Draufgeschaut: Falsche Entscheidung


Film Falsche Entscheidung

Szene aus dem Film "Falsche Entscheidung"

Carsten (Jesper Christensen) will Pil (Beate Bille) vor dem Gefängnis bewahren.

Originaltitel Drabet
Produktionsland Dänemark
Jahr 2005
Spielzeit 103 Minuten
Regie Per Fly
Hauptdarsteller Jesper Christensen, Pernilla August, Beate Bille, Charlotte Fich
Bewertung

Worum geht’s?

Carsten ist Sozialkundelehrer an einer Schule in Kopenhagen und versucht, seine Schüler und die anderen Menschen in seiner Umgebung immer wieder auf das Unrecht in der Welt hinzuweisen. Dann wird sein Gewissen allerdings auf die Probe gestellt: Seine Geliebte Pil, eine ehemalige Schülerin, hat bei einer Protestaktion in einer Waffenfabrik absichtlich einen Polizisten überfahren. Gemeinsam mit ihren beiden Komplizen kommt sie vor Gericht, doch alle drei schweigen zum Tathergang, um die Chance auf einen Freispruch zu wahren. Außer ihnen weiß nur Carsten, wer bei der Aktion am Steuer saß und den Polizisten getötet hat – mit der Verantwortung, die das mit sich bringt, ringt er ebenso sehr wie Pil. Um sie vor dem Gefängnis zu bewahren, riskiert er seine Karriere und seine Ehe.

Das sagt shitesite:

Etwas ist faul im Staate Dänemark – dieser These ging Regisseur Peter Fly in einer Trilogie nach, deren Abschluss Falsche Entscheidung bildet. Nach der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie betrachtet er diesmal die Welt der Intellektuellen und zeichnet das Bild eines Mannes, der zu Beginn des Films noch meint, ein festgefügtes, moralisch überlegenes Weltbild zu haben, und am Ende vor der Trümmern seiner Liebesbeziehungen, seiner beruflichen Laufbahn und seiner Überzeugungen steht.

Carsten ist ein Gutmensch, der zwar seit einem Jahr seine Frau mit einer ehemaligen Schülerin betrügt, aber fest davon überzeugt ist, stets das Richtige zu tun. Er will anders sein als der Durchschnitt, anders als die Ignoranten, anders als seine Eltern – und er ist stolz auf dieses Anderssein. Die Protestaktion von Pil und ihren Freunden stellt ihn dann vor die Frage, ob er nur ein Maulheld ist oder für seine Ideale so weit gehen würde wie diese Aktivisten, deren Protestaktion ein Menschenleben gefordert hat.

Mit sehr guten Schauspielern (und einigen überflüssigen Zeitsprüngen) zeigt Falsche Entscheidung, wie schmal der Grat zwischen Widerstand oder Terror sein kann, und wie unmöglich es ist, Unrecht durch ein anderes Unrecht vergelten, lindern oder wettmachen zu wollen. Als Gegenpol zu Pil – der Frau, die er liebt und deren Überzeugungen er teilt – taucht bald Lisbeth auf, die Frau des getöteten Polizisten. Sie fordert Gerechtigkeit und verlangt, dass jemand für den Tod ihres Mannes zur Verantwortung gezogen wird, doch Carsten, Pil und ihre Mittäter stellen ihre politischen Ziele über dieses Verlangen.

Jesper Christensen glänzt in Falsche Entscheidung in der Rolle eines Mannes, der will immer das Gute tun will und dadurch alles noch schlimmer macht – für Pil, für Lisbeth und für sich selbst. Auf seine Weise ist er dabei der viel größere Fanatiker als die studentischen Aktivisten: Seine linke Ideologie ist ihm wichtiger als die Menschen, deren Leben sie doch eigentlich verbessern soll. Das sorgt für einen Film, der spannend ist und zugleich die nachdenklich machende Botschaft vermittelt: Überzeugungen sind nicht besonders hilfreich, wenn man sich derart in sie verrennt, dass man am Ende mit nichts anderem mehr dasteht als diesen Überzeugungen.

Bestes Zitat:

„Ich dachte, mein neues Leben wäre jetzt die Wahrheit. Aber alles, was ich getan habe, war, eine neue Lüge aufzubauen.“

Der Trailer zum Film.

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