Cabaret Voltaire – „Chance Versus Causality“


Künstler*in Caberet Voltaire

Cabaret Voltaire Chance Versus Causality Review Kritik

„Chance Versus Causality“ ist erstmals komplett offiziell verfügbar.

Album Chance Versus Causality
Label Mute
Erscheinungsjahr 1979
Bewertung

Fast 50 Jahre währt die Karriere von Cabaret Voltaire mittlerweile (Richard H. Kirk als einzig verbliebenes Mitglied arbeitet gerade an einem neuen Album), doch schon sehr früh in ihrer Laufbahn hat die 1973 gegründete Band aus Sheffield die Überschrift für ihre gesamte Laufbahn gefunden, höchstwahrscheinlich ohne es zu wissen: Chance Versus Causality kann man durchaus als Motto für ihre hoch innovative Arbeitsweise sehen.

Im Jahr 1979, als sie gerade einen Plattenvertrag bei Rough Trade unterschrieben und die legendäre EP Nag Nag Nag veröffentlicht hatten, stand dieser Titel indes für einen Film von Babeth Mondini. Die niederländische Regisseurin hatte die Band beim Plan K-Festival in Brüssel kennengelernt, wo auch Joy Division und William S. Burroughs auftraten. Sie bat die Musiker, den Soundtrack für ihren anstehenden Film beizusteuern, und so nahmen Cabaret Voltaire – inspiriert von ihren „Live-Ambient-Sets“ – komplett improvisiert die sieben Stücke von Chance Versus Causality auf, die tatsächlich einfach mit „Part 1-7“ benannt sind.

Der Soundtrack war nie komplett als offizieller Tonträger verfügbar und erscheint nun digital sowie in limitierter Auflage auf transparentem, grünen Vinyl und als CD. Richard H. Kirk, Stephen Mallinder und Chris Watson hatten das Werk damals in ihren Western Works Studios aufgenommen und die einzige Kopie dann an die Filmemacherin geschickt. Anfang dieses Jahrtausend kamen diese Bänder zurück zu Cabaret Voltaire, gemeinsam mit der Plattenfirma Mute entstand dann die Idee einer Wiederveröffentlichung, parallel mit der Sammlung 1974-76 .

Es beginnt mit dem Plätschern von Wasser und dem Klang des Windes, der irgendwelche Dinge klimpern lässt, danach entfaltet sich eine abenteuerliche Klangwelt, die öfter an ein Hörspiel denken lässt denn an Musik. Cabaret Voltaire arbeiten mit vielen Tape-Loops, Elemente wie E-Gitarren, Drones oder Rhythmen werden jeweils nur angedeutet und sind letztlich ebenso Puzzlestücke im Klangkosmos dieser Künstler wie die Samples mit manipulierten Gesprächsfetzen. Im Part 3 kann man so etwas wie die Vorstufe von Scratches erkennen, im Part 5 scheinen Modemgeräusche zu erklingen, bevor es überhaupt Modems gab. Darin ist auch die Stimme eines alten, offensichtlich sehr spießigen Mannes zu hören, der das Tanzen verbietet – aber das wäre zu diesen Klängen ohnehin unmöglich.

Die Abenteuerlust auf der Suche nach musikalischem Neuland ist auf Chance Versus Causality ebenso erkennbar wie der Wille zu einer ganz eigenen, radikalen Ästhetik. Es ist wohl kein Zufall, dass ein paar Assoziationen zu dieser Musik auch für das spätere Schaffen von Cabaret Voltaire immer wieder zutreffend waren. Manchmal klingen sie wie ein kaputtes Kinderspielzeug, das freilich auch im intakten Zustand schon nicht allzu niedlich war, und ganz oft wie eine Maschine kurz vor dem Kollaps.

Ein Trailer zum Soundtrack.

Babeth Mondini bei IMDb.

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