Hingehört: Mazzy Star – „Seasons Of Your Day“


Künstler Mazzy Star

Keine Hektik - das gilt bei "Seasons Of Your Day" gleich in mehrfacher Hinsicht.

Keine Hektik – das gilt bei „Seasons Of Your Day“ gleich in mehrfacher Hinsicht.

Album Seasons Of Your Day
Label Rhymes Of An Hour Records
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

17 verfickte Jahre. So viel Zeit haben sich Mazzy Star für ihr viertes Album gelassen. Zur Verdeutlichung: Die gesamte Karriere der Beatles passt zweimal in diese Zeitspanne. Doch, so viel vorab: Das Warten auf Seasons Of Your Day hat sich gelohnt.

Die Gründe für die lange Pause sind nicht allzu schwer zu finden. Nach She Hangs Brightly (1990), So Tonight That I Might See (1993) und zuletzt Among My Swan (1996) trennten sich Mazzy Star von ihrer Plattenfirma Capitol. Bald gab es mit Opal, Rain Parade, Dream Syndicate oder Hope Sandoval & The Warm Inventions reichlich Nebenprojekte, die Aufmerksamkeit erforderten. Und nicht zuletzt hatten Hope Sandoval und David Roback, die treibenden Kräfte der Band, nach dem Abschied von Capitol Records alles selbst in der Hand und sahen wohl schlicht keinen Anlass zur Hektik. Auf Seasons Of Your Day haben sie alles gemeinsam geschrieben und auch produziert, das Album erscheint bei ihrer eigenen Plattenfirma Rhymes Of An Hour Records.

Als „prime Mazzy Star” hat der Boston Globe die Platte gepriesen, “the work of a band that knows what it does well, and then does it beautifully”. Man kann das nur unterstreichen. California beispielsweise droht beinahe Feuer zu fangen vor lauter Intensität. Does Someone Have Your Baby Now hat einen fast okulten Charakter, so groß ist das dunkle Geheimnis darin. Der Titelsong beschwört nicht nur wegen des Cellos die wehmütigsten Momente von Nick Drake herauf.

Noch erstaunlicher als die schiere Schönheit dieser Platte und die Qualität der Songs ist aber, wie rund, einheitlich und in sich geschlossen Seasons Of Your Day klingt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Aufnahmen an unterschiedlichen Orten (zu den wichtigsten zählen Kalifornien, Norwegen und London) stattfanden und die ersten Sessions bis 1997 zurückreichen (manche der hier zu hörenden Musiker verlegen das Geburtsdatum einiger Lieder sogar noch weiter nach vorne) und sich bis 2012 erstreckten. So ist auch zu erklären, dass neben allen anderen Originalmitgliedern von Mazzy Star hier auch der 2001 gestorbene Geiger Will Glenn zu hören ist, ebenso wie Folk-Legende Bert Jansch. Auf Spoon liefert er sich ein packendes Gitarrenduell mit Roback. Es klingt, als würden sich diese beiden Instrumente nicht über den Weg trauen, als ob sie sich belauern, skeptisch beäugen und provozieren.

Auch in einigen der anderen Lieder neigen Sandoval und Roback dazu, die Gedanken und Sounds auf magische Weise schweifen zu lassen. In Sparrow gibt es ein Quasi-Cembalo, filigranes Picking und ein Tamburin, das man eigentlich nicht mehr „reduziert“ nennen kann, sondern „primitiv“ nennen muss. Common Burn ist, mit reichlich Wah-Wah-Effekt und Mundharmonika, in sich selbst versunken, Lay Myself Down wird ein Swamp-Blues, Flying Low kommt von allen hier vertretenen Liedern am nächsten an die Kategorie „Country“.

Am Anfang steht in In The Kingdom eine Orgel, bei der man glauben muss, sie käme aus dem traurigsten Eishockeystadion der Welt, bevor sich die prototypische Bottleneck-Gitarre von Roback und der sagenhaft schwebende, verlorene, weise Gesang von Sandoval dazugesellen. Auch I’ve Gotta Stop ist ein Höhepunkt, der mit altmodischen Mitteln nicht nach Vergangenheit klingt, sondern nach Ewigkeit. Das ist vielleicht das Erfolgsgeheimnis für Seasons Of Your Day: Auch wenn es 17 Jahre gedauert hat, diese Platte zu machen, klingt alles wie ein First Take.

Wo Sonne ist, muss auch Schatten sein, beweist das Video zu California.

Mazzy Star bei Facebook.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.