Hingehört: Mozes And The Firstborn – „Great Pile Of Nothing“


Künstler Mozes And The Firstborn

Mozes And The Firstborn Great Pile Of Nothing Kritik Rezension

Der Schlagzeuger von Mozes And The Firstborn hat das zweite Album der Band produziert.

Album Great Pile Of Nothing
Label Burger Records
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Es gibt einige Momente auf Great Pile Of Nothing, dem zweiten Album von Mozes And The Firstborn, in denen man sich fragt: Wer braucht das? War College-Rock nicht schon vor 20 Jahren ein ausgereiztes Genre?

Das gefällige It’s Over mit seiner netten Stimmung ist so ein Fall, auch Mayday könnte man anführen, das auf einen Mix aus Zerbrechlichkeit und Bedrohlichkeit setzt wie beispielsweise Jimmy Eat World, aber nicht deren Kraft und melodiöse Stärke hat. Der Stimmeffekt in All Will Fall To Waste kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Lied etwas dünn ist. In Power Ranger geben die vier Jungs, die seit 2010 als Mozes And The Firstborn zusammen spielen, die betrübten Außenseiter, Snowman lässt in seiner wundervollen Putzigkeit an Built To Spill denken. Auch etwas weniger coole Referenzen wie The Rembrandts oder die Gin Blossoms lassen sich anführen.

Mindestens drei Gründe für eine Daseinsberechtigung von Great Pile Of Nothing findet man bei genauerer Betrachtung aber doch. Erstens ist es noch nicht lange her, dass jemand ein Grunge-Revival ausgerufen hat, es gibt also eindeutig nach wie vor (oder wieder) ein Publikum für Jungs mit lauten Gitarren und zarten Gefühlen. Das Lemonheads-verwandte Land Of A 1000 Dreams passt da gut rein, mit einem schönen Refrain, in dem eine Fuzz-Gitarre auf eine wehmütige Melodie trifft. OC/DC könnte ein Zwilling von Weezers Undone (The Sweater Song) sein. Das richtig gute Till The Feeling’s Gone gewinnt seinen Charme aus einer Unbeholfenheit wie von Marcy Playground.

Zweitens sind Mozes And The Firstborn in gewisser Weise bloß Touristen in diesem Genre: Sie kommen aus den Niederlanden. Da darf man sich auch 20 Jahre später in eine Slacker-Welt nach Seattle oder Athens träumen. Wie stilecht sie einen Song wie Crybaby hinbekommen, dessen großer Sound zu Beginn nach Karneval und zum Schluss nach Abschlussball klingt, ist beeindruckend. Die Produktion von Schlagzeuger Raven Aartsen trägt ebenso dazu bei wie die Tatsache, dass hier bei aller Aneignung eines Genres, das von (räumlich und zeitlich) weit entfernten Vorbildern geprägt wurde, sehr echte und aktuelle Probleme besungen werden.

„Es ist ein ziemlich kontemplatives Album“, sagt Sänger Melle Dielesen über Great Pile Of Nothing und Lieder wie das niedlich-akustische Cruel Wide World oder der Titelsong, der seinen Druck gerade aus dem gebremsten Tempo bezieht, unterstreichen das. Der dritte Grund ist das unverkennbar unprätentiöse Selbstverständnis der Band: Es gibt praktische keine Tracks auf diesem Album (Crawl kommt noch am nächsten), die wirklich die Lust auf Ambition und Innovation erkennen lassen. Mozes And The Firstborn wollen das Rad nicht neu erfinden, aber dieses Genre um ein paar sehr gute Songs und diese Songs um ein paar sehr gute Ideen bereichern. Das ist bescheiden und unspektakulär, aber immerhin: Es klappt.

Abschlussball ist auch im Video zu Crawl die passende Umgebung.

Website von Mozes And The Firstborn.

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