Futter für die Ohren mit Zack de la Rocha, Abay, Eau Rouge, Jenny Hval und DAWA


Zack de la Rocha Album

Zack de la Rocha hat seine Wut auch ohne Band nicht verloren. Foto: Check Your Head

Die aus gutem Grund beliebte Serie „Futter für die Ohren“ erfährt ab heute eine Änderung: Bisher habe ich hier aktuelle Free Tracks präsentiert, also kostenlose Musik, die man sich legal im Netz herunterladen durfte. Da dieses Prinzip als Promotion-Vehikel aus der Mode kommt, werde ich auf die Sache mit dem Download künftig verzichten. Das heißt: Es werden einfach spannende neue Songs vorgestellt, die gerade das Licht der Welt erblickt haben – auch wenn es sie nur als Stream oder Video gibt.

Um den Übergang für alle Fans der Rubrik nicht ganz so schwer zu machen, gibt es aber auch noch zwei Gratis-MP3s. Die erste kommt von keinem Geringeren als Zack de la Rocha. Der einstige Sänger von Rage Against The Machine ist demnächst mit seinem ersten Soloalbum am Start. Wie es sich für einen bekennenden Kapitalismusgegner gehört, verschenkt er die erste Single Digging For Windows (***1/2) bei Soundcloud. „Fuck“, lautet das erste Wort, ansonsten ist der von El-P produzierte Track allerdings überraschend: Es gibt einen kaputten Techno-Beat und dazu einen bitterbösen Rap, den man sich fast von Eminem vorstellen könnte. Erst nach knapp zwei Minuten ist etwas auszumachen, das wie eine Gitarre (gespielt von Matt Sweeney) klingt, aber auch dann bleibt Digging For Windows näher an beispielsweise The Prodigy als an Audioslave. Das klingt, als hätte Zack de la Rocha seine Wut längst noch nicht verloren, aber Lust auf klangliche Experimente. Das Album, zu dem noch keine weiteren Details bekannt sind, dürfte spannend werden.

Viel, viel ruhiger geht es bei DAWA zu. Ende Oktober kommt ihr drittes Album mit dem seltsamen Titel (r) e a c h heraus, das wie der Vorgänger Psithurisma wieder in ihrer österreichischen Heimat aufgenommen, diesmal allerdings teilweise per Crowdfunding finanziert wurde. Als Vorgeschmack gibt es das Lied Child Of The Sun (***) zum kostenlosen Herunterladen bei Soundcloud. Das Zusammenspiel der Stimmen von John Michael Dawa und Barbara Wiesinger, ergänzt um die dezenten Klänge des Cellos von Laura Pudelek sorgt für eine schwebende, verträumte Atmosphäre, die sparsamen Trommelschläge von Oama Richson fügen die nötige Spannung hinzu. Das ist durchaus hübsch – und wer das gerne live erleben möchte, hat Anfang Dezember bei zwei Deutschland-Konzerten dazu die Gelegenheit.

Schon ab Ende September sind Eau Rouge aus Stuttgart auf Tour. Legt man ihre aktuellen Veröffentlichungen zugrunde, könnte das ziemlich sexy werden. Die Band hat gerade das Video zur Single Margery (***) veröffentlicht. Während die Musik ebenso wuchtigen wie gewitzten Elektrorock liefert, bieten die Bilder vor allem nackte Haut. Und Insekten. Die unzensierte Version gibt es bei Vimeo. Am 16. September erscheint das Debütalbum Nocturnal Rapture.

Im schönen Leipzig, im Rahmen einer „Off The Road Session“, hat Abay sein neustes Video aufgenommen. Dahinter steckt natürlich Ex-Blackmail Sänger Aydo Abay, der sich für seine neue Band (man darf nicht „Projekt“ sagen!) mit Juli-Gitarrist Jonas Pfetzing zusammengetan hat. Auf dem Debütalbum Everything’s Amazing And Nobody Is Happy hat das schon reizvolle Ergebnisse gebracht. Die Live-Performance von Different Beds (***1/2) ist ein Stück dreckiger als die Studioaufnahme und zeigt das Talent von Abay, Melancholie mit Hymnischem und Indie-Ethos zu verbinden. Fast noch besser ist allerdings die Anmoderation von Schauspieler Axel Thielmann. Am 13. September startet in Berlin die Tour, zwei Tage später sind Abay dann wieder in Leipzig zu Gast. Hingehen!

Blood Bitch heißt die Platte, die Jenny Hval am 30. September veröffentlichen wird. Mit Conceptual Romance gibt es nun schon das zweite Vorab-Video, Regisseurin Zia Anger, die schon lange mit der Norwegerin zusammenarbeitet, bezeichnet es als „eine konzeptionelle Ménage a trois zwischen Jenny, mir und billigen Tricks. Es ist buchstäblich ein Begräbnis der Bildnisse, die wir in den Videos und Performances der letzten drei Jahre kreiert haben.“ Der passende Song (***1/2) setzt auf eine sperrige Gesangsmelodie in der Strophe, die man sich von Kate Nash vorstellen könnte, und Enya-Säuseln im Refrain. Wer sich wundert, warum die Musik dazu auf so faszinierende Weise beunruhigend und mindestens so verstörend wie das explizite Video ist, wird von Jenny Hval liebend gerne über das Thema ihres Albums aufgeklärt: „Blood Bitch is an investigation of blood. Blood that is shed naturally. The white and red toilet roll chain which ties together the virgins, the whores, the mothers, the witches, the dreamers, and the lovers.”

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