sen verließ den Schweizer Erstligisten FC Thun, für den der Stürmer drei Tore erzielt hatte. Der Deutsch-Türke schnürt nun für Konyaspor die Fußballschuhe, muss dort nach einem schwachen Start aber wohl um den Klassenerhalt in der Süperlig bangen.
Richtig rund läuft es derzeit für Alexander Ludwig. Der Ex-Herthaner, der vier Bundesligaspiele für den Hauptstadtclub bestritt, kam vor der Saison von Dynamo Dresden zum Zweitliga-Neuling St. Pauli und spielt dort bisher ganz stark. Ein Tor und zwei Assists stehen für den Mittelfeldmann bereits zu Buche. Er erinnert sich an die Elf von damals als “ein starkes Team”. Ob die damalige Mannschaft die heutige U 19 geschlagen hätte? “Auf jeden Fall! Aber in der U 19 heute spielen auch super Jungs. Die werden sicher ihren Weg gehen”, sagt Ludwig.
Wem er von den einstigen Mitspielern eine steilere Karriere zugetraut hätte? “Eigentlich nur mir selbst (lacht)! Das war schon ein hochtalentierter Jahrgang damals, und fast alle haben sich irgendwie durchgesetzt.”
Für einige von ihnen lief es allerdings nicht so rund wie erwartet. Stefan Jarosch war damals beispielsweise Stammspieler in der deutschen Abwehr. Ein Jahr später wurde er mit den A-Junioren des VfB Stuttgart Deutscher Meister. Momentan ist der gebürtige Böblinger beim Drittligisten Regensburg unter Vertrag – dort aber Stammspieler. Auch Abwehrkollege Sven Schaffrath (Rot-Weiß Ahlen) kickt derzeit nur drittklassig, ist aber ebenfalls eine feste Größe bei seinem Club. Das gilt auch für David Müller (Oberhausen). Mittelfeldmann Christian Streit kommt hingegen für Union Berlin in dieser Saison erst auf 72 Minuten Einsatzzeit. Noch eine Klasse tiefer ist Andreas Spann im Einsatz. Der Stürmer ist mittlerweile in der Oberliga Württemberg beim 1. FC Heidenheim tätig.
Beinahe völlig in der Versenkung verschwunden ist Michele Fasanelli. In allen drei U-19-Spielen kam der damalige Gladbacher zum Einsatz. Mittlerweile läuft er für den TuS Grevenbroich auf – in der Landesliga Niederrhein. Seine ehemaligen Teamkollegen sieht er jetzt nur noch im Fernsehen.
“Eigentlich habe ich zu keinem mehr Kontakt”, erzählt er. Vor fünf Jahren war er noch der zweitbeste Torschütze in der EM-Qualifikation. “Das war eine super Zeit und eine tolle Truppe”, erinnert er sich. Doch 2003 warf ihn ein Kreuzbandriss aus der Bahn. Bei Mönchengladbach fand er danach keinen Anschluss mehr, so dass er zum Oberligisten Solingen wechselte. Mittlerweile ist er in Grevenbroich, das aktuell auf Platz acht in der Landesliga rangiert. “Mehr geht im Moment nicht, weil ich beruflich so stark eingespannt bin. Im November steht die Abschlussprüfung als Bankkaufmann an”, erzählt er.
Die schwere Verletzung habe ihm klar gemacht, dass er ein zweites Standbein braucht. Deshalb steht der Fußball momentan erst einmal nur an zweiter Stelle. Doch irgendwann will er noch einmal höherklassig spielen. “Bundesliga wird für mich sicherlich schwer. Die Regionalliga ist aber auf jeden Fall noch möglich”, umschreibt der Stürmer seine Ziele. “Ein bisschen komisch” fühle es sich schon an, die alten Kollegen nun in der Champions-League und bei der WM zu sehen, sagt er. Aber Fasanelli hofft auf bessere Zeiten. “Ich bin ja erst 23! Und Fußball ist nun einmal ein Tagesgeschäft”, sagt er.
Das muss er auch erkennen, wenn im Spiel oder Training in Grevenbroich mal etwas misslingt: “Einige stänkern dann schon und fragen: Der soll mal Nationalspieler gewesen sein? Aber es gibt auch genug Tage, an denen ich das unter Beweis stellen kann.”
Immerhin hat es ihn nicht so schlimm erwischt wie Torwart Markus Grünberger: Wegen chronischer Knieprobleme musste er seine Karriere inzwischen beenden.







