Draufgeschaut: Die Reise des jungen Che


Film Die Reise des jungen Che

Die Reise des jungen Che Kritik Rezension

Che (Gael García Bernal, vorne) und Alberto (Rodrigo de la Serna) wollen Südamerika durchqueren.

Originaltitel Diarios de motocicleta
Produktionsland USA, Deutschland, UK, Argentinien, Chile, Peru, Brasilien
Jahr 2004
Spielzeit 120 Minuten
Regie Walter Salles
Hauptdarsteller Gael García Bernal, Rodrigo de la Serna, Mía Maestro
Bewertung

Worum geht’s?

Schon seit Jahren hat Alberto Granado einen großen Traum: Er will von seiner Heimatstadt Buenos Aires aus mit dem Motorrad bis ans nördlichste Ende von Südamerika fahren. Die nötige Maschine, von ihm „Die Allmächtige“ genannt, hat er längst gefunden, mit dem 23-jährigen Ernesto „Fuser“ Guevara steht dann auch ein passender Gefährte parat. Im Jahr 1952 brechen sie auf, für beide ist es ein großes Abenteuer vor einem großen Einschnitt im Leben: Alberto wird bald 30 und ahnt, dass er dann kaum noch Gelegenheit für solche Touren haben wird. Fuser muss nur noch ein Semester hinter sich bringen, um sein Medizinstudium abzuschließen. Neun Monate lang sind sie unterwegs und haben dabei etliche Schwierigkeiten zu überwinden: Das Motorrad macht schlapp, das Geld geht ihnen aus, gleich mehrfach haben sie bei Unfällen mächtig Glück, dass keiner von beiden ernsthaft zu Schaden kommt. Doch die Unwägbarkeiten der Reise belasten auch die Beziehung der beiden Männer, die auf dem Weg durch Chile, Peru, Kolumbien und Venezuela viel erfahren über ihre Freundschaft, sich selbst, und die Länder, die sie besuchen.

Das sagt shitesite:

Wer glaubt, auch wegen des deutschen Verleihtitels, Die Reise des jungen Che schildere so etwas wie ein Erweckungserlebnis im Leben des späteren Revolutionärs Che Guevara, sieht sich hier gleich mehrfach getäuscht. Zum einen ist die Tour durch den halben Kontinent für einen Schlüsselmoment schlicht viel zu lang – wenn überhaupt, dann könnte man von einer Schlüsselphase sprechen. Zum anderen ist im Film, der auf einer wahren Begebenheit und den Aufzeichnungen der beiden Protagonisten beruht, eher Alberto die Hauptfigur, auf dessen Idee die Reise beruht, Che wirkt dabei eher wie ein Sidekick. Nicht zuletzt ist zum Start dieser Reise keinerlei politische Agenda bei den beiden jungen Männern erkennbar, nicht einmal die Idee, das eigene Volk oder die Lage in den Nachbarländern besser kennen zu lernen. Vielmehr hat das gemeinsame Projekt den Charakter eines klassischen Road Trips: Zwei junge Männer brechen auf, um möglichst viel Spaß zu haben.

Entsprechend wird Die Reise des jungen Che auch eher ein Road- und Buddymovie mit tollen Landschaftsbildern und etlichen Eskapaden – allerdings kommt man nicht um die Feststellung herum, dass die Handlung ohne die spätere politische Bedeutung von Che Guevara vollkommen banal wäre. Fuser, wie der künftige „Che“ hier fast durchweg genannt wird, und Alberto werden als Hochstapler, Schnorrer, Kumpels, Aufreißer und Konkurrenten gezeigt. Sie sind zivilisationsmüde und sie sind zunächst eher mit touristischem Interesse unterwegs denn mit einer weltanschaulichen Mission. Als sie dann immer öfter Armut, Unrecht und Krankheit begegnen, wird vor allem Che mehr und mehr politisiert.

Über den im Titel geführten „jungen Che“ erfährt man zwar wenig, aber immerhin schafft es der Film, die Mittellosen, Unterdrückten und Benachteiligten von ihrem Leid erzählen zu lassen, was dem durchaus in privilegierten Umständen aufgewachsenen Studenten die Augen öffnet für die sozialen Missstände, die nicht nur in Argentinien, sondern fast auf dem gesamten südamerikanischen Kontinent herrschen. So verdeutlicht Die Reise des jungen Che einen Aspekt, der angesichts seiner späteren Biographie leicht in Vergessenheit geraten kann: Die Idee, sich gegen die Zustände aufzulehnen, war bei Che Guevara nicht politisch oder gar ideologisch motiviert, sondern sozial.

Bestes Zitat:

„Was uns beide verband, war unsere Rastlosigkeit, unsere Fähigkeit zu träumen und unsere unersättliche Liebe für die Weite.“

Der Trailer zum Film.

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