The Long Winters – „When I Pretend To Fall“ 5


Künstler The Long Winters

Ätsch: Die Long Winters haben eine Frühlingsplatte gemacht.

Album When I Pretend To Fall
Label Munich Records
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung

Eine Band, die ein Lied Nora nennt, hat bei mir natürlich schonmal einen Stein im Brett. Wenn sie dann noch sehr viel Mühe und Fantasie in ein Seargant-Pepper– (also Monty-Python-)Booklet steckt, weiß sie, was wichtig ist. Wenn sie sich dann auch noch The Long Winters nennt, gewinnt sie damit noch ein paar mehr Sympathiepunkte. Denn im April merkt man ganz besonders, wie verdammt lang so ein beschissener Winter sein kann.

Allerdings ist When I Pretend To Fall in Wirklichkeit eine Frühlings- oder aber auch Herbstplatte. Denn was hier vorherrscht, ist die Erinnerung an den Sommer, die noch ganz frisch ist, oder schon etwas verblasst (also auch: verklärt), weshalb der neue Sommer bloß um so ungeduldiger erwartet wird. Allerdings ist das hier kein ausgelassener, verrückter, alles verbrennender Sommer. Ein bisschen gediegener geht es zu (REMs Peter Buck spielt auf einem Stück Mandoline). Statt Klippensprüngen oder Nacktbadeaktionen stehen eher Fahrradtouren oder Picknicks auf dem Programm.

So ist der Opener Blue Diamonds trotz des unbeirrbar voranmarschierenden Beats enorm entspannt und höchst anständig. Scared Straight ist etwas offensiver, drängt sich allerdings auch nicht auf. Alles bleibt hier dezent und charmant wie die Bläser und das Orgelsolo. Oder sogar ein bisschen schüchtern wie der Harmoniegesang von Shapes.

Der Hit kommt dann, heißt Cinnamon hat reichlich Schmackes, einen herrlichen Refrain und einen klasse Text, samt Sonnenbrand und Hochzeit in Venedig. Stupid ist so vertraut und angenehm wie eine Umarmung, Prom Night At Hater High wird mit Geigen und Squaredance-Zitaten sogar ein bisschen verwegen.

Danach läuft die Platte weiter. Besser gesagt: sie schlendert, sie spaziert, fast unbemerkt, ihrem Ziel entgegen. Und dieses Ziel ist Nora. Musikalisch fällt der Rausschmeißer mit mehr Klavier als Gitarren und kauziger Psychedelik ein bisschen heraus. Aber dieser Text! „Nora says I don’t love her the way she wants to be loved / Nora knows I love trouble but she wants stable trouble once.“ Und dann, das schönste Popsong-Bild seit langem: „She never says I love you ‚til I say I love you / like we’re exchanging hostages.“

Das lässt einen verwirrt, beeindruckt und doch besänftigt zurück. Eine entspannte, verlässliche und schöne Platte. Wenn der Sommer auch so wird, ist schon was erreicht.

Ein sehr süßes Hobby-Video zum grandiosen Cinnamon:

Die Long Winters bei MySpace.


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