Durchgelesen: Ethan Hawke – „Hin und weg“


"Hin und weg" ist die Geschichte einer ersten Liebe - aus dem Nichts heraus.

Autor Ethan Hawke
Titel Hin und weg
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 1996
Bewertung ***1/2

Mola Adebisi, hauptberuflich angeblich Fernsehmoderator, schauspielert jetzt auch. Jeanette Biedermann, hauptberuflich angeblich Schauspielerin, hat eine erfolgreiche Platte aufgenommen. Die Blonde von den No Angels (wie heißt die überhaupt?) spielt in Kinofilmen mit und Stefan Effenberg plant eine Ausstellung seiner Bilder. „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“, möchte man ihnen zurufen.

Deshalb geht man auch skeptisch an „Hin und weg“ heran, den Debütroman von Ethan Hawke, den wir eigentlich als etwas verschlafenen Beau aus „Reality bites“ und natürlich „Before sunrise“ kennen.

Doch die Vorsicht ist unangebracht. Schließlich ist Hawke ein Theater-Enthusiast, also wohl durchaus des Lesens mächtig. Und das ist Voraussetzung, um schreiben zu können. Hawke kann es.

Aus dem Nichts heraus erzählt er die (natürlich tragische) Geschichte der ersten Liebe. Ganz ohne Kitsch, nicht ganz ohne Klischees. Selbstredend ist SIE, die hier Sarah heißt, ungewöhnlich und einmalig und verrückt. Deshalb sorgt sie dafür, dass in dem Roman überhaupt etwas passiert. Denn ER hat eigentlich gar kein ICH, ist in erster Linie bloß verliebt und verwirrt, eben „Hin und weg“ (eine selten gelungene Übertragung des Originaltitels „The hottest state“).

In diesem Zustand liegt auch die Substanz des Romans, die im letzten Drittel (wo ER wohl das ICH finden soll) aber leider etwas verpufft und sich in Hausfrauen-Psychologie auflöst. Vorher aber immerhin eine faszinierende und echte Liebesgeschichte, sehr ehrlich, rhythmisch und fast körperlich greifbar. Muss man erstmal hinkriegen.

Beste Stelle (auch wegen der Doppeldeutigkeit): „Mein Erfolg als Schauspieler war für mich Ausdruck meines größten Charakterfehlers. Ich war nur gut darin, so zu tun als wäre ich jemand anders. Ich war enttäuscht, dass es für so etwas einen Markt gab.“

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