Goat – „Requiem“


Künstler Goat

Goat Requiem Review Kritik

Goat nennen „Requiem“ ihr „Folk-Album“.

Album Requiem
Label Rocket Recordings
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Ein Experiment: Wir nehmen Probanden, die noch nie etwas von Goat gehört haben. Sie wissen nicht, dass diese Band aus Schweden kommt, stets maskiert auftritt und schon zwei Alben namens World Music (2012) und Commune (2014) irgendwo zwischen Afrobeat, Psychedelic und (Stoner) Rock veröffentlicht hat. Wir lassen die Probanden an einer beliebigen Stelle dieses 63-minütigen Doppelalbums einsteigen und sie 30 Sekunden von Requiem hören. Danach fordern wir sie auf, ein Phantombild zu entwerfen: Wie sehen die Künstler aus, die diese Musik machen?

Man darf ziemlich sicher sein, dass dabei Bilder entstehen würden, die dem tatsächlichen Look von Goat sehr nahe kommen. Auf dem Promo-Foto zu dieser Platte stehen sechs Menschen im Wald, sie tragen Kaftane oder lange Kleider, durchweg in Erdfarben, manches sieht selbstgestrickt aus. Auf dem Albumcover gibt es dieselben Outfits, diesmal stehen Goat unter einem Felsen, zusätzlich haben sich ein paar Kinder um sie geschart. Das ist eine zentrale Stärke dieses Kollektivs und seines Konzepts: Die Optik verweist unmittelbar auf die Musik, letztlich dient auch das Bestehen des Kollektivs auf Anonymität dazu, sich voll und ganz ihrem Sound hinzugeben.

Es gibt etliche Momente auf Requiem, die tolle Beispiele dafür sind. Union Of Sun And Moon eröffnet die Platte zunächst acappella, dann setzen mit dem Schlagwerk viele Instrumente ein und das Lied klingt bald, als habe es im Mittelalter schon Hippies gegeben, die sich mit Panflöte, Rasseln, Trommeln und Dschingdarassabum austoben. Zu den wilden Temple Rhythms sieht man wallende Gewänder vor sich, zu Goatfuzz kann man wahrscheinlich wunderbar Orgien feiern, bei I Sing In Silence spielen sich die Beteiligten scheinbar in Trance.

Im Vergleich zu den beiden Vorgängern ist Requiem akustischer und reduzierter, Goat nennen es ihr „Folk-Album“. Man findet die Bestätigung dafür beispielsweise in Psychedelic Lover, das ruhig, getragen und fast abwesend daher kommt. Goodbye gleicht einer Meditation, aber keiner zum Wegdämmern, sondern zur sanften Bewegung – so klingt wahrscheinlich die Musik im Kopf von Jeff Lebowski. Dem würde sicher auch Alarms gefallen, das vom Zusammenspiel der Stimmen und einer großen Geistesverwandtschaft zu Jefferson Airplane lebt.

Natürlich können die Schweden auch hier nach wie vor energisch, sogar heavy sein. Das perkussive Element, das viele ihrer Songs prägt, kann zum Mantra werden, aber auch zu einer Rave-artigen Euphorie führen. In Trouble In The Streets ist zu Beginn eine Gitarre à la The Smiths der Star, dann der Gesang, am Ende eindeutig der Bass. It’s Not Me hat einen tollen Beat, das instrumentale Goatband arbeitet mit einem Fade-In und guten Groove. Try My Robe nutzt eine Mandoline als Basis und zeigt dann noch einmal, wie markant die Stimmen der beiden Haupt-Sängerinnen von Goat sind – nicht nur, weil sie so offensiv in die fast monotone Musik hereinplatzen.

All-Seeing Eye überrascht mit einer prominenten E-Gitarre, ist aber natürlich bei weitem kein normaler Rocksong. Auch dieses Lied klingt, als erfordere es fast zwingend ein Live-Erlebnis, ein Happening. Auch dieses Lied passt wunderbar zur Vorstellung einer Sekte, in der nicht der Einzelne (der hinter der Maske ohnehin nicht erkennbar ist), sondern die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht. Hoffen wir, dass diese Sekte nach dem Requiem nicht zur Selbstauslöschung neigt.

Der (auch recht mysteriöse) Trailer zum Album.

Goat haben natürlich keine Website, aber eine Blog.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.