Jake Bugg – „Shangri La“


Künstler Jake Bugg

Mehr Vielfalt, mehr Band-Sound: Jake Bugg entwickelt sich schnell weiter.

Mehr Vielfalt, mehr Band-Sound: Jake Bugg entwickelt sich schnell weiter.

Album Shangri La
Label Mercury
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Genau 13 Monate und 3 Tage liegen zwischen den Veröffentlichungsterminen von Jake Buggs Debütalbum und seiner neuen Scheibe Shangri La. In dieser Zeit schaffen es Klaxons gerade mal, ihre Smartphones zu finden, um die Bandkollegen wieder zusammenzutrommeln. Lady Gaga braucht wahrscheinlich so lange, um die ersten zwei Kostüme für ihr neues Video auszusuchen. Und Axl Rose, naja, reden wir nicht drüber.

„Ja, es ist nicht viel Zeit vergangen, aber Musik ist eben das, was ich mache, um allem anderen zu entfliehen“, sagt Jake Bugg. „Selbst als alles sehr verrückt wurde, nahm ich, wann immer ich Zeit hatte, meine Gitarre in die Hand. Außerdem bin ich sehr viel gereist, also hatte ich ohnehin eine Menge worüber ich schreiben musste.“ Das sind gute Argumente, doch der 19-Jährige aus Nottingham hat noch ein paar mehr Gründe zur Eile. Zum einen ist da der alte Spruch vom Eisen, das man schmieden soll, solange es heiß ist. Zum anderen sorgt ein schnelles zweites Album dafür, dass man noch ein bisschen vom Lorbeer des Debüts zehren kann, bevor dieser schon sichtbar welkt.

Und Lorbeer gab es reichlich: Jake Bugg ist der jüngste männliche Solo-Künstler mit einem Nummer-1-Debütalbum im UK, er hat seit dessen Erfolg mit den Rolling Stones gespielt, eine Brit-Award-Nominierung eingeheimst und datet mittlerweile Topmodel Cara Delevingne.

Man hört der neuen Platte an, wie gerne er diesen Status aufrecht erhalten will. Shangri La entstand in Malibu mit Produzentenlegende Rick Rubin, nach dessen Studio das Album auch benannt ist („Es fühlte sich richtig an, das Album nach Ricks‘ Studio zu betiteln, es kam mir dort vor, wie in einer Zeit fernab der Zivilisation“, sagt Jake Bugg). Es ist eine gute Platte geworden. Sie wird allen gefallen, die das Debüt von Jake Bugg gemocht haben, und sie enthält ein ordentliches Maß an Weiterentwicklung, wie man sie für ein zweites Album erwarten kann, zumal bei einem so jungen Künstler.

Jake Bugg beweist auch auf Shangri La viel Selbstbewusstsein, Charakter und Leidenschaft. Fast alles ist diesmal mit einer kompletten Band eingespielt, was die Klangpalette deutlich erweitert. Gelegentlich klingt Bugg noch immer wie die Wiedergeburt von Bob Dylan (wie im juvenil-energischen Auftakt There’s a Beast And We All Feed It oder dem countryfizierten Rausschmeißer Storm Passes Away), doch auch Westcoast-Entspanntheit (All Your Reasons), satter Bluesrock à la Aerosmith (Kingpin) oder sogar angejazzte Momente wie Kitchen Table stehen diesmal auf dem Programm.

Die wichtigste Bezugsgröße für Shangri La ist allerdings – erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Album in den USA aufgenommen wurde – Britpop. Das epische Simple Pleasures gegen Ende des Albums könnte man sich problemlos von The Verve vorstellen, A Song About Love lässt an die Last Shadow Puppets denken und die Single Slumville Sunrise hat das Feuer der frühen Arctic Monkeys.

Auch Oasis haben gelegentlich ihre Spuren hinterlassen, und Vergleich wie diese illustrieren das Problem von Shangri La: Der Überraschungseffekt, den Jake Bugg als Newcomer noch hatte, ist weg. Im vergangenen Jahr erschien es als ziemlich originelle Idee, eine Platte zu machen, die direkt aus dem Jahr 1963 zu kommen schien. Das Staunen darüber ist nun weg, die Songs von Jake Bugg müssen ohne diesen Effekt auskommen und sich inmitten von Referenzen behaupten, die weitaus geläufiger sind. Meist schaffen sie das, aber Einiges auf Shangri La wirkt deutlich gewöhnlicher, als man es nach dem Debüt erhoffen durfte.

In gewisser Weise tritt der 19-Jährige mit Shangri La zurück ins Glied, auch wenn er sich da noch immer in bester Gesellschaft befindet. Messed Up Kids beispielsweise würde auch Tom Petty zur Ehre gereichen, nicht nur wegen des Jangles, sondern vor allem wegen des tollen Refrains. Me And You, als vierter Track das erste weitgehend akustische Stück des Albums, verbreitet eine herrliche Melancholie im Stile von Donovan und Pine Trees, nur aus Gitarre und Gesang bestehend, ist schlicht wunderhübsch.

Auch What Doesn’t Kill You zählt zu den Höhepunkten: Gitarre und Schlagzeug strahlen da eine enorme Aggressivität aus, aber der Gesang lässt sich davon nicht anstecken, sondern thront auf seltsame Weise darüber, nicht zahm, aber souverän, als habe er schon alles gesehen. Passend dazu gibt es für die Zeile „What doesn’t kill you“ auch keine Forsetzung.

Die Texte sind ansonsten ein Problem auf dieser Platte, und vielleicht hat auch die Erkenntnis, dass er als Nummer-1-Künstler nicht mehr allzu lange über das Aufwachsen in einem Problembezirk von Nottingham singen kann, dazu beigetragen, dass Jake Bugg so schnell mit neuem Material aufwartet. Es gibt ein paar schiefe Bilder und etliche Plattitüden, das trübt den Gesamteindruck ein wenig.

Am grundsätzlichen Talent dieses Songwriters kommen mit diesem Album allerdings keine Fragen auf. Dass er „die Zukunft der Musik“ sei, wie Noel Gallagher vor nicht allzu langer Zeit über Jake Bugg gesagt hat, erscheint nun ein bisschen hoch gegriffen, dass er „bloß ein Typ, der Lieder schreibt“ ist, wie Jake Buggs bescheidene Selbstdarstellung lautet, ist zu tief gestapelt. Shangri La zeigt, dass die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen liegt.

Die USA will Jake Bugg nun wohl auch erobern. Conan hat er schon.

Homepage von Jake Bugg.

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