Durchgelesen: Jakob Hein – „Vielleicht ist es sogar schön“


Tolle Form, wenig Bedeutung: Jakob Hein bleibt zu privat.

Autor Jakob Hein
Titel Vielleicht ist es sogar schön
Verlag Piper
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung **

Die Mutter stirbt. In diesen drei Wörtern kann man den gesamten Inhalt von „Vielleicht ist es sogar schön“ zusammenfassen. Es ist die Handlung, die Moral, die Tragik, die Motivation hinter Jakob Heins drittem Buch.

Und doch steckt viel mehr darin, was vor allem der sehr gelungenen Form geschuldet ist: Im Wechsel schildert der Autor (der im Hauptberuf selbst Arzt ist) den Verlauf der Krankheit, die eigene Betroffenheit und Ohnmacht und rührende Erinnerungen an die Mutter. So wird aus „Vielleicht ist es sogar schön“ auch die interessante Geschichte einer Familie, in der sich die Chronik des 20. Jahrhunderts zu konzentrieren scheint.

Vor allem aber ist das Buch wohl Heins Therapie, um mit dem Verlust klar zu kommen. Deshalb sind viele der Rückblenden zwar rührend, aber zu privat, um für unbeteiligte Leser bedeutsam zu sein. Und (wohl mit Bedacht) nicht privat genug, um faszinierend zu werden, lebendige Figuren entstehen zu lassen. Deshalb ist dieses Buch, für alle außer Jakob Hein, nur ein schwacher Trost.

An der besten Stelle besucht der Erzähler mit seiner Mutter zum ersten Mal die jüdische Gemeinde in Ostberlin: „Viele waren wie wir auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, auf der Suche nach Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte, die sie nie gekannt hatten. Einige waren Kinder von Juden, die Deutschland nie verlassen und doch überlebt hatten. Einige waren Kinder überzeugter jüdischer Kommunisten, deren Eltern beim Aufbau des besseren, fortschrittlichen Deutschlands hatten mithelfen wollen und deren Kinder nun in Ostdeutschland festsaßen. Das Glücksgefühl des Überlebens hatten vor vierzig Jahren andere gespürt. Die hier Anwesenden fragten sich ein oder zwei Generationen später, was sie nun anfangen sollten mit diesem Überleben.“

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