Bill Fay – „Countless Branches“


Künstler Bill Fay

Bill Fay Countless Branches Review Kritik

Bill Fay konzentriert sich auf „Countless Branches“ auf Gesang und Klavier.

Album Countless Branches
Label Dead Oceans
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Bill Fay ist Jahrgang 1943. Die statistische Lebenserwartung für seine Alterskohorte im Vereinigten Königreich beträgt 64 Jahre. Statistisch betrachtet, sollte er also schon seit 13 Jahren tot sein. Das mag ein unsentimentaler Einstieg für die Betrachtung des heute erscheinenden Countless Branches sein, führt aber sowohl zum zentralen Thema als auch zum besonderen Reiz dieses Albums.

Schon die Songtitel zeigen das: Love Will Remain preist die Liebe als das einzig Wichtige und Bleibende. One Life beschließt das Album, den Schwur namens I Will Remain Here scheint der Künstler zu sich selbst zu sprechen. How Long, How Long enthält die Grußformel „Hello, dear break of day“, und daraus spricht auch das Wissen, dass die Anzahl dieser vermeintlich alltäglichen Begrüßungen nun einmal begrenzt ist. Im Titelsong Countless Branches findet man diese Zeile erneut, diesmal wird noch sichtbarer, dass es beim Willkommen eines neuen Tages stets auch dem Ende zugehen kann.

Zu diesem Charakter passt die Ästhetik von Countless Branches. Die von Joshua Henry produzierte Platte wurde weitestgehend live aufgenommen, auf den Geräten, auf denen schon vor mehr als 50 Jahren die ersten Platten von Bill Fay entstanden sind. Im Vordergrund stehen sein Gesang und sein Klavierspiel, nur selten (etwa in Filled With Wonder Again) gesellt sich die akustische Gitarre von Matt Deighton hinzu, gelegentlich auch ein Cello oder andere Streicher wie in Your Little Face, in dem man ausnahmsweise auch Schlagzeug und sogar eine dezente E-Gitarre hören kann.

„Vieles wirkt tastend und auf der Suche, als wären dem Sänger die Melodien und Akkorde eben erst eingefallen; doch klingt gerade daraus eine Sicherheit und Intimität, die beim Hören direkt an das Herz greift“, hat Die Zeit die Wirkung dieser Arrangements sehr treffend zusammengefasst. Es gibt fast nichts, was vom Kern der Songs ablenkt, wie beispielsweise Salt Of The Earth zeigt mit seiner Wertschätzung des Ursprünglichen und der Sehnsucht danach. Die Single In Human Hands verweist darauf, wie schädlich der menschliche Einfluss auf die Umwelt sein kann, Time’s Going Somewhere hat erneut die Vergänglichkeit als Thema – und kaum ein Arrangement und kaum eine Stimme würden besser zu einer Reflexion darüber passen.

Die Platte zeigt, dass Bill Fay sein Alter nicht als Verdienst ansieht, aber eben als einen Aspekt seines Lebens, der sich beim Blick auf die Welt nicht ignorieren lässt. Gerade deshalb richtet sich dieser Blick aber nicht auf den Tod, sondern auf das Bleibende, Zeitlose und Universelle. Die Natur gehört ebenso dazu wie die Folge der Generationen innerhalb einer Familie (für beides sind die Countless Branches natürlich ein passendes Bild). Wie auf dem meisterhaften Life Is People und vielen seiner früheren Werke gilt natürlich auch hier: Zu dem, was bleiben wird, gehören auch die Lieder von Bill Fay.

Das Video zu Salt Of The Earth zeigt schön die reduzierte Ästhetik des Albums.

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