Der Soundtrack zum Slutwalk


Ein bisschen Flashmob, ein bisschen Loveparade: Das ist dann wohl die neue Protestkultur.

Ein bisschen Flashmob, ein bisschen Loveparade: Das ist dann wohl die neue Protestkultur.

Ganz viel Riot Girl gab es gestern zur musikalischen Untermalung beim ersten Slutwalk in Leipzig. Dazu ein bisschen Madonna und, jawohl, die Gypsy Kings. Da musste man schon fest an die gute Sache glauben, um das auszuhalten.

Deshalb hier: 20 Lieder, die den ultimativen Soundtrack zum Slutwalk hätten liefern können. Entweder, weil sie tatsächlich mit der Thematik zu tun haben, oder weil sie plakative Namen haben oder weil sie in diesem Kontext lustig sind.

1. Time Is Not A Remedy – Slut

Man beachte den Bandnamen. Und: Der Titel kann natürlich auch so interpretiert werden, dass die Zeit nicht alle Wunden heilt, erst recht nicht die von sexueller Gewalt. Oder dass man nicht warten sollte, bis sich irgendwann im Laufe der Zeit von selbst etwas ändert, sondern aktiv werden.

2. Date Rape – Sublime

Von den Party-Ska-Königen erwartet man nicht unbedingt Tiefgründiges. Aber mit diesem Song über einen Kerl, der anbandeln mit vergewaltigen verwechselt, beweisen sie das Gegenteil.

3. Me And A Gun – Tori Amos

Mit diesem Song dreht Tori Amos den Spieß um. Ein Opfer, ein Racheakt, eine Flucht. Ein Schicksal in 225 Sekunden.

4. Skinny Little Bitch – Hole

Courtney Love und Band müssen natürlich dabei sein. Und diese Single aus der Feder von Billy Corgan kann man gleich noch als Protest gegen Figurterror betrachten, zu dem Frauen gezwungen werden, um männlichen Idealen zu entsprechen.

5. The Chalet Lines – Belle And Sebastian

Natürlich klingt auch dieses Lied wunderhübsch, schließlich ist es von Belle & Sebastian. Aber gerade dieses Klanggewand und die verletzliche Beiläufigkeit des Gesang in diesem Song über eine Vergewaltigung ist ebenso herzzerreißend wie erschütternd.

6. Bitte küss mich nicht – Tic Tac Toe

Auch mit diesem Song beweisen Tic, Tac und Toe wieder: Sie waren die wahre Speerspitze des deutschen Feminismus. „Und warum – nur für den Kick, für den Augenblick?“ – schon das war ein Aufschrei der Empörung, für Nachhaltigkeit und Umdenken. Eine dreiköpfige Alice Schwarzer, die weibliche Solidarität stets vorbildlich vorgelebt hat und das Wort „Zickenkrieg“ nicht einmal buchstabieren kann.

7. Wonder Why They Call You Bitch – Tupac

Na klar: Auch angebliche Gangsta Rapper sind im Geiste ganz auf der Seite der Slutwalker. Und Tupac weiß, dieser Song ist der Beweis: Diskriminierung fängt bei der Sprache an.

8. Hands Clean – Alanis Morissette

Sexueller Missbrauch ist nicht gerade ein Thema für die Charts. Alanis Morissette hat diese Single vor knapp zehn Jahren trotzdem in die deutschen Top20 gebracht. Hut ab.

9. Bitches Ain’t Shit – Ben Folds

Ein Monster-Song – und eine sehr charmante Art, den Machismo im Rap durch den Kakao zu ziehen. So etwas dürfte auch beim Slutwalk bestens ankommen, zumal der Songtitel problemlos auch auf den Transparenten Sinn machen würde.

10. Sisters Are Doing It For Themselves – Eurythmics

Immer eine naheliegende Wahl, wenn Frauen die Dinge selbst in die Hand nehmen. Und noch immer mit reichlich Hymnen-Potenzial.

11. Bitch – Meredith Brooks

Schlampe und stolz darauf – diese Botschaft gibt es hier zumindest für den flüchtigen Hörer.

12. Just A Girl – No Doubt

Auch als Riot Girl kann man es in die Klatschmagazine schaffen. Gwen Stefani ist der lebende Beweis – wenn das kein Grund ist, ihr kokettes Hoheliedchen auf die Weiblichkeit noch einmal aus vollem Halse zu trällern, dann weiß ich auch nicht.

13. Mädchen – Lucilectric

Und die deutsche Entsprechung gleich hinterher. Übrigens: Nach dem Ende von Lucilectric hat Sängerin Luci van Org mit einem Projekt namens „Übermutter“ das Genre FeMetal erfunden. Noch Fragen?

14. Polly – Nirvana

Neben allem, was mit Medizin zu tun hatte, war Vergewaltigung offensichtlich eines der weiteren Lieblingsthemen von Kurt Cobain. Mit diesem Song zeigt er, wie schockierend es sein kann, wenn der Erzähler (ähnlich wie Falco in Jeanny) die Perspektive des Täters einnimmt. Ein paar Blödis haben natürlich nicht kapiert, dass damit keineswegs sexuelle Gewalt glorifiziert werden soll.

15. Hard To Be A Girl – Adam Green

Auch Adam Green ist für eine kleine Provokation immer zu haben. Bei diesem Songtitel muss man sich dann aber doch fragen, ob er weiß, wovon er spricht. Aber womöglich geht es in dem Lied ohnehin eher um Eier und Würstchen.

16. Ain’t That A Bitch – Aerosmith

Auch Steven Tyler zählt natürlich seit eh und je zu den Vorreitern im Kampf für Gleichberechtigung und die Rechte der Frauen. Man denke nur an Janie’s Got A Gun. Hier schafft er es ganz subtil, Rollenklischees und leichtfertige Herabwürdigung zu entlarven: die klitzekleine Pause, die er macht, bevor er das Wort „Bitch“ ausspricht, ist zweifelsohne genau zu diesem Zweck gedacht.

17. Wir schlampen rum – Die Fabulösen Thekenschlampen

Das ist natürlich kaum mehr zu toppen im Hinblick auf Slutwalk-Tauglichkeit. Es handelt sich dabei um eine Schlampenversion von The Wanderer. Mangels eines Videos gibt es hier nochmal den legendären Hit der Thekenschlampen.

18. You Curse At Girls – Fountains Of Wayne

Die gute Kinderstube lehrt: Man flucht nicht. Man beleidigt nicht – schon gar keine Mädchen. Das würde wohl jeder beim Slutwalk unterschreiben – und die großartigen Fountains Of Wayne können ein Lied davon singen (mangels eine Videos gibt es hier aber leider nur einen anderen ihrer Kracher).

19. Luka – Suzanne Vega

Suzanne Vega hat es mit diesem Klassiker sogar geschafft, bis auf Platz 3 in den US-Charts zu kommen. Nicht schlecht für ein Lied, das sehr schlau häusliche Gewalt gegen Frauen thematisiert.

20. Some Girls Are Bigger Than Others – The Smiths

Legt euch besser nicht mit uns an – das ist die einzig denkbare Interpretation dieses Songs. Außerdem wichtig: Wer größer ist, kann die Transparente beim Slutwalk leichter in die Höhe halten.

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