Kat Frankie – „Bodies“


Künstler Kat Frankie

Kat Frankie Bodies Review Kritik

Auf „Bodies“ interpretiert Kat Frankie ihre Songs fast völlig ohne Instrumente.

EP Bodies
Label Grönland
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Die Stimme war stets das entscheidende Element in der Musik von Kat Frankie. Das galt schon, als sie noch recht regelmäßig mit Indie-Gitarren hantierte, es hatte auch auf dem vielschichten letzten Album Bad Behaviour im vergangenen Jahr Bestand. Wer einmal live erlebt hat, wie gekonnt sie mit Loops kleine Chöre erschafft und wie sehr sie es dabei genießt, mit ihrem eigenen Gesang zu experimentieren und das ganze Potenzial seiner Möglichkeiten auszuschöpfen, wird das erst recht unterschreiben können.

Mit der EP Bodies setzt die Künstlerin, die aus Sydney kommt und schon lange in Berlin lebt, dieses Prinzip jetzt in maximaler Konsequenz um. Es gibt einen neuen Song und drei Lieder von Bad Behaviour in neuen Arrangements, und all das wird von Kat Frankie fast komplett acappella dargeboten, mit sieben weiteren Sängerinnen als Unterstützung. Die einzigen Instrumente sind etwas Schlagwerk wie beispielsweise ein Cajon.

Der Titel hat zweierlei Bedeutung. Zum einen geht es in den Texten gelegentlich um Körperlichkeit, zum anderen kommt die Stimme nun einmal aus Stimmlippen, Kehlkopf, Mund-, Rachen- und Nasenhöhlen, also Teilen unseres Körpers. Bodies ist hier also auch im Sinne von Klangkörper und Resonanzraum gemeint. „Singen ist körperlich“, sagt Kat Frankie. „Wenn wir singen, bewegen sich unser Körper, vibrieren, wir harmonisieren mit anderen Leuten – und das ist auch ein sehr schönes Gefühl.“

Die Neukomposition How To Be Your Own Person eröffnet den Reigen und nimmt dabei sehr viel Anlauf, als seien sich die acht Sängerinnen selbst noch nicht ganz sicher, ob ihr Ansatz eine gute Idee ist. Dann entwickelt sich das Lied von leise zu kraftvoll, neben den Stimmen sind nur ein paar Handclaps zu hören. Nicht nur die Stimme von Kat Frankie (hier in der Nähe von Florence Welch) beeindruckt dabei, sondern auch, dass dieser Chor so sehr nach einer verschworenen Gemeinschaft klingt, fast nach einer Sekte.

Auch Versailles hat ein düsteres, uraltes Element. Es strahlt Direktheit aus, wirkt zugleich aber wie abwesend, in einer eigenen Welt. Das Lied zeigt in dieser neuen Version zudem noch deutlicher, warum die Australierin zu solch ungewöhnlichen Melodien in der Lage ist: Der Gesang steht bei ihr immer im Fokus und muss sich nie dem Rest des Lieds anpassen. Die Akkorde folgen den Gesangstönen, nicht umgekehrt. Headed For The Reaper bekommt eine Gospel-Komponente. Die Stimmung ist auf fast trotzige Weise heiter und selig, auch wenn es um die grausame Gewissheit geht, mit der der Schnitter sein Werk an uns allen tun wird. Der mehrstimmige Backgroundgesang ist dabei noch spektakulärer als die Lead-Stimme, mit der er sich ein Call-and-Response liefert. Bad Behaviour schließt die EP ab, der Gesang wird darin auch lautmalerisch eingesetzt, um Instrumente zu ersetzen, was in Kombination mit dem Händeklatschen beinahe R’n’B-Atmosphäre evoziert.

Dass trotz des fast vollständigen Verzichts auf Instrumente eine so große Vielfalt entsteht, dass trotz der Tatsache, dass drei der vier Lieder erst ein gutes Jahr alt sind, so viel Spannung geboten wird, ist eine der Stärken von Bodies. Auch die Klarheit, die durch die neuen Arrangements entsteht, und die unschuldige, unverfälschte Atmosphäre sind Pluspunkte. Noch beeindruckender ist die schiere Freude am Singen bei diesen acht Frauen – ein paar ihrer Mitstreiterinnen kennt Kat Frankie schon lange, ein paar hat sie bei Instagram gefunden. Gemeinsam erzeugen sie ein Wohlbefinden, das man der EP anmerkt und das tatsächlich ansteckend ist.

Wohlbefinden und Zusammenhalt sieht man auch dieser Version von Headed For The Reaper an.

Website von Kat Frankie.

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