Toy Horses – „Toy Horses“


Künstler Toy Horses

Klassisch und betörend: Toy Horses legen ein famoses Debüt vor.

Klassisch und betörend: Toy Horses legen ein famoses Debüt vor.

Album Toy Horses
Label Kanoon
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

Einiges an Toy Horses ist ziemlich seltsam. Da ist die nicht ganz unbedeutende Tatsache, dass die Band aus Sänger/Multiinstrumentalist Adam D. Franklin und Multiinstrumentalist Tom Williams besteht – seines Zeichens Stiefvater von Adam. Da ist die sagenumwobene elektrische Ukulele, die Toy Horses bei ihren ersten Auftritten in der walisischen Heimat auf der Bühne gerne zum Einsatz brachten. Und da ist schließlich die erstaunliche Geschichte, dass sie eine Hochgeschwindigkeitskarriere hingelegt haben, ohne irgendeine Spur von Ehrgeiz.

Adam und Tom haben eigentlich nur zum Spaß miteinander musiziert. Als sie ein paar Demos bei MySpace hochluden, ging alles ganz schnell: Ihre Lieder wurden (auf beiden Seiten des Atlantiks) im Radio gespielt, sie traten bei SXSW auf, Ken Coomer von Wilco brannte darauf, ihr Debütalbum zu produzieren. Und dieses Debüt, passenderweise Toy Horses betitelt, wurde prompt zum Album der Woche vom Daily Mirror ernannt, das Duo vom Guardian auf Platz 8 der heißesten Bands des Jahres 2011 gesetzt.

Wieso den beiden Walisern so schnell so viel Begeisterung entgegen schlägt, ist nicht schwer zu verstehen. Toy Horses bieten höchste Songwriter-Kunst: zeitlos, aber nicht angestaubt, massentauglich, aber nicht oberflächlich. Die Platte ist elegant, bewegend und höchst unterhaltsam. Kurzum: Viel besser kann ein Debüt nicht sein.

Play What You Want beginnt wie die besten Momente der Long Winters, schummelt dann eine kleine Ska-Passage ein und mündet in einem großen, ausgelassenen Piebald-Finale. And It Was You hat danach nicht nur die melodiöse Klasse von Crowded House, sondern von den Beatles (denen Crowded House ja immer auf den Fersen waren). Das Klavier hämmert, die Streicher jubilieren, am Ende ist auch hier alles ganz großes Kino, Adam D. Franklin verfällt in die Kopfstimme und hebt alles damit noch eine Etage weiter Richtung Himmel.

Damage Done ist so niedlich und perfekt wie The Shins, wenn sie in Hochform sind. Die akustische Ballade Last Chance ist perfekt geeignet, um Paul McCartney in den Schlaf zu wiegen. Loyal To The Cause hat ein amerikanisches Flair bekommen, das an die Gin Blossoms oder Counting Crows denken lässt – deren Drummer Jim Bogios saß auch bei den Aufnahmen für Toy Horses am Schlagzeug.

Ein weiterer Höhepunkt ist Love At An Arm’s Length, das dank eines leicht wehmütigen E-Pianos und der verträumten Stimme hoch romantisch wird. Kurz vor Schluss drückt No One’s Ever Gonna Leave You noch einmal aufs Gaspedal und zeigt, dass Toy Horses auch ganz klassischen Indierock im Stile der Kooks oder Arctic Monkeys beherrschen. Der Rausschmeißer Interrupt vermählt Ben Folds mit Coldplay und John Lennon, und das Ergebnis ist derart betörend, dass man derlei Polygamie sofort gutheißen muss.

Das alles ist so gelungen, und charmant, dass sich schlicht kein Grund erkennen lässt, warum die Toy Horses ihren Siegeszug nicht mit unverminderter Geschwindigkeit fortsetzen sollten. Die Welt sollte sich besser schon einmal an den Gedanken gewöhnen, bald regelmäßig mit elektrischen Ukulelen konfrontiert zu werden…

An den Special Effects müssen Toy Horses noch arbeiten. Aber wenn YouTube im Video zu Interrupt „The Welsh Lennon/McCartney“ einblendet, dann mag man kaum widersprechen:

Toy Horses bei MySpace.

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