Hamburg verschenkt den Sieg


Alle hatten dem Revier-Kracher entgegengefiebert, doch das weitaus kurzweiligere Derby lieferten sich Hannover und Hamburg. Der HSV holte ein mehr als verdientes 1:1 (0:0). Bruma und Schlaudraff machten die Tore.

Hamburg war der Rückenwind nach dem Heimsieg gegen Hoffenheim deutlich anzumerken. Der HSV schien zu Beginn wild entschlossen, gleich den nächsten Dreier folgen zu lassen. Paolo Guerrero zielte nach zwei Minuten knapp daneben, kurz darauf setzte Töre den Ball ebenfalls nur hauchdünn am linken Pfosten vorbei. Auch in puncto Ballbesitz und Zweikämpfe gaben die Gäste zunächst den Ton an.

Hannover brauchte eine Viertelstunde, um sich erstmals gut in Szene zu setzen, hatte dann aber gleich die bis dahin beste Chance des Spiels: Sergio Pinto schickte Jan Schlaudraff, doch der scheiterte im Eins-gegen-Eins-Duell an HSV-Torwart Jaroslav Drobny. Von da an entwickelte sich eine äußerst kurzweilige erste Halbzeit mit vielen Strafraumszenen und Großchancen beinahe im Minutentakt. Drobny konnte sich in der ersten Hälfte noch einige Male auszeichnen, auch sein Gegenüber Ron-Robert Zieler war zur Stelle, als Heung-Min Son nach einer knappen halben Stunde wieder einmal gefährlich für die Gäste zum Abschluss kam.

Nicht nur die vielen Torszenen machten das Nordderby dabei interessant, sondern auch die Rollenverteilung. Die Gäste, als Tabellen-14. am letzten Spieltag erst der Abstiegszone entstiegen, nahmen mutig das Heft in die Hand. Hannover, als Europa-League-Vertreter auf eigenem Platz klarer Favorit, überließ Hamburg oft die Spielanteile und setzte stattdessen auf überfallartige Gegenstöße. Dass es zur Pause 0:0 stand, war bei dieser taktischen Ausrichtung mehr als erstaunlich.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb für die Abwehrreihen auf beiden Seiten Schwerstarbeit angesagt. Gökhan Töre sorgte für Hamburg auf dem linken Flügel immer wieder für viel Wirbel, Pinto leitete wiederholt gefährliche Konter für Hannover ein.

Vielleicht war dieser Dauerstress die Ursache für die Entstehung des ersten Tores: Zieler und Steven Cherundulo waren sich bei einem harmlosen Ball nicht einig, Hannovers Rechtsverteidiger klärte dann sicherheitshalber zur Ecke. Die brachte Töre ins Spiel und in der Mitte machte Jeffrey Bruma mit dem ganz langen Bein das 1:0 für Hamburg (64.). Hannovers Trainer Mirko Slomka wollte Cherundulo keinen Vorwurf machen, sondern hatte im Gespräch mit dem Pay-TV-Sender Sky einen anderen Kritikpunkt: «Der Spieler kann nicht wissen, was in seinem Rücken passiert und muss selbst entscheiden. Aber man muss aus so einer Ecke dann nicht gleich ein Tor kassieren.» Fast unmittelbar darauf hätten die Gäste nach einer weiteren Ecke nachlegen können, doch Westermanns wuchtigen Kopfball klärte Schmiedebach auf der Linie.

Das 1:0 verlieh dem HSV noch mehr Zuversicht, Hannover kam nach dem Rückstand kaum mehr zu konstruktivem Spiel. Erst ein Freistoß von Christian Pander, den Drobny noch um den Pfosten lenken konnte, sorgte wieder für ein Lebenszeichen der Niedersachsen (79.). Die folgende Ecke nutzte Hannover zum egalisieren: Pinto schlenzte auf Schlaudraff, der den Ball am Strafraumeck volley nahm und den herrlichen Ausgleichstreffer markierte. Für den 96-Stürmer war es das erste Bundesliga-Tor nach einer 1014 Minuten währenden Flaute.

Rincon, noch immer ohne Tor in der Liga, wollte es ihm kurz vor Schluss auf der Gegenseite gleich tun, als er von Töre geschickt wurde und den Ball aus spitzem Winkel mit vollem Risiko nahm. Es kam aber nur ein Luftloch dabei heraus. So verschenkte Hamburg letztlich zwei Punkte – und die Chance, mit einem durchaus möglichen Sieg in der Tabelle bis auf Platz 11 zu springen. Hannover hingegen ist im Abwärtstrend. Seit vier Spielen warten die 96er auf einen Sieg.

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