Hingehört: Sheryl Crow – „Tuesday Night Music Club“ 1


Selten klang Feierabendrock so gut wie der „Tuesday Night Music Club“.

Künstler Sheryl Crow
Album Tuesday Night Music Club
Label A&M
Erscheinungsjahr 1993
Bewertung ****1/2

Abends nach der Arbeit trafen sie sich, packten die Instrumente aus, bildeten einen Kreis und spielten klassischen Folkrock. Ziemlich unaufregend, eigentlich. Dennoch erhielt Sheryl Crow als Nobody für ihr zwei Jahre altes Album mit der Feierabendband 1995 vier Grammies. Bob Dylan, Neil Young und Bruce Springsteen äußerten sich lobend über Künstlerin und Werk. Ziemlich besonders, eigentlich.

Natürlich spielte auch die Optik bei Erfolg und Anerkennung eine Rolle, wie sie es schon bei Bonnie Raitt oder Emmylou Harris getan hatte. Doch wie diesen beiden grand dames ist auch Sheryl Crow mehr als nur ein hübsches Gesicht mit einer markanten Stimme. Sie ist eine kompetente Musikerin, genaue Beobachterin, gute Songschreiberin. Dafür liefert sie hier elf Belege ab.

Gleich mal vier Hits vorneweg. Das dramatische Run, Baby, Run erhält durch die Orgel das richtige Volumen und durch das Schlagzeug die nötige Spannung. Leaving Las Vegas wird dank Percussions und funky Gitarre tanzbar. Die Telecaster malt eine Wüste, die Stimme reitet hindurch. Ein Song, so amerikanisch wie das Spielerparadies selbst.

Global verständlich ist hingegen das pittoreske Strong Enough. Ein Song, so zerbrechlich wie die Liebe selbst. Der Auftakt in B-Moll, dann eine Orgel. „Lie to me / I promise, I´ll believe / lie to me / but please don´t leave.“ Das Thema wird am Schluss im selbstvergessenen I Shall Believe noch einmal variiert. „Please say, honestly, you won´t give up on me / and I shall believe.“ Ein satter Bass und ein schwerer Rhythmus dominieren Can´t Cry Anymore. Grandiose Metrik, spitzfindige Lyrik.

Der Na-Na Song wird noch ein Stück zynischer. No One Said It Would Be Easy ist herrlich hoffnungslos. „Sometimes I wonder who he´s picturing / when he looks at me and smiles.“ Ebenso fein seziert sind What I Can Do For You, die ironische Abrechnung mit sexueller Belästigung durch einen Produzenten, und All I Wanna Do, ein weiteres Kapitel aus dem unerschöpflichen „Männer sind Schweine“-Buch. Die Musik dazu ist keinen Deut uncleverer. Lateinamerikanischer Rhythmus, Slide-Gitarre, sogar Jazz-Einflüsse.

Die werden dann im sich aufschwingenden We Do What We Can noch deutlicher. Sheryl Crows Papa, eigentlich Anwalt, nebenher Musiker, spielt darauf Trompete. Er kann stolz sein auf das Töchterchen.

Die entzückende Ballade Strong Enough bei MTV Unplugged:

Sheryl Crow bei MySpace.


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