Agent Blå – „Morning Thoughts“


Künstler Agent Blå

Agent Bla Morning Thoughts Albumcover

Momente des Übergangs prägen „Morning Thoughts“.

Album Morning Thoughts
Label Through Love Records
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Colors Of The Dark heißt das dritte Lied auf dieser Platte. Es wäre auch ein guter Titel für das zweite Album von Agent Blå gewesen, ja sogar für die Musik dieses schwedischen Quintetts insgesamt. Emelie Alato (Gesang), Felix Skörvald (Gitarre), Josefine Täck (Bass), Lucas Gustavsson (Gitarre) und Arvid Christensen (Schlagzeug) sind schließlich auch hier wieder 28 Minuten lang damit beschäftigt, all die Möglichkeiten und Facetten des Düsteren auszuloten. Im besagten Song tun sie das mit Smiths-Gitarre, Cure-Bass und einem Schlagzeug mit viel Feuer und Tempo. Das Endergebnis klingt wie eine gechillte Variante von The Duke Spirit oder aber so, wie sie ihr eigenes Metier am liebsten nennen: „Death Pop“.

Ein Kennzeichen, das sich in diesem Track zeigt, prägt das mit Produzent Kalle von Hall aufgenommene Morning Thoughts auch insgesamt: Nach einem Album und zwei EPs haben Agent Blå immer noch nicht gemerkt, dass sie den falschen Drummer haben. Immer wieder scheint Arvid Christensen etwas ganz anderes im Sinn zu haben als der Rest der Band. Das gilt schon in Lust, das die Platte nach einem kurzen Intro eröffnet: Das Schlagzeug ist extrem hektisch, während Gitarre und Gesang eher auf eine getragene Atmosphäre aus sind. In der Single Something Borrowed deuten die Drums in Richtung Punk oder Metal, der Rest der Instrumente will aber lieber Shoegaze oder Dreampop spielen.

Natürlich soll das keineswegs ein Aufruf sein, den Schlagzeuger zu feuern, denn genau aus diesem Widerstreit erwächst ein großer Teil der Dynamik und des Reizes von Agent Blå. You’ll Get It When You’re Older zeigt das mit seiner brodelnden Atmosphäre, die zum Gefühl passt, sich mit so einer Aussage nicht abspeisen lassen zu wollen. Cambion setzt Klavier und Orgel als wichtige Klangtupfer für dieses Album ein und zeigt viel Feuer vor allem in den instrumentalen Passagen.

Die Single Child‘s Play ist der beste Moment auf Morning Thoughts und blickt auf eine zerbrochene Liebesbeziehung zurück. „Der Song handelt davon, sich einzugestehen, dass man diesmal wirklich selbst schuld war. Und das ist okay“, erklärt die Band dazu. In der Tat verfügt er nicht nur über einen klasse Refrain, sondern scheint tatsächlich genau dem Moment zwischen Bedauern und dem Entschluss, dieses zu überwinden, zu entspringen. Auch Boys, bei aller Ernsthaftigkeit das einzige Lied, das man tatsächlich als Ballade bezeichnen muss, scheint es so einen Übergang zu thematisieren, denn hier wird Wehmut zu Schwermut.

Mit Defenestration schließen Agent Blå ihr zweites Album sehr gekonnt ab und zeigen zudem: Die gerade angekündigte Rückkehr von Shakespeare’s Sister wirkt sofort weniger notwendig, denn morbide Sounds und düstere Texte, die mit heller Stimme in verführerische Melodien gepackt werden – all das gibt es auch hier, und zwar reichlich.

Das offizielle Audio-Video zu Child’s Play.

Agent Blå bei Facebook.

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