Durchgelesen: Helge Schneider – “Eiersalat”
| Autor | Helga Maria Schneider |
| Titel | Eiersalat – Eine Frau geht seinen Weg |
| Verlag | KiWi |
| Erscheinungsjahr | 1999 |
| Bewertung | *** |
Nach etwas mehr als der Hälfte dieser gerade einmal 120 Seiten ist es so weit: Man ist genervt. Man denkt sich: Dieser Helge Schneider kann sich ja viel erlauben. Schließlich haben wir ihm viel zu verdanken, beispielsweise den intelligentesten Klamauk und einen ganz neuen Blick auf Humor in Deutschland. Aber damit will man ihn dann doch nicht durchkommen lassen: Ein Buch aus der Sicht einer Männerhasserin.
Das Problem ist keineswegs, dass hier Helga statt Helge schreibt. Das Problem ist eher, dass sich die Pointe, Sprache und Gestus der Emanzipationsbewegung durch Überzeichnung aufs Korn zu nehmen, recht schnell abnutzt. Und dass man die gelegentlichen Gewalt-Exzesse bereits aus den Kommissar-Schneider-Romanen kennt, und zwar besser. Deshalb ist die Lektüre von “Eiersalat” lange Zeit unbefriedigend.
Doch dann passiert etwas. Die Handlung, wenn man davon reden kann (eine Frau hasst Männer, schmeißt ihren Gatten raus, und begibt sich dann auf Weltreise), nimmt nicht einmal eine Wendung. Aber die Ereignisse überschlagen sich plötzlich zu einem derart absurden Knäuel, dass es an Schneiders beste Momente erinnert. Das, und einige gelungene Gags, versöhnen dann doch. Beim nächsten Mal aber bitte wieder Kommissar Schneider!
Hingehört: Glasvegas – “Glasvegas”
| Künstler | Glasvegas |
| Album | Glasvegas |
| Label | Sony BMG |
| Erscheinungsjahr | 2009 |
| Bewertung | **** |
Diese Kombination ist natürlich höchst seltsam. Glasgow + Las Vegas? Was soll das ergeben? Franz Ferdinand in den lächerlichen Outfits der Killers? Eine Hafenstadt in der Wüste? Eine glamouröse Arbeiterklasse? Die Antwort ist: Eine tolle Platte, eine große Band. Glasvegas.
Frontmann James Allan ist ganz begeistert von seiner Wortschöpfung. Der Name seiner Band sei «stolz und geradeheraus», sagt der Ex-Fußballprofi und Ex-Arbeitslose aus Glasgow. Und nach den knapp 42 Minuten des Debütalbums muss man ihm zustimmen. Seine Band schafft es tatsächlich, so schillernd und dekadent zu klingen wie das Spielerparadies in Nevada und zugleich so waidwund und leidenschaftlich wie die dunkelsten Ecken der schottischen Seele. Dieses Debütalbum rechtfertigt alle Vorschusslorbeeren. Glasvegas sind eine Band, an die man glauben kann.
Die komplette Rezension gibt es bei news.de.
Mehr Gefühl geht nicht, wenn man früher mal Fußballprofi war: Eine geniale Version des grandiosen It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry:
Durchgelesen: Nick Hornby – “My Favourite Year”
| Herausgeber | Nick Hornby |
| Titel | My Favourite Year |
| Verlag | Bombus |
| Erscheinungsjahr | 1993 |
| Bewertung | **** |
Wenn man nicht gerade Jesus ist, dann kann man Blinde nicht sehend machen. Fast genauso schwer ist es, Fußball-Abstinenzlern die Faszination dieses Spiels in all seinen Facetten klar zu machen. Doch dieses Buch kommt nahe heran.
“My Favourite Year”, herausgegeben vom Popliteratur-Papst und Arsenal-Afficionado Nick Hornby, sammelt die ganz persönlichen Betrachtungen und Erinnerungen von elf Autoren. Von elf Vereinen. Aus elf verschiedenen Jahren. Jeder blickt auf eine Saison zurück, auf die Spielzeit, die seine liebste war.
Wer echte Fußballfans kennt, weiß natürlich, dass es hier mehr Trauer und Tränen als Tore und Triumphe gibt. Denn natürlich offenbart sich die wahre Leidenschaft, die ganze kulturelle und soziale Tiefe in der Verbindung zwischen Fan und Verein, erst, wenn es ans Eingemachte geht.
Die Geschichten von Adoleszenz und Abstiegskampf, von Verehrung und Verklärung (wie in Olly Wickens “Größenwahn”, dem besten Beitrag hier) sind so bewegend, humorvoll und voller Überraschungen wie ein echtes Fußballspiel. Und das ist unbedingt als Kompliment gemeint.



