Hingehört: Cursive – “I Am Gemini”

März 16, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Ein bisschen Mythologie, kein bisschen Hokuspokus: das ist "I Am Gemini".

Ein bisschen Mythologie, kein bisschen Hokuspokus: das ist "I Am Gemini".

Künstler Cursive
Album I Am Gemini
Label Saddle Creek
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung **1/2

Mathematik und Astrologie – kann das gut gehen? „Das Alphabet, mit dessen Hilfe Gott das Universum beschrieben hat“, pries Galileo Galilei die eine Wissenschaft. „Einen großartigen Beweis von der erbärmlichen Subjektivität der Menschen“, sah Arthur Schopenhauer in der anderen, weil sie “den Gang der großen Weltkörper auf das armselige Ich bezieht”.

Man muss angesichts dieser Symbiose also ein bisschen skeptisch sein, wenn man sich I Am Gemini nähert, dem siebten Album von Cursive. Die Band aus Omaha ist bekannt für ihren Post-Harcore-Sound – also harte Musik, die so durchkalkuliert, komplex und ambitioniert ist, dass ihr ein paar Schlaumeier das Etikett vom „Math-Rock“ angeklebt haben. Trotz dieser Kategorisierung im kühlen Reich der Naturwissenschaft verweisen sie auf I Am Gemini nicht nur im Albumtitel auf ein Sternzeichen. Sie erzählen auf dieser Platte auch die Geschichte der Zwillinge Cassius und Pollock, die bei der Geburt getrennt wurden, und sich nun unter ungünstigen Umständen wieder begegnen, was nicht nur ein bisschen an die Geschichte von Castor und Pollux aus der griechischen Mythologie erinnert.

Allerdings darf man auch ein gutes Stück Zutrauen in die 1995 gegründete Band haben. Schließlich haben Cursive schon im Jahr 2000 mit Domestica ein gelungenes (und gefeiertes) Konzeptalbum vorgelegt. Und sie beweisen auch auf I Am Gemini, dass sie nichts von ihrer Härte und ihrem Forscherdrang verloren haben.

Frontmann Tim Kasher hat die Texte diesmal alle nacheinander geschrieben, wie für ein Buch. Viele der Lieder, die im Sommer 2011 in Omaha aufgenommen wurden, gehen ineinander über, immer wieder greifen Cursive Motive noch einmal auf oder bauen kleine Verweise auf andere Songs des Albums ein.

This House Is Alive beschreibt den Ort des Wiedersehens von Cassius und Pollock und wird ein erstaunlich sachter Auftakt, bis nach zwei Minuten dann doch die Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren spürbar wird. The Sun And The Moon könnte ein Stück von Weezer sein, wenn Rivers Cuomo einmal die Hit-Schablone zur Seite legen würde. Drunken Birds ist einer von vielen Momenten, der an Piebald denken lässt. Twin Dragon/Hello Skeleton klingt, als habe jemand die Red Hot Chili Peppers mit den Spin Doctors gekreuzt.

In Wowowow kann Kasher beweisen, was für ein famoser Sänger er ist, das instrumentale, vom Klavier getragene This House A Lie ist ein cleverer Moment zum Durchatmen, danach klingt das feurige The Cat And The Mouse, als hätte jemand die Libertines in die Musikschule geschickt.

Songs wie Warmer Warmer, A Birthday Bash oder Double Dead (mit dem besten Refrain des Albums) wechseln nicht nur alle paar Takte das Tempo, sondern gleich komplett das Genre. Das hat seine Vor-, aber auch seine Nachteile: I Am Gemini ist niemals vorhersehbar, aber auch niemals eingängig. Ein bisschen ist das alles wie in der Mathematik (und womöglich auch der Astrologie): sehr beeindruckend, aber wenig mitreißend.

Cursive spielen The Cat And Mouse live und akustisch:

Cursive bei MySpace.

Draufgeschaut: The Transporter

März 16, 2012 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Lai (Shu Qi) bringt Frank Martin (Jason Statham) in tödliche Gefahr.

Lai (Shu Qi) bringt Frank Martin (Jason Statham) in tödliche Gefahr.

Film The Transporter
Produktionsland Frankreich/USA
Jahr 2002
Spielzeit 92 Minuten
Regie Louis Leterrier, Corey Yuen
Hauptdarsteller Jason Statham, Shu Qi, Matt Schulze, François Berléand
Bewertung ***

Worum geht’s?

Frank Martin ist ein ehemaliger Elitesoldat, der sich vorgeblich an der Südküste Frankreichs zur Ruhe gesetzt hat. Doch in Wirklichkeit hat er einen brisanten Nebenverdienst: Er übernimmt Kurierdienste für Kriminelle, ohne zu fragen und ohne seine Auftraggeber kennen zu wollen. Als er eine junge Chinesin in einem Sack transportieren soll und sie kurz aus dem Kofferraum lässt, bringt ihn das in mächtige Schwierigkeiten. Die Frau hängt fortan an ihm wie eine Klette, sein Auftraggeber ist hochgradig sauer, die Polizei ist ihm auf den Fersen – und bald stellt sich heraus, dass hinter all dem ein Ring von skrupellosen Menschenhändlern steckt.

Das sagt shitesite:

Die Handlung ist in The Transporter nur ein Feigenblatt, um spektakuläre Verfolgungsjagden und tolle Stunts zeigen zu können. Das ist in diesem Genre durchaus legitim, trotzdem hätte man sich mit dem Drehbuch (an dem Luc Besson mitgeschrieben hat, der hier seine schon bei Taxi, Taxi gezeigte PS-Vorliebe erneut ausleben darf) zumindest ein bisschen mehr Mühe geben können: Die Liebesgeschichte ist völlig unglaubwürdig (und überflüssig), der Sprung vom kleinen Missgeschick zur großen Verschwörung entbehrt jeder Logik und auch die Sprüche von Hauptdarsteller Jason Statham, der in The Transporter ansonsten einen astreinen Helden in bester Stirb langsam-Manier abgibt, sind nicht allzu originell.

Dafür gibt es aber tolle Kampfszenen, in denen sich Hollywood und Kung-Fu-Filme treffen. Und vor allem immer wieder Stunts, die ungemein kreativ sind und mitunter sogar zu einem Augenzwinkern fähig. Das macht The Transporter zu gehobener Action-Kost, zumindest für alle, die ein wenig Benzin im Blut haben.

Bestes Zitat:

“Es gibt viele Leute, die ein Problem mit den Deutschen haben. Sie wären zu aggressiv, würden im Sommer immer die schönsten Strände belagern, könnten nicht richtig kochen. Also ich finde: Jemand, der so tolle Autos baut, kann nicht ganz verkehrt sein.”

Der Trailer zum Film: