Ghost – „Ceremony And Devotion“


Künstler Ghost

Ceremony And Devotion Ghost Kritik Rezension

„Ceremony And Devotion“ ist das erste Livealbum von Ghost.

Album Ceremony And Devotion
Label Spinefarm Records
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Wie der Teufel das Weihwasser, bei ihnen ist diese Formulierung wohl angemessen, meiden Ghost im Presseinfo zu ihrem am Freitag erscheinenden ersten Livealbum Ceremony And Devotion das Wort “Metal”. Das ist ein bisschen erstaunlich. Denn was die Band aus Linköping in Schweden auf den bisherigen drei Alben Opus Eponymous (2010), Infestissumam (2013), Meliora (2015) und nun auch auf dieser Platte bietet, ist so etwas wie die Quintessenz dieses Genres.

Gleich im Auftakt Square Hammer gibt es die typischen Peitschenhiebe auf die Trommel, die typischen Powerchords auf der Gitarre, das typische kokettieren mit Teufelskult. Auch andere Elemente, die zum Kanon von Metal gehören, finden sich hier reichlich, etwa die Nekromantik in Elizabeth, das Kannibalismus-Thema von Body And Blood oder der in reichlich Bombast verpackte Schmerz von Cirice.

Auch das Drumherum kennt man: Die Bandmitglieder sind namenlos und treten ausschließlich maskiert auf, der Sänger ist auf der Bühne mit Totenkopf-Maske und Mitra zu erleben, dazu kommen etliche umgedrehte Kreuze, ein bisschen Okkultismus und reichlich Totenreich-Klimbim. In Con Clavi Con Dio heißt das erste Wort „Lucifer“, natürlich mit einem ordnungsgemäß gerollten Rammstein-R. Das erstaunlich groovige Per Aspera Ad Inferi vereint Latein-Chöre und Stakkato-Gitarre. Ghuleh/Zombie Queen ist zunächst kein bisschen Metal, nicht einmal Rock, dann wandelt es sich von einem Pianostück zu einem Hardrockmusical.

Aufgenommen wurde Ceremony And Devotion mit Produzent Tom Dalgety im Sommer 2017 während der Popestar-Tour durch die USA. Natürlich versteht man, dass das Publikum dort eine Affinität zum Ausbruch aus Frömmigkeit und Leistungswahn hat. Man kann auch leicht herleiten, dass in Zeiten einer „Krise der Männlichkeit“ der vermeintlich knüppelharte Doom-Metal eine Renaissance erleben könnte. Das Problem dieses Livealbums ist aber doppelter Natur: Zum einen ist die Show von Ghost stark von visuellen Elementen geprägt, die hier fehlen – eine DVD wäre da die deutlich bessere Lösung gewesen. Zum anderen ist diese Musik nicht aufregend, schon gar nicht gefährlich, sondern abgeschmackt.

In Zeiten, in denen jedes Kind bei Facebook eine IS-Enthauptung mitverfolgen kann und in denen ein US-Präsident jegliche moralische Verpflichtung gegenüber irgendwem abstreitet, taugen ein bisschen Blut, Weihrauch und Satanskult einfach nicht mehr, um die Gesellschaft zu provozieren oder eine wirkungsvolle Verweigerungshaltung zu beziehen. Das haben Ghost offensichtlich noch nicht mitbekommen, entsprechend albern klingt Ceremony And Devotion in vielen Momenten.

From The Pinnacle To The Pit hat einen erstaunlich hohen Anteil an Plastik, Bubblegum und Kalkül, He Is erweist sich als extrem pathetische Ballade, Mummy Dust wird als besonders heavy angekündigt, was sich dann aber vor allem darin äußert, dass es Grunzen statt Gesang gibt. Ritual erweist sich selbst innerhalb der Grenzen dieses sehr konservativen Genres als rückständig. Falls sich jemand nach einer Schnittmenge zwischen Metallica und Meat Loaf gesehnt haben sollte, wird er in Absolution fündig. Year Zero ist, nicht nur wegen des Männerchors wie aus dem Inferno, nahe an einer Selbstpersiflage.

Hörbar versuchen Ghost, die bereits einen Grammy für die Best Metal Performance gewonnen haben und im Frühjahr ihr viertes Studioalbum vorlegen wollen, ein wenig Abwechslung in ihr Set zu bringen, etwa mit dem Instrumental Devil Church, der Harfe in Spoksonat, dem Taktwechsel in Secular Haze oder dem Einbinden der Fans, die im abschließenden Monstrance Clock das natürlich kein bisschen christlich gemeinte „Come together / together as one“ mitsingen dürfen. Trotzdem ist unverkennbar, selbst für einen Metal-Laien wie mich: An der Platte stört nicht, dass sie so hart oder unhart, so wirklich satanistisch oder bloß schlecht geschauspielert ist, sondern dass sie so langweilig ist.

Das Beste an Ceremony And Devotion sind bezeichnenderweiser die Ansagen, in zweierlei Hinsicht. Erstens ergeht sich der Sänger mit dem putzigen Pseudonym „Papa Emeritus“ immer wieder in Dank und Anfeuerung an die Fans in „Frisco“. Das ist allerdings kein Anbiedern, sondern Erstaunen darüber (und echte Dankbarkeit dafür), dass sie es so weit gebracht haben. Zweitens sorgt es für ziemlich skurrile Effekte. Ansagen wie „Do you like drinking blood here?“, „San Francisco, California, United States of America!“ und, am besten von allen, „Will you sing loud and clear a song to celebrate the female orgasm in the name of Satan?“ hört man dann doch nicht alle Tage.

Hier kommt wenigsten ein bisschen Optik dazu: Das Video zu Absolution.

Website von Ghost.

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