Hingehört: Suralin – „No Star“


Künstler Suralin

Cover des Albums No Star von Suralin bei Atomino Tonträger

Auf Atmosphäre statt Hooklines setzen Suralin auf ihrem dritten Album.

Album No Star
Label Atomino Tonträger
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

So etwas hat man ja auch nicht alle Tage. No Star ist das erste Album einer Band, das bei der brandneuen Plattenfirma Atomino Tonträger erscheint. Die Release-Nummer ATT001 war zwar schon vergeben (für einen Sampler mit exklusiven Tracks Chemnitzer Künstler), die 002 haben sich aber die vier Jungs von Suralin gesichert, die natürlich ebenfalls aus dem Umfeld des Clubs kommen, der vor allem als einstiger Heimathaften von Kraftklub bekannt geworden ist.

Dass das neue Label – trotz des Höhenflugs von Kraftklub – nicht angetreten ist, um die Musikwelt auf den Kopf zu stellen, zeigen schon der Name (Deutsch statt Englisch), und die Tatsache, dass man bei einer Bezifferung wie ATT002 wohl erstmal allenfalls mit 999 Releases rechnet. Suralin wären, das darf man wohl sagen, auch die denkbar falsche Band, um die Charts in Angst und Schrecken zu versetzen: Das 2009 gegründete Noiserock-Quartett genügt sich auch auf seinem dritten Album ganz und gar selbst und würde im Zweifel wohl eher auf die DIY-Bibel schwören (die Lieder von No Star wurden in knapp vier Tagen bei Wolfgang Möstl in Graz aufgenommen) als einem „Bring mich zum Schotter“-Ethos verfallen.

Steve Lößner, Matthias Vogel, Toni Fiegert und Alexander Warnke beweisen auch auf No Star ihren sehr eigenen Charakter, ohne dabei freilich zu Gitarrenmusik-Erneuerern zu werden. Etablierte und mit dem Indie-Siegel höchster Glaubwürdigkeit versehene Sounds werden hier sehr gekonnt variiert, ohne jemals nur kopiert zu werden. Perpetual Auto Angst beispielsweise findet eine Schnittmenge aus Joy Division und Stoner Rock. Die sehr schöne Ballade Salvation, das vergleichsweise rabiate Little Men und das wundervolle Instrumentalstück 50.498113, 12.830281 (die Koordinaten verweisen auf eine Adresse in Schwarzenberg im Erzgebirge) als Schlusspunkt von No Star zeigen ebenfalls, dass es hier mehr um Einfühlen geht als um Beschleunigung, mehr um stimmige Atmosphären als um todsichere Hooklines.

Coffee And Cigarettes erinnert an die Arctic Monkeys der mittleren Phase: Da weiß jemand genau um die Kraft des Repetitiven, ebenso wie um die Wirkung des Verstörenden im genau richtigen Moment. Der Titelsong als Auftakt von No Star zeigt einen weiteren Pluspunkt von Suralin: die reizvolle Diskrepanz zwischen gerne kraftvoller Musik und dem meist vorsichtigen Gesang von Alexander Warnke. Seine Stimme lässt gelegentlich an längst vergessene deutsche Indie-Frontmänner wie Tobias Kuhn (Miles) oder Zachary Johnson (Readymade) denken, und zusammen mit dem Rest von Suralin wirkt das manchmal, als würde ein Todkranker von Titanen getragen.

Wer es konkreter haben will, kann gerne Fugazi oder Sonic Youth als Bezugspunkte heranziehen. Oder sich Sirens And Dissonance anhören. Da überrascht nämlich am meisten, dass ein solcher Song bei Atomino Tonträger erscheint – und nicht bei Sub Pop.

Im Video von No Star eifert jemand Christopher Walken nach.

Suralin bei Facebook.

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