Damien Jurado – „The Horizon Just Laughed“


Künstler Damien Jurado

Damien Jurado The Horizon Just Laughed Kritik Rezension

Auf „The Horizon Just Laughed“ hat Damien Jurado erstmals selbst produziert.

Album The Horizon Just Laughed
Label Secretly Canadian
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Fangen wir mit einem Zitat an. „Thomas Wolfe was right / he said: you can’t go home again“, singt Damien Jurado im hoch eleganten Dear Thomas Wolfe, dem dritten Song seines am Freitag erscheinenden neuen Albums. Er scheint den Autor dabei in Liedform bestätigen zu wollen, denn The Horizon Just Laughed klingt wie eine Reise durch die USA, manchmal – wie in 1973, das von einer tragischen Liebe erzählt, deren Erfüllung daran scheitert, dass er nicht genug Geld hat – sogar wie eine Reise durch die Zeit. Trotzdem kann man hier einen Singer-Songwriter hören, der zumindest künstlerisch eindeutig angekommen ist.

Nach der Maraqopa-Trilogie hat Damien Jurado in puncto Eigenständigkeit und Intimität noch einmal draufgelegt und die Platte, die im Sonikwire Studio in Irvine/Kalifornien aufgenommen wurde, erstmals selbst produziert. Die Bandbreite seines Sounds reicht von akustischen Skizzen wie Cindy Lee über Latin-angehauchte Stücke wie Marvin Kaplan und reduzierte Songs wie Lou-Jean bis hin zur coolen Variante von Countryrock (also eher CCR als Eagles), die man in Florence-Jean hören kann.

Dass Damien Jurado nach mehr als 20 Jahren als Musiker längst auch im Studio ein Profi ist, zeigt beispielsweise die spannende Atmosphäre, die er in Random Fearless kreiert, oder der Trick, mit dem er den Backgroundgesang in der Single Over Rainbows And Rainier so geheimnisvoll wirken lässt: Diese verführerische Frauenstimme ist ganz leise im Mix platziert, knapp über der Wahrnehmungsgrenze.

Es gibt natürlich bei einem Künstlers mit einer so langen Karriere und beim 17. Album wenig, das noch überraschend ist. Aber die Stilsicherheit, mit der Damien Jurado etwa im Album-Auftakt Allocate die klangliche Wärme und Komplexität eines seiner Vorbilder nachempfindet, ist dennoch beachtlich: Die Stimme ist darin leicht heiser und mit einer ordentlichen Dosis Hall versehen, die Streicher klingen wunderhübsch, die akustische Gitarre wird ordnungsgemäß geschrammelt, die Rhythmussektion versucht gar nicht erst, ihre Vorliebe für Jazz zu verbergen – viel mehr nach Nick Drake kann man nicht klingen, ohne Nick Drake zu sein.

Percy Faith ist eine von etlichen (realen und fiktiven) Personen, denen er bei seinen Gedankenspaziergängen und tatsächlichen Reisen begegnet, die Erkenntnisse, die er dabei gewonnen hat, sind in diesem Song durchaus typisch für The Horizon Just Laughed: Es geht um kaputte Zeiten, in denen es vielleicht noch ein bisschen schwerer geworden ist, einen Halt in der Welt zu finden, als es immer schon war. Der größte Moment der Platte ist einer in Over Rainbows And Rainier: „I forgot I was human“, hat Damien Jurado da gerade gesungen, und plötzlich verstummt die – kurz zuvor noch mit Streichern angereicherte – Musik fast vollständig, scheint ihr Gleichgewicht, ihre Struktur und ihre Zuversicht zu verlieren und vielleicht nie mehr zurückzufinden. Dann geht es doch weiter, der Song berappelt sich, und man ist trotzdem erschüttert von so viel Intensität und Ehrlichkeit durch ein so ungewöhnliches Mittel.

Wegen solcher Einfälle kann diese Kritik auch gut mit einem Zitat enden: „What good is living / if you can’t write your ending / you’re always in doubt / of the truths you’re defending“, sing Damien Jurado in The Last Great Washington State. Über ein gutes Ende für sein eigenes Werk muss er sich angesichts der Kreativität und Meisterschaft auf The Horizon Just Laughed keine Sorgen machen – wann immer dieses Ende eintreten mag.

Auch im Video zu Over Rainbows And Rainier geht es auf Reisen.

Website von Damien Jurado.

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